Für die Saison gerüstet: Hagelflieger-Chef Georg Vogl (l.) und Pilot Simon Nickl bei der Arbeit an einem Silberjodid-Generator.
+
Für die Saison gerüstet: Hagelflieger-Chef Georg Vogl (l.) und Pilot Simon Nickl bei der Arbeit an einem Silberjodid-Generator.

Piloten für die Saison gerüstet

Hagelflieger in Lauerstellung

Seit Kürzem sind sie wieder in Bereitschaft, die Hagelflieger aus Rosenheim. Die ersten Einsätze zur Hagelabwehr könnten angesichts des frühsommerlichen Wetters bald kommen.

Landkreis – Die Hagelflieger, die bei entsprechender Gefahrenlage bis Ende September aufsteigen, sind gut für die neue Saison gerüstet. Das Einsatzgebiet umfasst sechs Stadt- und Landkreise, darunter auch Miesbach. In den vergangenen Wochen hat deren Chef Georg Vogl viel Zeit auf dem Flugplatz in Vogtareuth (Kreis Rosenheim) verbracht. Denn bevor die Piloten starten können, müssen die Flugzeuge und Generatoren einsatzbereit sein. Die alljährliche Wartung haben die beiden Flugzeuge bereits hinter sich. Die Maschinen wurden im November und Dezember in Stuttgart auf Herz und Nieren geprüft. Kürzlich sind im Hangar auf dem Flugplatz in Vogtareuth die vier Silberjodid-Generatoren gewartet worden.

Silberjodid-Generatoren technisch aufgerüstet

Für die Silberjodid-Generatoren steht die fünfte Saison an. Sie werden erneut technisch aufgerüstet. Jeder Generator verfügt über einen eigenen Computer, der eine saubere Verbrennung steuert. Die Piloten können aus dem Cockpit heraus genau einstellen, wie viel Silberjodid verwendet werden soll. Zwischen drei und acht Liter pro Stunde sind möglich. Das Silberjodid verhindert die Bildung großer Hagelkörnern.

Die Menge hänge von vielen Faktoren ab, sagt Vogl. „Sind wir mit zwei Flugzeugen an einem Einsatzort, kann die Menge verringert werden. Auch wenn ich sehe, dass sich ein paar Kilometer entfernt eine weitere hagelträchtige Zelle aufbaut, verwenden wir weniger Silberjodid, um noch genug Lösung für den direkt anschließenden Einsatz zu haben.“ Bei starkem Aufwind werde hingegen voll aufgedreht, um die größtmögliche Menge Silberjodid in die Wolken zu bekommen.

Im Gegensatz zur alten Generation der Generatoren können diese während eines Einsatzes mehrfach gezündet werden. Jeder Generator ist mit 20 Litern Silberjodid-Lösung gefüllt. Neu ist auch eine Funktion, mit der die Düse „freigepustet“ werden kann. „Wenn Silberjodid verdampft, können sich an der kleinen Düsenöffnung Kristalle festsetzen“, erklärt Vogl. „Das kann dafür sorgen, dass der Generator beim Neustart nicht anspringt. Um die Düse frei zu bekommen, kann der Pilot jetzt die Pumpe kurzzeitig auf Überdruck laufen lassen.“

Zwei neue Piloten lassen Team auf sechs Personen anwachsen

Auch die Piloten selbst absolvieren über das Jahr verteilt und auch vor der Hagelsaison mehrere sogenannte Instrumentenflüge mit den Maschinen. Insgesamt stehen sechs Hagelflieger abwechselnd für Einsätze bereit. „Außerdem haben sich zwei neue Piloten, die sich beworben haben,“ sagt Vogl. Sie werden im ersten Jahr nur in Begleitung eines erfahrenden Hagelfliegers unterwegs sein, um zu lernen, wie man in einer brenzligen Situation richtig reagiert, wie sich Gewitter entwickeln und wie viel Silberjodid wann erforderlich ist. Es sei eine Weitergabe von Erfahrungen und Wissen, so Vogl: „Als Pilot lernt man eigentlich, um Gewitter einen möglichst großen Bogen zu machen. Als Hagelflieger fliegt man genau hinein.

Im vergangenen Jahr 26 Mal zwischen Mai und September im Einsatz

Insgesamt 26 Mal waren die Hagelflieger im vergangenen Jahr von Mai bis September im Einsatz, um gewitterträchtige Wolken mit Silberjodid zu impfen. Im Landkreis gab es in der Vergangenheit schon oft schwere Hagelschauer. Wer will, kann die Hagelflieger bei ihrem Einsatz beobachten. Über die Ro-Berta-App wird die Flugbahn angezeigt. Über die App können auch Wetterdaten gemeldet werden.

Hagelabwehr: So funktioniert‘s

In einer Gewitterzelle steigt warme, feuchte Luft mit rasanter Geschwindigkeit auf und kühlt dabei ab. Das unterkühlte Wasser friert auf seinem Weg nach oben an natürlichen Eiskeimen wie Pollen und Staub fest und bildet kleine Eiskristalle. Im oberen Bereich der Wolke angekommen, fallen diese seitlich aus und werden dann wieder nach oben gesogen. Der Kreislauf endet erst, wenn sie als gewaltige Eisgebilde von der Gewitterzelle ausgeworfen werden. Das ausgebrachte Silberjodid reichert nun Gewitterzellen künstlich mit Eiskeimen an. Je mehr in der Wolke zur Verfügung stehen, desto weniger Wasser setzt sich am einzelnen Eiskeim fest. Anstelle weniger großer Eiskristalle bilden sich viele kleine – am Boden kommen sie im besten Fall nur noch als Graupel oder Regen an.

mm

Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Miesbach-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Miesbach – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare