Entlang am Hang führt die Frauenschulstraße. Der muss gesichert werden, bevor Kanal- und Straßenbauarbeiten beginnen können.
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Entlang am Hang führt die Frauenschulstraße. Der muss gesichert werden, bevor Kanal- und Straßenbauarbeiten beginnen können.

Mehr Kosten - mehr Bauzeit

Hangsicherung und Kanal: Frauenschulstraße in Miesbach wird zum Großprojekt

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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In Miesbach gilt die Frauenschulstraße als eine der schlimmsten Straßen. Bald soll ihre Fahrbahn erneuert werden, doch das wird eine langwierige Aufgabe. Denn im Vorfeld muss der Kanal ertüchtigt werden. Und bevor das losgehen kann, ist der Hang zu stabilisieren. Erst Mitte 2022 soll das Großprojekt abgeschlossen sein.

Miesbach – Bereits im Mai 2020 hat der Stadtrat grünes Licht für die Sanierung der Frauenschulstraße gegeben. Kanal und Fahrbahn sollten für 1,36 Millionen Euro brutto inklusive Nebenkosten hergerichtet werden. Doch leider war damals die nötige Baugrunduntersuchung noch nicht abgeschlossen. Das Ergebnis dazu liegt seit Dezember vor, und es ist ernüchternd. Denn der Hang muss mit großem Aufwand gesichert werden. Die Mehrkosten belaufen sich auf 660 000 Euro. Die Maßnahme kostet damit über zwei Millionen Euro.

Der Hang entlang der Frauenschulstraße, so berichtete Jürgen Brückner vom städtischen Tiefbau nun im Stadtrat, sei teilweise so instabil, dass er mit einer Kombination aus Bohrpfählen und Stahlbeton-Kopfbalken abschnittsweise auf etwa 160 Metern Länge gesichert werden muss. Insgesamt verlängere sich die Bauzeit damit auf rund ein Jahr. Der Beginn ist im Frühjahr geplant, aber wegen der winterbedingten Unterbrechung wird mit dem Abschluss für etwa im Juni 2022 gerechnet.

Oberflächenwasser wird abgetrennt

Ausgangspunkt ist jedoch der Kanal. Hier sollen nicht mehr Oberflächen- und Fäkalwasser gemeinsam in Richtung Kläranlage entsorgt werden, sondern nur noch das Schmutzwasser. Das Oberflächenwasser soll – wo eine Versickerung auf dem Grundstück nicht erfolgt – über einen eigenen Kanal zur Schlierach abgeleitet werden. Eine zusätzliche Versickerung über den Bestandsschutz hinaus ist laut Brückner mit Blick auf die Hangsicherheit nicht möglich – die Gefahr eines Hangrutsches würde sich sonst zu sehr verstärken. Wer also noch nicht versickert, muss an das Trennsystem angeschlossen werden.

So müssen im Bereich der Karlinger-, Düll- und Frauenschulstraße aufgrund der zu kleinen und nicht mehr ausreichenden Dimensionierung des Kanaldurchschnitts mehr neue Kanäle gebaut und somit mehr Straßendecken ausgetauscht werden. Außerdem habe sich herausgestellt, dass in einigen Bereichen der Kanal stark beschädigt ist und erneuert werden muss. Bevor damit angefangen werden kann, muss jedoch die Hangstabilisierung abgeschlossen sein.

Eigentümer müssen Anschluss selbst tragen

Für die Anwohner hat die Sanierung einen unschönen Nebenaspekt. Gemäß der Satzung der Stadt Miesbach gehen die Kosten der Grundstücksanschlüsse anteilig vollständig zulasten der Grundstückseigentümer. Im Schnitt rechnet Brückner dabei mit 4500 Euro. „Jeder kann wählen, ob er sich dem Angebot der Stadt anschließt oder den Anschluss in Eigenregie durchführen lassen will“, sagt der Tiefbau-Experte, der aber davon ausgeht, dass die Kreisstadt den besseren Tarif anbieten können wird. „Miesbach schreibt deutschlandweit aus und sollte dabei das günstigste Angebot haben.“ Betroffen seien vom Anschluss rund 27 Grundstücke.

Der Stadtrat nahm die Nachricht von Verteuerung und Verzögerung ohne viele Kommentare zur Kenntnis und stimmte dem Projekt auch zu den erschwerten Konditionen zu. „660 000 Euro mehr ist kein Pappenstiel“, stellte Paul Fertl fest (SPD), „aber es ist alternativlos.“

Klare Kostenabgrenzung zum Baugebiet Am Gschwendt

Michael Lechner (FWG) knirschte da schon lauter mit den Zähnen. „Die Begleitmaßnahmen zum Neubau Am Gschwendt werden immer mehr“, stellte er mit Blick auf das Neubaugebiet nördlich des Friedhofs fest. Wie berichtet, muss der Kanal für dessen Erschließung vergrößert werden, um die zusätzlichen Kapazitäten aufnehmen zu können.

Die Kosten, die durch das Baugebiet entstehen, werden genau getrennt, betont Brückner. Zudem falle der größere Materialaufwand kaum ins Gewicht. Entscheidend seien die Kosten für die Arbeit, und da falle der Rohrdurchmesser nicht ins Gewicht.

ddy

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