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Stimmung in der Bayernhalle: Die Fischbachauer Goaßlschnalzer und die Musikkapelle legen bei der Grünen Woche in Berlin einen schmissigen Auftritt hin.

Tegernsee und Fischbachau Untermieter in Berlin

Grüne Woche: Region präsentiert unter Starnberger Flagge

Sie sind schon da. Nur ist es gar nicht so einfach, die Vertretungen unserer Region auf der größten Landwirtschaftsmesse der Welt zu finden. Kein Wunder...

Landkreis – Wer den Tegernsee auf der Grünen Woche sucht, muss ein bisschen um die Ecke denken. Im offiziellen Ausstellerverzeichnis ist er, anders als die Genussregion Irschenberg GmbH, nämlich nicht gelistet. Kein Wunder, schließlich präsentiert sich die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) heuer nicht mit einem eigenen Auftritt auf der weltgrößten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau in Berlin. Wie ihre Kollegen aus den Tourist-Infos in Miesbach, Schliersee und Bayrischzell beteiligt sich die TTT am Stand des Tourismusbüros Fischbachau, das sich wiederum – Achtung, jetzt wird’s richtig kompliziert – bei der Tourist-Information Starnberger Fünf-Seen-Land eingemietet hat.

Verwirrendes Versteckspiel: Ja wo sind wir denn nun?

Was sich wie ein verwirrendes Versteckspiel anhört, ist für Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner „zwar eine hemdsärmelige, aber komplett konzertierte Aktion“. Die hat ihren Ursprung in der Entscheidung des Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), mangels Interesse der hiesigen Produzenten 2017 keinen Stand auf der Grünen Woche mehr zu buchen. Lechner kritisiert dies nicht. „Ich kann verstehen, dass sich die ATS mit ihrem eher knappen Budget auf andere Veranstaltungen konzentriert“, sagt er. Im Gegenzug habe er aber kein schlechtes Gewissen, etwas eigenes auf die Beine zu stellen.

„Eigenen Stand hätten wir uns nicht leisten können“

Das Angebot aus Starnberg kam da gerade recht. „Einen eigenen Stand hätten wir uns nicht leisten können“, sagt Lechner. Wohl aber eine Beteiligung, die die Gemeinde alles in allem nicht mehr als 6000 Euro kosten wird. Trotzdem machte sich der Bürgermeister auf die Suche nach weiteren Partnern – und wurde fündig. Miesbach, Schliersee und Bayrischzell sowie die TTT sprangen laut Lechner sofort auf den Zug nach Berlin auf. Als Gegenleistung überweisen sie jeweils 500 Euro an die Organisatoren aus Fischbachau.

Kräuterduftsacker und Gewinnspiel: Das bringt „heiße Adressen“

Für den Bürgermeister eine „runde Sache mit einem riesigen Preis-Leistungs-Verhältnis“. So sei Berlin ein nicht zu unterschätzender touristischer Markt. Zudem biete die Grüne Woche Fischbachau die Möglichkeit, das Konzept „Kräuter-Kraft-Natur“ mit allen Sinnen erlebbar zu machen. Neben Prospektmaterial haben die beiden Mitarbeiterinnen der örtlichen Tourist-Info auch 600 Fischbachauer Kräuterduftsackerl mit an den Messestand gebracht. Das Miesbacher Kulturamt steuerte eigens bedruckte Tragetaschen aus Papier bei. Bei einem Gewinnspiel können die Besucher zudem einen einwöchigen Urlaub für zwei Personen im Leitzachtal gewinnen. Keine uneigennützige Aktion, wie Lechner betont. „Dadurch generieren wir heiße Adressen.“ Die Teilnehmer geben ihre Kontaktdaten an, welche die Tourist-Info wiederum fürs Marketing verwenden darf.

Aufmerksamkeit geht auch anders: Mit Goaßlschnalzer, Plattler und Blaskapellen

Damit die Leute überhaupt auf Fischbachau und Co. aufmerksam werden, beteiligen sich die Organisatoren auch am Rahmenprogramm. Fast täglich treten Musikkapellen aus der Region auf der Bühne in der Bayernhalle auf. Neben den Blaskapellen Fischbachau und Elbach sowie der Wiesseer Blasmusik sorgen laut Lechner auch Goaßlschnalzer und Plattler für „Traditionsfeeling und Ramba Zamba“. Fischbachaus Kulturreferent Andreas Estner führt als Moderator durch das Programm – und lotst die Zuhörer direkt weiter an den Messestand. „Das funktioniert wunderbar und ist hocheffizient“, schwärmt Lechner.

TTT lädt in eine Bar ein - auch eine Möglichkeit

Davon ist auch TTT-Chef Christian Kausch überzeugt. Für den von der TTT im Rahmenprogramm der Grünen Woche organisierten Netzwerkabend in Berlin Mitte hätten sich mehr als 50 Personen angemeldet. „Offensichtlich stößt unser Vorhaben, das schöne Tegernseer Tal in einer angesagten Bar zu präsentieren, auf großes Interesse.“ Auch auf der Messe selbst sind Botschafter aus dem Tal vertreten, darunter die Naturkäserei aus Kreuth, die sich einen Stand mit der Klosterbrauerei Reutberg teilt.

Wie erfolgreich die Aktionen letztlich waren, wird frühestens Ende der Woche feststehen. Lechner ist jedenfalls guter Dinge, dass der Versuchsballon nicht platzen wird. Anders als die meisten anderen Aussteller habe man nicht nur Plakate aufgehängt und Häppchen verteilt. „Vielleicht stechen wir damit ja als Exoten heraus.“

sg

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