Haus Bambi, Neuhaus
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Auch draußen gut beschützt: die Kinder des Haus Bambi in Neuhaus mit ihren Betreuern und Einrichtungsleiterin Johanna Steinwender (l.).

Umfangreiches Maßnahmenpaket

Haus Bambi im Pandemie-Modus: So schützt sich die Lebenshilfe vor Corona

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Ein Ausbruch des Coronavirus im Haus Bambi? Damit es nicht dazu kommt, hat die Lebenshilfe in kürzester Zeit ein umfangreiches Maßnahmenpaket umgesetzt.

Neuhaus/Hausham – Drei Ferienapartments in Bad Wiessee und eine Ferienwohnung in Schliersee hat Inga Kockerols für das Haus Bambi angemietet. Was nach Urlaub klingt, ist in Wahrheit eine im Zweifel lebensrettende Notwendigkeit für die Kinder, die in der Einrichtung der Lebenshilfe Miesbach betreut werden. Durch die räumliche Trennung soll die Gefahr einer Ausbreitung des Coronavirus so gering wie möglich gehalten werden. „Mehr als die Hälfte der Kinder hat durch ihre Behinderung so viele Vorerkrankungen, dass eine Covid-19-Infektion schwere Komplikationen verursachen würde“, erklärt die Geschäftsführerin der Lebenshilfe. Um das zu verhindern, hat Kockerols mit ihrem Team ein umfangreiches Paket an Schutzmaßnahmen auf- und auch bereits umgesetzt. So gut, dass es sogar ein Lob von Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner gab, wie Kockerols stolz berichtet.

Ausgangspunkt waren die Schulschließungen ab dem 16. März. Da auch das Förderzentrum in Hausham seinen Betrieb einstellen musste, waren die Kinder plötzlich rund um die Uhr im Haus Bambi. Damit sie trotzdem weiterhin versorgt werden, musste Kockerols das Personal von 30 auf 40 Vollzeitstellen aufstocken. Als Glück im Unglück erwies sich dabei, dass auch die integrative und heilpädagogische Kita Villa Kunterbunt der Lebenshilfe bis auf eine individuelle Notbetreuung stillgelegt werden musste. So habe man hier Mitarbeiter mit ausreichend Vorerfahrung, die bereit waren, in den Schichtdienst zu wechseln, fürs Haus Bambi gewinnen können. „Die Hilfsbereitschaft war wirklich sehr groß“, lobt Kockerols ihre Mannschaft.

Um Betreuer und Kinder gleichermaßen vor dem Virus zu schützen, trägt das Personal im Dienst durchgehend Mund-Nasen- und bei Bedarf auch FFP2-Masken, erklärt Kockerols. Auch die Desinfektion im Haus Bambi wurde nochmals verstärkt. Material habe man durch die Führungsgruppe Katastrophenschutz und auch durch die Hausapotheke Seemüller stets in ausreichender Zahl erhalten. „Manchmal wurden wir in letzter Sekunde gerettet“, meint die Geschäftsführerin dankbar.

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Generell sei die Situation im Haus Bambi wegen der Corona-Gefahr sehr angespannt, weil man in dem alten Gebäude nur schwer eine saubere räumliche Trennung hinbekommen könne, erklärt Kockerols. Alle Gruppen würden denselben Aufzug nutzen, sieben Kinder teilten sich ein Bad, nicht alle hätten ein Einzelzimmer. Um ein Einschleppen und eine dann drohende Ausbreitung des Virus in der Einrichtung dennoch zu verhindern, habe man einen eigenen Isolierbereich im Haus Bambi eingerichtet, erzählt Kockerols.

Dies sei aber nur möglich gewesen, indem drei der normalerweise 16 Kinder in eine behindertengerechte Pension in Bad Wiessee umziehen konnten. Der Behindertenbeauftragte des Landkreises, Anton Grafwallner, habe den Tipp gegeben, sagt Kockerols. „Wir sind da auf sehr offene Herzen gestoßen, ein wirklich großes Glück.“ Die nun leeren Räume im dritten Stock habe man mit einer Schleuse ausgestattet und so für den Notfall vorbereitet.

Vier weitere Kinder, die normalerweise im Haus Bambi wohnen, würden derzeit noch bei ihren Familien betreut, berichtet Kockerols. Diese hätten sie für ein paar Tage nach Hause geholt, seien dann aber vom zwischenzeitlich im Rahmen der Allgemeinverfügung der Staatsregierung ausgesprochenen Betretungsverbot überrascht worden. Damit die Kinder wieder in die Einrichtung der Lebenshilfe zurückkehren können, ziehen sie einer nach dem anderen für je 14 Tage in besagte Ferienwohnung in Schliersee. „Zur Quarantäne“, sagt Kockerols.

All das verlange den Kindern, aber auch ihren Eltern, die sie bis auf Weiteres nicht besuchen können, viel ab. „Ihr gesamter Alltag hat sich von heute auf morgen verändert“, erklärt die Lebenshilfe-Chefin. Zudem sei es schwer, ihnen die Gründe für die Umstellungen begreiflich zu machen. Viele von ihnen könnten nur eingeschränkt kommunizieren und würden deshalb sehr genau die Mimik ihrer Betreuer beobachten. „Das geht ja jetzt nicht mehr, weil die Mitarbeiter Masken tragen müssen“, sagt Kockerols. Mit viel Kreativität sei es aber gelungen, die Situation über Bilder zu erklären.

Der Kontakt mit den Eltern verläuft über Skype, erläutert Kockerols. „Da hat es große Glückstränen gegeben, als die Familien ihre Kinder wieder gesehen haben.“ Überhaupt ist Kockerols überwältigt, wie viel Vertrauen alle an den Tag legen. „Unsere Kids sind einfach klasse!“

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