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Vielseitig einsatzfähig: Dorfhelferin Christine Huber hilft da, wo sie gebraucht wird. Wie hier im Stall beim Einstreuen, aber auch in der Küche beim Kochen oder sie passt auf die Kinder auf.

„Langweilig war’s noch nie“

Die gute Seele in schwierigen Zeiten: Über das Leben einer Dorfhelferin

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Eine Krankheit, eine Operation oder ein Unfall – und plötzlich läuft alles aus dem Ruder. Eine, die in solchen Notlagen bei Familien die Lücke füllt, ist Dorfhelferin Christine Huber. 

Landkreis – Christine Huber kocht, wäscht und putzt. Oft hilft sie auch bei den Stallarbeiten. Dazwischen passt sie noch auf die Kinder auf. Klingt nach einer Hausfrau, Mama oder Bäuerin. Doch die 45-Jährige, die in der Gemeinde Bad Feilnbach lebt, erledigt diese alltäglichen Aufgaben nicht in ihren eigenen vier Wänden, sondern in fremden Häusern. Christine Huber ist Dorfhelferin, ihr Einsatzgebiet auch der Landkreis Miesbach. „Das ist ein sehr anstrengender Beruf“, sagt sie. „Aber ich möchte helfen, und das tu ich auch.“ 

35 Stunden pro Woche springt Huber, die selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, in Haushalten ein, in denen Not am Mann ist. Wenn Mama oder Papa wegen einer Operation im Krankenhaus und dann auf Reha sind. Wenn jemand krank wird und die Arbeiten im Haus oder Stall nicht mehr erledigen kann. Oder wenn jemand verunfallt. „Ich dachte, ich red nur noch mit Menschen, die krank sind und Probleme haben, das hat mich am Anfang schon runtergezogen“, erzählt die 45-Jährige von ihren Anfängen . „Man taucht eben in die Familien ein.“ 

Dabei kommt es auch vor, dass die Feilnbacherin zu einem Einsatz gerufen wird, weil ein Familienmitglied verstorben ist oder etw an Krebs leidet. „Das ist schon schlimm“, sagt sie. „Aber ich bin sehr gläubig, und das hilft dabei, so etwas zu verarbeiten.“ Doch der Beruf der Dorfhelferin hat keinesfalls nur schlimme Seiten, im Gegenteil. „Die Leute geben einem so viel zurück, sind dankbar“, sagt die 45-Jährige. „Dann weiß man, warum man das macht.“ 

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Seit fast 18 Jahren ist Huber als Dorfhelferin im Einsatz. Nach ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin war sie nicht ganz glücklich in dem Beruf. „Da war mir zu wenig Action“, meint sie. Deshalb hat sie sich zur Dorfhelferin ausbilden lassen. Über zu wenig Action kann sich die Feilnbacherin jetzt nicht mehr beschweren. Oft muss sie um 6 Uhr morgens im Stall stehen. In manchen Betrieben kommt sie nur zum Melken, fährt danach zu einer anderen Familie weiter, um dort zu kochen, zu putzen und die Kinder zu bespaßen. „Langweilig war’s noch nie“, sagt Huber lachend. 

Die Einsätze können zwischen ein paar Tagen bis zu mehreren Monaten dauern, je nach Bedarf der betroffenen Familie. Vermittelt werden sie vom Maschinenring, der für den Landkreis Miesbach, den Altlandkreis Bad Aibling und den südlichen Landkreis München zuständig ist. Sieben Dorfhelferinnen gibt es, die im Landkreis eingesetzt werden. Zwei davon sind – wie Huber – bei der Katholischen Dorfhelferinnen und Betriebshelfer in Bayern GmbH für die Station Miesbach angestellt, die es seit 50 Jahren gibt. Die anderen arbeiten selbstständig. 

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Finanziert werden die Einsätze von den Krankenkassen. Diese geben vor, für wie viele Stunde und wie lange die Dorfhelferin bezahlt wird. Reicht das Geld von den Kassen nicht, springt der Förderverein Dorfhelferinnen mit seinen knapp 300 Mitgliedern um Vorsitzende Kathi Klaus ein.

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