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Mehr ein Lager als ein Museum: Historiker Alexander Langheiter hat für seine Forschungen im Depot des Heimatmuseums im Feuerwehrhaus nicht viel Platz.

Wichtiger Beschluss im Stadtrat

Heimatmuseum Miesbach: Altes Depot wird saniert und sortiert

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Ein erster Schritt in die Zukunft des Miesbacher Heimatmuseums ist gemacht. Einstimmig hat der Stadtrat die Sanierung und Neuordnung des Depots im Feuerwehrhaus beschlossen. 

Miesbach – Wertvolle Trachten sind in Pappkartons gestapelt, kostbare Gemälde vor und hinter den Regalen und Vitrinen abgestellt, ja sogar die historische Bauernstube dient nur noch als Notlager: Von einer „drangvollen Enge“ sprach Miesbachs Kulturamtsleiterin Isabella Krobisch, als sie im Stadtrat die aktuelle Situation im früheren Heimatmuseum im zweiten Obergeschoss des Feuerwehrhauses berichtete. „Jeder freie Fleck wird genutzt“, sagte Krobisch. Mit einem geordneten Archiv hat das Depot nichts mehr zu tun, machte auch Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) deutlich: „Das ist ein Sammelsurium.“ Auch der Zustand des Gebäudes sei schlecht. In einigen Möbeln sei im wahrsten Sinne des Wortes der (Holz-) Wurm drin. Und dann erst die alten Teppichböden. „Die kriegen Füße und laufen davon.“

Es sei dringend an der Zeit, dem Depot Luft zu verschaffen und den Bestand neu zu gliedern, machte Krobisch deutlich. „Wir kriegen oft Geschenke oder kaufen historische Objekte und wollen den Bestand weiter pflegen.“ Gespräche mit der Landesstelle für Nichtstaatliche Museen hätten ergeben, dass dies nur in einem mehrstufigen Prozess unter der Begleitung von Experten wie Restauratoren erfolgen könne. Zuerst müsse man den baulichen Zustand der Räume prüfen. Ziel sei eine konstante Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit.

Am aufwendigsten und diffizilsten: Jeder einzelne Gegenstand müsse verpackt und für die Zeit des Umbaus in ein anderes Gebäude ausgelagert werden. Immerhin könne man für einige Maßnahmen Zuschüsse in Höhe von 30 Prozent abrufen. Im Haushalt seien für heuer zunächst etwa 70 000 Euro eingeplant. Folglich bat Pongratz den Stadtrat um eine Ermächtigung, die entsprechenden Aufträge zu erteilen.

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Markus Seemüller (FWG) kam der Antrag zu früh. „Das ist für mich eng mit der Frage nach einem neuen Museum verbunden“, sagte er. Seemüller erinnerte an einen offenen Brief des Museumsverein, der nach dem Stadtratsbeschluss pro Kinderhaus im alten Kloster deutlich gemacht habe, auf eine Neubesetzung des Gremiums nach der Kommunalwahl 2020 zu hoffen. Genau dies sollte man nun abwarten. Auch Vize-Bürgermeister Paul Fertl (SPD) fand den Depot-Vorstoß „zu kurz gesprungen“ und forderte ein Gesamtkonzept fürs Heimatmuseum. Generell „zu viele Fragezeichen“, um 70 000 Euro einzusetzen, sah Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG). Und Erhard Pohl (CSU) mahnte: „Wir wissen nicht, was uns am Ende des Tunnels erwartete.“

Eine gänzlich andere Ansicht vertrat Franz Mayer (CSU). „Lieber jetzt investieren als später restaurieren“, fand er. „Wir sind dazu verdonnert, unser Zimmer aufzuräumen.“ Aus erster Hand über den desolaten Zustand im zweiten Obergeschoss des Feuerwehrhauses Bescheid weiß der langjährige und nun ehemalige Kommandant Walter Fraunhofer (SPD). „Da gehört dringend was gemacht“, sagte er. Der ablehnende Beschluss für ein Museum im Kloster entbinde die Stadt nicht von der Pflicht, sich um die Exponate zu kümmern. Wenn man die verkommen lasse, brauche man gar kein Museum mehr, fand Verena Assum (CSU).

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Pongratz und Krobisch machten klar, dass es nur um einen ersten Schritt gehe, in dem die Kosten für die Sanierung und Neuordnung des Depots geklärt werden sollen. Selbstverständlich werde sie den Stadtrat in die weiteren Entscheidungen einbinden, versprach die Bürgermeisterin: „Ich will da keine freie Hand.“ Mit dieser Formulierung im Beschluss konnten letztlich auch die Skeptiker leben. Das Votum fiel einstimmig aus.

Einen Vorschlag für die Zukunft des Museums insgesamt kam in der Sitzung auch noch auf. Fertl regte an, nach dem Umzug des Landratsamtes in dessen Ersatzneubau eine Ausstellung im dann freien Deutschen Haus oder Gersthaus zu prüfen. „Wer Miesbacher ist, muss auch für ein Museum sein.“

sg

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