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Gitarrist mit Komponistentalent: Jakob Pflüger hat den Song „I wanna live“ geschrieben.

Am Montag Uraufführung

Gymnasiast (18) komponiert Song für Krebskind Nici

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Miesbach/Neuhaus - „I wanna live“, zu Deutsch „Ich will leben“: Ein einprägsamer Titel, hinter dem eine große Geschichte steht. Diesen Rocksong hat Jakob Pflüger aus Miesbach für den krebskranken Nicolas „Nici“ Kutter (16) aus Neuhaus komponiert.

Das Werk des musikalischen Elftklässlers, der das Gymnasium Miesbach besucht, wird die Öffentlichkeit erstmals bei den Schulkonzerten an diesem Montag und Dienstag hören. Vorab erklärt der 18-jährige Miesbacher, warum er für seinen Kollegen vom Tegernseer Gymnasium zum Komponisten geworden ist.

Herr Pflüger, wie kamen Sie auf die Idee, einen Rocksong für Nici zu komponieren?

Durch die Presse hatte ich von Nicis Fall mitbekommen. Sein Schicksal hat mich sehr berührt, zumal er nicht viel jünger ist als ich. Ich habe mich dazu berufen gefühlt, etwas zu machen, auch weil der Song eine wahnsinnig gute Gelegenheit bietet, das Thema unter die Leute zu bringen. Es bewegt ja nach wie vor. Und ich möchte viel Emotion in meine Songs stecken. Das war in einer Phase, in der ich selbst schon viel an Songs geschrieben habe.

Es ist also nicht Ihr erstes Werk?

Ich bin Hobby-Komponist, und das Hobby nimmt bei mir ziemlich viel Zeit ein (lacht). Bislang habe ich sechs Songs veröffentlicht – von Ruhigerem über Elektronisches bis Metal. Sie stehen im Internet gratis auf SoundCloud. Momentan ist viel in Planung, was bald online gehen soll, so auch Nicis Song.

Und wie klingt das Lied „I wanna live“?

Es handelt sich um einen dreieinhalbminütigen Rock-Orchester-Song. Eingeleitet wird er durch Klavier und Gesang, dann folgt ein sehr streicherorientierter Teil, und gegen Ende wird es rockiger. Dabei kommt die Hoffnung heraus,  und zugleich wird die Härte dargestellt. Es spielen etwa 20 Musiker, und Christina Waldschütz singt. Der Titel wird erstmals bei den Sommerkonzerten des Gymnasiums gespielt. Die Zeit für eine Aufnahme zuvor war zu knapp, deshalb wird es beim Schulkonzert am Montag eine absolute Premiere. Es ist auch das erste Mal, dass ein Schüler etwas komponiert hat, das ein Rock-Orchester spielt. Und da ich sonst E-Gitarre spiele, war es auch für mich etwas Neues, mit einem Orchester zu arbeiten.

Die Premiere wird sich Nici doch sicher nicht entgehen lassen...

Nici möchte an einem der beiden Abende da sein. Der Kontakt ist durch den Song entstanden. Ich habe ihm von meinem Plan geschrieben, bevor er nach Seattle ging.

Seine Reaktion?

Ein „Megacool!“ (lacht).


Wie es Nici jetzt geht

Ende Juni ist Nicolas Kutter, der an Leukämie erkrankt war, aus den USA nach Schliersee zurückgekehrt. „Es ist eine Ehre für mich, dass schon ein Song für mich geschrieben wurde“, sagt der Schlierseer. Deshalb wird Nici auch bei der Premiere im Miesbacher Gymnasium am Montag dabei sein. Apropos Schule: Seit fast zwei Wochen besucht Nici schon wieder das Tegernseer Gymnasium – nach vier Monaten Pause. „Es macht Spaß, die Freunde wiederzutreffen“, sagt er. Doch er hat auch ein ehrgeiziges Ziel: „Ich möchte direkt in die 11. Klasse gehen und mache daher in der letzten Ferienwoche eine Nachprüfung.“ In Seattle bekam der 16-Jährige im Krankenhaus Unterricht in den Hauptfächern, daher müsse er den Stoff in den kommenden Wochen zum Großteil nur noch wiederholen und intensivieren. Doch zunächst steht in der letzten Schulwoche erst einmal eine Klassenfahrt nach Weimar an. Auch gesundheitlich gibt es Lichtblicke: „Ich habe derzeit keine Schmerzen“, sagt Nici. Zudem geht er bereits zur Reha-Therapie mit Aufbautraining. Bei seiner Rückkehr aus den USA schien die Leukämie erfolgreich bekämpft zu sein. „Ich habe derzeit keine Krebszellen im Blut.“ Die Werte werden aber alle zwei Wochen kontrolliert, um Veränderungen früh zu erkennen. Noch ist sein Alltag also nicht wie vor der Erkrankung.

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