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Direktor Rainer Dlugosch hat sich mit dem Gymnasium Miesbach für die "Mittelstufe Plus" beworben.

Schule in der Kreisstadt möchte an Pilotprojekt teilnehmen

Gymnasium Miesbach bewirbt sich für "Mittelstufe Plus"

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Miesbach - Das Gymnasium Miesbach möchte Testschule für die "Mittelstufe Plus" werden: Die Schule bewirbt sich beim Kultusministerium für das bayernweite Pilotprojekt. Weil es so attraktiv ist.

Ein Zusatzjahr in der Mittelstufe, dafür aber so gut wie kein Nachmittagsunterricht mehr: Das bietet die vom Bayerischen Kultusministerium geplante „Mittelstufe Plus“. Das Gymnasium Miesbach bewirbt sich für das spezielle Angebot, das im kommenden Schuljahr als zweijähriges Pilotprojekt starten soll. Direktor Rainer Dlugosch (58) erklärt, warum sich seine Schule für den Testlauf interessiert und was das Modell so attraktiv macht.

Herr Dlugosch, das Gymnasium Miesbach bewirbt sich als Testschule für die „Mittelstufe Plus“. Warum? 

Die „Mittelstufe Plus“ ermöglicht eine Entschleunigung der Mittelstufe und damit des gesamten G8. Wir wollen den Schülern damit ein attraktives Angebot machen. Es bietet die Chance, in der durchaus anspruchsvollen bis schwierigen Lebensphase der Schüler mehr Zeit zu haben, um sich am Gymnasium zurechtzufinden und zu entwickeln. Damit mehr Schüler das Abitur erreichen und damit sie auch die Möglichkeit haben, in anderen Bereichen weiterzukommen. 

Indem zum Beispiel der Nachmittagsunterricht entfällt, mit Ausnahme der zehnten Klasse mit jeweils zwei Wochenstunden?

Die Schüler können so ihren Hobbys nachgehen, ohne die schulischen Leistungen zu beeinträchtigen, in Angeboten außerhalb des Unterrichts wie Musik, Sport und Vereinsleben. Das Alter von 14 bis 16 ist eine intensive Zeit. Dass es so gut wie keinen Nachmittagsunterricht gibt, ist ein unglaubliches Angebot. 

Neben dem Verzicht auf Nachmittagsunterricht setzt das Modell auf eine verlängerte Mittelstufe mit vier statt drei Jahren. 

Indem wir Kernfächer wie Deutsch, Mathematik und Sprachen auf vier Jahre statt drei strecken, servieren wir den Schülern kleine, leicht verträgliche Lernhäppchen. Im Zuge dessen kann man auch die Nebenfächer reduzieren, um sie in der zusätzlichen, anschließenden Jahrgangsstufe „9+“ als Schwerpunkt aufzunehmen. Ebenso wie individuelle Fördereinheiten. Der sehr variablen Entwicklungsphase der Kinder und Jugendlichen wird so besser nachgekommen. 

Wegen dieses Zusatzjahres wird die „Mittelstufe Plus“ oft auch als „G9 light“ bezeichnet. 

Das Modell bietet eine oftmals gewünschte Entlastung, sowohl stundenmäßig als auch von der Fächerbelastung. Ein weiterer Grund für unsere Bewerbung ist, das Gymnasium Miesbach als „Landschule“ zu stärken. 

Inwiefern? 

Im Landkreis Miesbach haben manche Gymnasiasten einen langen Schulweg, und es ist schwierig für sie, nach dem Nachmittagsunterricht mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder heimzukommen. Indem wir bei der „Mittelstufe Plus“ keine so starke Nachmittagsfrequentierung im öffentlichen Nahverkehr mehr haben, heilen wir diese wunde Stelle. Eine weitere Rolle spielt die Übertrittsquote ans Gymnasium. Im ländlichen Raum beträgt sie derzeit 30 bis 35 Prozent, in der Stadt aber 80 bis 90 Prozent. In diesem Punkt haben wir durchaus Nachholbedarf. 

Mit dem Modell würde sich das Gymnasium Miesbach aber auch von denen in Holzkirchen und Tegernsee abheben. Welche Rolle spielt der Konkurrenzgedanke bei der Bewerbung? 

Keine. Die Tegernseer und Holzkirchner Schulleiter Werner Oberholzner und Axel Kisters haben mich sogar bei der Bewerbung unterstützt. Holzkirchen ist eine Schule im Aufbau, und Tegernsee hat nicht die nötige Klassenanzahl für das Pilotprojekt. Mit unseren 1000 Schülern sorgen wir für repräsentative Ergebnisse für die Allgemeinheit. 

Sind Lehrer und Eltern auch so überzeugt wie Sie? 

Die Kollegen in der Lehrerkonferenz waren einstimmig für die Bewerbung. Im Schulforum mit SMV, Elternbeirat und Lehrern war das Ergebnis auch einstimmig. Wir halten es zumindest für einen Versuch wert. 

Interessierte Schulen können sich noch bis Ende Februar beim Kultusministerium bewerben, maximal 40 Schulen kommen zum Zug. Wie sehen Sie die Chancen für Miesbach? 

In unserem Bereich Oberbayern-Ost sind drei bis vier Schulen für die zweijährige Testphase vorgesehen. Darüber entscheidet der Ministerialbeauftragte. Die Zahl derer, die sich bereitstellen, dürfte nicht allzu hoch sein, weil es anspruchsvoll ist, die „Mittelstufe Plus“ unterrichtsorganisatorisch darzustellen. Wir sind guten Mutes, dass wir überzeugende Argumente liefern – wegen unserer Größe, Lage und Flexibilität.

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