Drei Bewerber um ein Amt: Karl Bär aus Holzkirchen (r.) setzte sich bei der Online-Abstimmung um die Bundestagskandidatur gegen Nikolaus Hanus (oben links) aus Lenggries und den Otterfinger Martin Jordan durch. Screenshot: ak
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Drei Bewerber um ein Amt: Karl Bär aus Holzkirchen (r.) setzte sich bei der Online-Abstimmung um die Bundestagskandidatur gegen Nikolaus Hanus (oben links) aus Lenggries und den Otterfinger Martin Jordan durch.

37-jähriger Holzkirchner kandidiert für die Grünen

Bundestag: Bär bekommt eine vierte Chance

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Mit deutlichem Vorsprung hat sich der Holzkirchner Karl Bär (37) als Direktkandidat der Grünen für die Bundestagswahl im September in Position gebracht. Es ist sein vierter Anlauf.

Landkreis ‒ Das Grünen-Webinar zur Aufstellung des Direktkandidaten für die anstehende Bundestagswahl hatte am Donnerstagabend 139 Teilnehmer, von denen 126 wahlberechtigt waren. Auch bei dieser Online-Aufstellungsversammlung inklusive Abstimmung gab es hier und da noch einige Verzögerungen. Aber die Grünen in den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz/Wolfratshausen zeigten sich insgesamt technik-affin und bestens vorbereitet. Unter anderem gab es Zwei- und Dreifach-Besetzungen für das Wahlgremium – „vorsichtshalber, falls es zu technischen Problemen kommt“, ließ Versammlungsleiter Georg Kammholz wissen. Zu Ausfällen kam es aber nicht, sodass Wahlleiterin Jovana von Beckerath sehr stringent zur exakt siebenminütigen Vorstellung der drei Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge überleiten konnte.

Den Anfang machte Karl Bär aus Holzkirchen. Der 37-jährige Agrarwissenschaftler, der beim Umweltinstitut München arbeitet und als solcher unlängst im Südtiroler Pestizidprozess von sich reden machte, war schon mehrmals nominiert und hatte sich bei den letzten Bundestagswahlen zwar eine vorderen Listenplatz sichern können, schaffte aber den Einzug jedes Mal knapp nicht.

„Erzeuger eines Kindes, das bei seinen beiden Mamas lebt“

Mittlerweile habe er Nachwuchs, berichtete der Kreis- und Gemeinderat. Er sei Erzeuger eines Kindes, das bei seinen beiden Mamas lebe. Die Liberalisierung des Familienrechts steht deshalb ebenso auf seiner Agenda wie der Umweltschutz und der Kampf gegen den Klimawandel, eine ökologische Landwirtschaft, ein Insektenschutzprogramm. „Bio soll Standard für alle werden“, machte er deutlich. Und auch: „Ich will regieren.“ Dabei plädierte er für eine „Kompromiss-, Konflikt- und Kampagnen-Fähigkeit“ der Grünen Politik. Für die Menschen im Wahlkreis wolle er sich für den Ausbau des ÖPNV (statt der geplanten 320 Millionen Euro für den Straßenbau) und gegen die Privatisierung von Krankenhäusern stark machen.

Auch die Beantwortung der Fragen meisterte Bär souverän und punktgenau innerhalb der vorgegebenen Zeit: Eine Agrarwende lasse sich nur mit der Verschärfung des Kartellrechts herbeiführen. Den Landwirten müsse eine langfristige Perspektive statt sich ständig ändernder Vorgaben gegeben werden. Mehr Tierschutz würde weniger Tiere mit Flächenbindung und für den Verbraucher höhere Fleischpreise bedeuten. Bär will sich für einen Tierschutz in Kombination mit Handelspolitik starkmachen. Dafür erhielt er 104 der 126 abgegebenen Stimmen.

Lenggrieser Zimmerermeister weit abgeschlagen

Der Lenggrieser Zimmerermeister und Holzbauer Nikolaus Hanus erhielt nur 19 Stimmen, obwohl sich der 46-jährige Familienvater sehr kämpferisch klassische Grünen-Themen auf die Fahne geschrieben hatte. Er wollte sich gegen die Bedrohung der Wälder und Gewässer, die Abnahme der Artenvielfalt und für mehr alternative Energien und deren Erforschung stark machen. Besonders für den Bausektor forderte er eine „Energierevolution“, wie auch eine bessere regionale Vernetzung des ländlichen Raums zum Beispiel durch die Anbindung an den Verkehrsverbund der Großstädte.

Mit nur zwei Stimmen musste sich der Otterfinger Speditionskaufmann Martin Jordan begnügen. Der Familienvater, der coronabedingt seinen Arbeitsplatz verloren hat, haderte vor allem mit dem Umgang der aktuellen Regierung mit der Pandemie – sowohl die Corona-Hilfen als auch die Impfstrategie betreffend – und erklärte den frontalen Kampf gegen die CDU/CSU und deren Absetzung zu seinem Ziel.

Ergebnis muss bis zum 10. April per Briefwahl bestätigt werden

Bis zum 10. April sind die über 400 Grünen-Mitglieder im Wahlkreis angehalten, Bär per Briefwahl zu bestätigen. Auszählung und Bekanntgabe des Ergebnisses erfolgen am 11. April.

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