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Die Trophäen des vergangenen Jagdjahres des erlegten Rot-, Gams- und Rehwildes waren bei der Hegeschau im Waitzinger Keller zu sehen.

„Sicher kein einfaches Jahr“

Hegeschau: „Bayern ist das Bundesland mit der wildfeindlichsten Politik“

Moderate Töne prägten die Hegeschau im Waitzinger Keller in Miesbach. Das Hauptreferat von Freiherr Hilmar von Münchhausen von der Deutschen Wildtierstiftung fiel aber deutlich aus.

Miesbach – „Wald vor Wild“ oder „Wald mit Wild“? Diese Frage beschäftigte heuer die Protagonisten der Hegeschau im Waitzinger Keller in Miesbach. Vor Beginn der Hauptveranstaltung hatten die Besucher Gelegenheit, die Jagdtrophäen des erlegten Rot-, Gams- und Rehwilds des vergangenen Jahres zu besichtigen. Zuvor hielten Vertreter der Tierschutzvereine Tegernseer Tal und Garmisch-Partenkirchen eine Mahnwache ab.

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Eine Mahnwache hielten Tierschützer aus dem Tegernseer Tal und Garmisch-Partenkirchen ab.

Hegeschau: „Bayern ist das Bundesland mit der wildfeindlichsten Politik“

Nach der Begrüßung durch den Kreisvorsitzenden des bayerischen Jagdverbandes, Martin Weinzierl, sprach Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne). Jagd, Forst, Tier- und Umweltschutz. Im Wald würden viele konkurrierende Interessen herrschen. „Wichtig ist, zuzuhören, dann können alle voneinander profitieren“, sagte er. „Das hat in den letzten Jahren gut funktioniert.“ Zwar sei durch die Politik das Motto „Wald vor Wild“ vorgegeben, man müsse aber versuchen, einen Ausgleich zu finden: „Jagd und Forst verfolgen zwar zwei Wege, haben aber ein gemeinsames Ziel.“

Auch der CSU-Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan sah den Informationsaustausch als zentralen Punkt: „Mit Jägern und Bauern haben wir Menschen, die seit Generationen mit der Natur umgehen. Es ist wichtig, dass sie ihr Wissen an künftige Generationen weitergeben.“ Schärferen Waffenkontrollen bei Jägern erteilte er eine klare Absage.

2018 sei „jagdlich sicher kein einfaches Jahr“ gewesen, sagte Jörg Mayer, Schliersseer Reviermeister. Mit dem heißen Sommer, Wintereinbrüchen und Lawinenabgängen wurden große Waldschäden verzeichnet. Winterbedingt sei die Bejagung eingestellt und damit die vorgeschriebenen Abschussquoten nicht erreicht worden. Durch den anwachsenden Rotwildbestand sei der Verbiss sehr hoch gewesen. Mayer forderte: „Hier müssen wir schnell eine gesunde Balance hinbekommen.“

Gegen Drückjagden, für längere Schonzeiten, nicht betretbare Wildschutzzonen und kleinere, verteilte Wildfütterungen im Winter sprach sich Johanna Ecker-Schotte vom Tierschutzverein Tegernseer Tal aus. „Vielfalt im Wald ist ein Garant für eine gesunde Zukunft“, sagte sie und dankte für die Einladung. „Vor einigen Jahren wäre die Anwesenheit des Tierschutzvereins undenkbar gewesen.“

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Das Hauptreferat hielt Freiherr Hilmar von Münchhausen (l.) von der Deutschen Wildtierstiftung, hier mit Martin Weinzierl (Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands, M.) und Landrat Wolfgang Rzehak.

Hegeschau in Miesbach: Gesunde Wildbestände, aber zunehmender Verbisss

„Bayern ist das Bundesland mit der wildfeindlichsten Politik“, sagte Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtierstiftung. Lediglich auf 15 Prozent der Fläche dürfe Rotwild leben, außerhalb herrsche eine ganzjährige „Totschießpolitik“. Die Forstwirtschaft habe klare Priorität. „Das spricht jeder Balance Hohn und ist alles, bloß keine Nachhaltigkeit“, kritisierte der Referent und forderte Erweiterungen der Rotwildbezirke und deren Vernetzung mit den Wildbezirken benachbarter Bundesländer. Zudem stellte er den Sinn ganzjähriger Schonzeitaufhebungen bei der Gams infrage und forderte ein Monitoring, das auch der strukturellen Zusammensetzung der Populationen, also Alter und Geschlecht, gerecht werde.

Das forstliche Gutachten stellte Stefan Kramer vom Amt für Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen vor. Während im Flachland nur eine leichte Verbisszunahme zu verzeichnen war, sei diese 2018 in den Bergen enorm hoch ausgefallen Vor allem betroffen mit einem Anstieg um 23 Prozent war die Tanne, eine wichtige Art im Bergwald. „Die Abschussvorgaben beim Hochwild wurden deutlich verfehlt“, sagte Kramer. „So wie bisher kann es nicht weitergehen.“

Über gesunde Wildbestände berichtete unterdessen Jagdberater Tobias Hupfauer. Beim Schwarzwild sei im vergangenen Jahr keine Explosion zu verzeichnen gewesen, hier gab es 17 Abschüsse. Beim Rehwild seien die Vorgaben des Drei-Jahres-Plans zu gut 98 Prozent erfüllt worden. Beim Rotwild wurden lediglich 550 von geforderten 739 Abschüssen erreicht, zuzüglich der Defizite aus den Vorjahren. Erfreulich sei die Hirschpopulation mit 18 starken Exemplaren der Klasse eins.

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von Stefan Gernböck

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