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Im großen Konzertsaal der Hamburger Elbphilharmonie schufen Handwerker einer Firma aus Müller am Baum Boden und Brüstungen – und haben damit maßgeblichen Anteil an der hochgelobten Akustik.

In der Hamburger Elbphilharmonie

Zwei Miesbacher sorgen für die außergewöhnliche Akustik

Die Schaffer der hochgelobten Akustik der Hamburger Elbphilharmonie kommen aus einer Innenausbaufirma aus Müller am Baum.

Hamburg/Müller am Baum – Die lange als Millionengrab umstrittene und im Januar feierlich eröffnete Elbphilharmonie in Hamburg gilt aufgrund ihrer Akustik als Kathedrale der Kunst, als weltweites Nonplusultra der Konzerthäuser. Dazu beigetragen haben Innenausbauer Markus Schober und sein Team aus Müller am Baum. Sie sorgten für den (Resonanz-)Boden im großen Konzertsaal.

Voller Stolz sind Markus Schober, Chef der gleichnamigen Innenausbau und Bodendielen GmbH, und sein Projektleiter Konstantin Deines. Zwischen Juni 2015 und Oktober 2016 haben sie zusammen mit bis zu 40 weiteren Mitarbeitern und unterstützt von fünf Kollegen aus den Werkstätten in Müller am Baum und Rammingen 3500 Quadratmeter Eichen-Stabparkett im großen Konzertsaal der Elbphilharmonie verlegt, dem Herzstück des gigantischen, insgesamt rund 800 Millionen Euro teuren Projekts. Außerdem 616 Treppenstufen und 800 Quadratmeter Brüstungsverkleidungen. Schon die Dimensionen klingen beeindruckend. Das ist es umso mehr, weil es sich nicht bloß um irgendeine schöne Optik handelt: Boden und Brüstungsverkleidungen sind ein entscheidender Teil des Akustik-Konzepts des Konzertsaals. „Im Grunde genommen haben wir ein einziges großes Akustik-Möbelstück gebaut“, erklärt Schober. Er hatte sich bis 2014 durch den Ausbau der Philharmonie de Paris und des Konzertsaals von Radio France schon internationales Renommee erarbeitet.

Alles sei aus einem Guss und bis ins Detail von dem weltberühmten japanischen Klangarchitekten Yasuhiso Toyota konzipiert. „Im Vertrag stand, dass die Elbphilharmonie die beste Akustik der Welt bekommen sollte“, verrät Schober. Boden und Brüstungen durften der von Toyota entworfenen sogenannten „Weißen Haut“ (ebenfalls von einer bayerischen Firma hergestellt) in nichts nachstehen. Diese besteht aus 10 000 individuell gefrästen Oberflächenprofil-Platten, die Wände und Decke auskleiden und den Klang durch eine leichte Streuung weich machen. Das von Schober nicht nur verlegte, sondern auch hergestellte Eichenparkett liegt auf Korkgranulat, das eine ähnliche Wirkung auf den Klang in dem Saal hat.

Die Macher und ihr Plan: Betriebschef Markus Schober (l.) und Projektleiter Konstantin Deines.

„Ständig wurde der Klang getestet und seine Wirkung überprüft. Deshalb haben wir alles vor Ort gefertigt. Und alles in Handarbeit“, erklärt Projektleiter Deines, der über 16 Monate Einbauzeit hinweg quasi in die entstehende Elbphilharmonie eingezogen war. Die große Herausforderung habe vor allem darin gelegen, dass alle Gewerke aufeinander abgestimmt werden mussten. Insbesondere bei den sogenannten Akustikvorhängen, mit denen der Konzertsaal auch auf andere Genres als orchestrale Klassik abgestimmt werden kann, also etwa Kammermusik oder Jazz und Rock. „Die vielen technischen Gadgets wie die indirekte Treppenbeleuchtung, das 1,5 Kilometer lange Kabel, an das Schwerhörige ihre Hörgeräte anschließen können, oder die herausnehmbare Bestuhlung, damit auch Rollstuhlfahrer freie Platzwahl haben, waren lediglich ein Anreiz für unser Know-how und unseren Ideenreichtum als Handwerker“, sagt Deines mit Blick auf die 3D-gefrästen Hölzer und magnetischen Verriegelungsschlüsse. Dass sich die Kompromisslosigkeit in der Akustik gelohnt hat, davon durfte sich Deines schon überzeugen: bei einem Jazz-Konzert, dass eigens für die am Bau beteiligten Handwerker angesetzt wurde.

„Es waren extrem hohe Anforderungen, nicht zuletzt auch an die Optik“, betont Schober. Die erinnert nun mit dem hellen, nur mit Ölseife eingelassenen Holz an Bäche und Flüsse, die über die Emporen und Balkone durch den steilen Konzertsaal fließen. Dieser Eindruck schließt sich mit der Technik, der Architektur, den Werkstoffen und der Akustik zu der Aussage zusammen, dass Musik und Kunst etwas Organisches und Lebendiges sind. Und von Menschen für Menschen zu deren Inspiration und kreativer Entwicklung geschaffen wurden.

Alexandra Korimorth

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