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Kinder müssen draußen bleiben: Ein Bauzaun hält die kleinen Berghamer derzeit vom Freizeitspaß auf dem Spielplatz ab. 

Bürgermeisterin: „Das ist doch eine verkehrte Welt.“

Gutachter spielt zufällig mit Kindern auf diesem Spielplatz - dann lässt er ihn sperren

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Mit einem Bauzaun hat die Stadt Miesbach den Spielplatz in Bergham abgesperrt. Grund sind Mängel, die ein Sachverständiger durch Zufall dort entdeckt hat. Weitere könnten folgen.

Parsberg/Miesbach – Aufgekommen ist die Sache durch einen Zufall. Ein Sachverständiger sei privat mit seiner Familie auf dem Spielplatz in Bergham gewesen, berichtete Bürgermeisterin Ingrid Pongratz nun bei den Bürgerversammlungen in Miesbach und Parsberg. Während seine Kinder die Spielgeräte in Beschlag nahmen, habe er sich die technische Seite genauer angeschaut – und dabei mehrere Mängel festgestellt.

Diese seien auf neue Sicherheitsrichtlinien zurückzuführen, erklärte Pongratz. Nach dem Anruf des Experten hätten die zuständigen Mitarbeiter der Stadt zusammen mit ihm die Lage Vorort begutachtet. Mit folgendem Ergebnis: „Es ist uns nichts anderes übrig geblieben, als den Spielplatz mit einem Bauzaun zu sperren“, verkündete Pongratz.

Die Bürgermeisterin gab unumwunden zu, dass sie alles andere als glücklich ist über die Situation. „Wir werden zugemüllt mit Vorschriften und Richtlinien“, schimpfte sie. „Ich frage mich, wie wir früher groß geworden sind?“ Dennoch habe die Stadt keine andere Möglichkeit, als die Vorgaben umzusetzen. Und das nicht nur in Bergham, sondern auch an allen anderen Spielplätzen, die zu dieser Zeit aufgebaut wurden und damit in die Jahre gekommen seien.

Als Beispiele nannte Pongratz die Anlagen an der Riviera, Am Hochwald und beim Grießer. Aber auch alle anderen Spielplätze müssten von einem Sachverständigen jährlich überprüft werden. „Das ist mittlerweile gesetzlich so vorgeschrieben“, betonte Pongratz. Die Stadt habe bereits beim TÜV einen Gutachter angefragt. Etwaige Mängel werde man schnellstmöglich beheben, um die gesperrten Bereiche bald wieder freigeben zu können beziehungsweise weitere Sperrungen zu vermeiden.

Hauptproblem und auch Auslöser der Situation in Bergham sei die Absicherung der Fallschutzbereiche unter den Spielgeräten, erklärte die Bürgermeisterin. Der dort aufgebrachte Rindenmulch sei nicht mehr zulässig, stattdessen müssten spezielle Matten eingebaut werden. Bauhofleiter Josef Harraßer geht auf Nachfrage unserer Zeitung ins Detail. Rindenmulch setze sich durch die Verwitterung ab und verliere dadurch seine dämpfenden Eigenschaften. Ferner könnten sich in dem Naturmaterial gesundheitsbelastende Schimmelsporen bilden.

Bislang habe sich der Bauhof allein um die Begutachtung und Instandhaltung der Spielplätze gekümmert, erklärt Harraßer. „Wir kontrollieren regelmäßig mit einer Checkliste.“ Reparaturen habe man immer umgehend durchgeführt. Doch auch das ist ab sofort nicht mehr ohne Weiteres möglich, sagte Pongratz bei der Bürgerversammlung. Künftig dürften kaputte Bretter oder Schrauben an Spielgeräten nur noch durch Originalteile des jeweiligen Herstellers ersetzt werden.

Die Bürgermeisterin konnte da nur noch den Kopf schütteln. „Das ist doch eine verkehrte Welt.“ Und auch Harraßer meint, dass man mit Ersatzeilen aus dem Baumarkt bislang nicht schlecht gefahren sei. „Hauptsache, es ist schnell wieder sicher.“

Weitere Berichte

zu den Bürgerversammlungen in Miesbach und Parsberg folgen.

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