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Wissenswerte Hintergründe: Mit dem geplanten Kirchenführer wollen Pastoralreferentin Kathrin Baumann und Historiker Alexander Langheiter beleuchten, warum zum Beispiel Miesbachs Stadtpfarrkirche so schlicht ausgestattet ist.

„Es gibt einiges zu berichten.“

Halleluja! Pfarrei Miesbach plant Kirchenführer für alle

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In Jubiläumsjahren ist in Miesbach bekanntlich viel möglich. Diesen Schwung will man auch bei der katholischen Pfarrei nutzen - für einen Kirchenführer.

Miesbach – Beim Neujahrsempfang der Stadt Miesbach hat Bürgermeisterin Ingrid Pongratz gewissermaßen aus dem Nähkästchen geplaudert: Im Jubiläumsjahr 100 Jahre Stadterhebung soll auch „Miesbachs erster Kirchenführer“ erscheinen. Geplanter Termin ist das Erntedankfest am 7. Oktober.

Die Idee dazu hatte Pastoralreferentin Kathrin Baumann. „Einen Kirchenführer habe ich schon lange im Kopf, aber es ist immer wieder etwas dazwischengekommen, ihn umzusetzen“, sagt sie. Dabei sei die Herausforderung groß, „denn einen Kirchenführer gibt es für Miesbach nicht“.

Noch steht das Projekt am Anfang, gewissermaßen in der Orientierungsphase. Mitstreiter müssen noch gefunden werden, die bereit sind, sich einzubringen. Und es muss noch geklärt werden, ob es einen gemeinsamen Führer für St. Laurentius in Parsberg sowie die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt, die Portiunkulakirche und die evangelische Apostelkirche in Miesbach geben soll oder für jede ein eigener Leitfaden erstellt wird. Eine Anfrage bei den evangelischen Kollegen hat Baumann bereits gestartet – die Entscheidung stehe noch aus. Was Baumann versteht: „So ein Kirchenführer ist eine aufwendige Sache.“

Inhaltlich soll nicht nur die kulturhistorische Entwicklung beleuchtet werden, sondern auch der spirituelle Hintergrund der einzelnen Ornamente und Orte. „Mir geht es auch um die Frage: Warum sieht eine Kirche so aus, wie sie aussieht?“ Dazu sei auch im Buch ein Layout nötig, das diesen Ansatz unterstützt. Nach einer geeigneten Agentur sei man auf der Suche.

Für die Texte ist Alexander Langheiter verantwortlich. Der Historiker verspricht: „Es gibt einiges zu berichten.“ So soll die Frage beantwortet werden, warum die Miesbacher Stadtpfarrkirche vergleichsweise schlicht eingerichtet ist. Dies habe mehrere Ursachen, erklärt er: „Nach dem großen Stadtbrand von 1783 musste die Kirche wieder aufgebaut werden. Dabei blieb kein Geld mehr für die Ausstattung.“ Und in den 1960er-Jahren habe bei der Kirche eine starke Versachlichung stattgefunden, was dazu geführt habe, dass viele der wenigen Schmuckstücke entfernt wurden. „Viele wissen das nur noch aus Erzählungen“, sagt Langheiter. Daher sei wichtig, dieses Wissen zu bewahren.

Dass es ausreichend Interessenten gibt für einen Kirchenführer, davon sind Baumann und Langheiter überzeugt. „Ich habe festgestellt, dass vor allem im Sommer und Herbst Touristen nach Miesbach kommen und sich auch die Stadtpfarrkirche ansehen“, sagt die Pastoralreferentin. Aber aber auch für Einheimische sei die Kirche immer wieder Anlaufstelle. „Gerade am Markttag schauen Leute aus dem Landkreis vorbei.“ Langheiter, der auch Stadtführungen in Miesbach macht, bestätigt dies: „Kirchen sind für Auswärtige mit die wichtigsten Plätze für Besichtigungen. Über sie erfährt man auch viel über den Ort oder die Stadt an sich.“

Dagegen sei der Führer bei der Portiunkulakirche deshalb interessant, weil sie anders als Pfarrkirchen meist geschlossen ist – „leider“, wie Baumann bedauert. „Wegen der Gefahr durch Vandalismus kann sich nicht geöffnet bleiben.“ Dabei sei gerade dieses Kirchlein auf dem Klostergelände ein Kleinod, für das sich viele begeistern lassen. Das habe sie auch bei der langen Nacht der Kirchen festgestellt, bei der der Kirchenchor Altar, Ambo, Kreuz, Tabernakel und Medaillons besungen hat, während sie kurze Erklärungen dazu gab. „Die Leute mögen heute ein anderes Erleben“, sagt Baumann überzeugt. „Das tut ihnen gut.“ Dazu soll der neue Kirchenführer seinen Beitrag leisten.

Wobei es nicht der erste Kirchenführer Miesbachs sein wird, wie Historiker Langheiter betont: „Es gab bereits einen in den 1930er-Jahren.“ Dieser sei jedoch nur noch über Antiquariate zu finden. Außerdem habe sich in der Stadtpfarrkirche einiges geändert. „So gesehen ist es wirklich ein neuer Kirchenführer für Miesbach.“

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