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Tückischer Schmerz: Wenn’s im Rücken zwickt, ist das Übel meist schon passiert. Um aus der Spirale aus Schmerz und Schonhaltung auszubrechen, hilft meist nur ein gezieltes Training der Muskulatur.

Umfrage zum Weltgesundheitstag

Hilfe für die Wirbelsäule: So geht‘s raus aus dem Schmerztunnel

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Fast jeder dritte Deutsche klagt einmal im Jahr über Rückenschmerzen. Dabei ließe sich die Volkskrankheit in vielen Fällen gut in den Griff bekommen. Trainingsangebote gibt‘s genug.

Schlierach-/Leitzachtal– Sitzt der Schmerz erst mal im Rücken, beginnt für die Betroffenen bisweilen ein langer Leidensweg. Um sich aus der Schockstarre zu befreien, greifen viele zu Schmerzmitteln. Mit ein paar Physio- oder Massage-Behandlungen sollte es dann schon wieder gehen, so die landläufige Meinung. Doch spätestens beim nächsten schmerzhaften Einschlag wird klar: Damit ist es nicht getan. Denn ohne eine kräftige Stützmuskulatur ist die Wirbelsäule schnell überfordert. Im modernen Büroalltag sind die Trainingsmöglichkeiten jedoch rar gesät. Dafür aber gibt es mittlerweile zahlreiche Präventionsangebote, etwa die weithin bekannte AOK-Rückenschule die auch gut nachgefragt werden, wie unsere Umfrage zum heutigen Weltgesundheitstag ergeben hat.

Volkshochschule

„Alles, was mit Gesundheit zu tun hat, boomt“, sagt die Leiterin der Volkshochschule (vhs) Bayrischzell, Barbara Mühlbauer. Eine ganze Reihe von Kursen hat sie im Angebot, darunter auch Yoga und neue Trends wie Piloxing (eine Mischung aus Pilates und Boxen) oder Balance Swing (Körpertraining auf dem Mini-Trampolin). Ein Klassiker ist das Rückentraining, das immer montags um 17 Uhr in den Räumen des Hundhamer Kindergartens stattfindet.

Eine Stunde lang zeigt Sportlehrerin Andrea Bethusy-Huc aus Bayrischzell den zwölf Teilnehmern, wie sie ihre Rückenmuskulatur kräftiger, flexibler und beweglicher machen können. „Nur mit dem eigenen Körpergewicht“, sagt Bethusy-Huc. Der Gesundheitsaspekt stehe dabei an erster Stelle. Viele der Teilnehmer im Alter von 40 Jahren aufwärts kennt die Kursleiterin seit Jahren, daher weiß sie genau, wo deren Schwachstellen liegen. Bei Neuankömmlingen erkundigt sie sich nach möglichen Vorerkrankungen. „Es soll ja niemandem schaden“, sagt sie. Tatsächlich würden viele Trainierenden berichten, dass sich ihre Beschwerden durch die regelmäßige Aktivität gebessert haben.

Gerade diese Regelmäßigkeit ist meist der Schlüssel zum Erfolg – doch mindestens genauso oft steht den Teilnehmern ihr innerer Schweinehund im Weg. Um die Hürde zum Training so gering wie möglich zu halten, setzt die vhs auf wohnortnahe Angebote. „Die Kurse sollen in unmittelbarer Umgebung sein“, sagt Mühlbauer. Weil die vhs im Leitzachtal über keine eigenen Räume verfügt, weicht sie auf die Schulturnhalle Bayrischzell, die Aula der Grundschule Elbach und der Kindergarten in Hundham aus. Auch das Buchungsmodell kommt gut bei den Teilnehmern an, weiß Mühlbauer. Anders als in einem Fitness-Studio müsse man keinen Vertrag abschließen, sondern bezahle immer nur für zehn Einheiten.

Sportverein

So verfährt auch der TSV Irschenberg, berichtet Kathrin Huber, Spartenleiterin Turn- und Breitensport des Vereins. Zwischen 20 und 25 Teilnehmer, allesamt Berufstätige ab 30 Jahre aufwärts, stärken bei der Wirbelsäulengymnastik donnerstags von 18 bis 19 Uhr in der Grundschulturnhalle ihren Rücken. Weil sich vor vier Jahren keine ehrenamtlichen Kursleiter mehr gefunden haben, hat sich Huber dazu entschieden, eine eigene Physiotherapeutin dafür zu engagieren.

Keine leichte Sache für einen Verein, räumt die Spartenleiterin ein. Doch ihr Mut hat sich ausgezahlt. Das Angebot ist kostendeckend und gut besucht. Viele Teilnehmer seien mittlerweile auch Mitglieder beim TSV, schwärmt Huber. „Die Leute sind hellauf begeistert.“ Besonders schätzen würden sie die familiäre Atmosphäre beim Training. „Da lernt man sich viel besser kennen.“

Für die fachliche Seite ist seit rund eineinhalb Jahren Physiotherapeutin Birgit Lechtken zuständig. Mit Therabändern, Gymnastikbällen und kleinen Gewichten hilft sie den Teilnehmern, ihre Wirbelsäule zu mobilisieren und zu stabilisieren. Auch das Dehnen kommt nicht zu kurz. „Unsere Gesellschaft wird immer unelastischer“, sagt Lechtken. Viele Leute im Kurs hätten Rückenschmerzen hinter sich und würden nun gezielt an ihrer Haltung arbeiten. „Letztlich geht es darum, den guten Zustand zu erhalten“, sagt Lechtken.

Fitness-Studio

Frank Böttle, Personaltrainer und Inhaber des Miesbacher Fitness-Studios Xundheit, will noch mehr. „Wir wollen unseren Mitgliedern dabei helfen, gesünder und leistungsfähiger zu werden“, sagt Böttle. Bevor die Kunden jedoch an die Gewichte dürfen, steht erst einmal ein ausführliches Gespräch auf dem Programm. Dabei fragen Böttle und seine Trainer die individuellen Ziele der Neueinsteiger ab und schauen sich auf Wunsch sogar ihre Arztunterlagen an. Nur so könne man die richtige Strategie auswählen. „Sonst schießt man mit Schrotflinten auf Dartscheiben“, sagt Böttle. Entscheidend sei, dass nicht irgendwas im Körper passiere, sondern das gewünschte Resultat.

Dafür steht im Xundheit eine ganze Palette an Werkzeugen wie Geräte oder Gruppenkurse zur Verfügung. Während bei Gesunden und Sportlern vor allem funktionelle Übungen zum Einsatz kommen, die gesamte Muskelgruppen kräftigen, setzt Böttle bei Reha-Patienten vor allem auf einen isolierten Aufbau der geschwächten Bereiche. Das Gruppentraining eigne sich hingegen nicht für jeden. Zwar sei der soziale Aspekt ein guter Motivationsschub, es bestünde aber auch die Gefahr, sich zu überfordern. „Da muss der Trainer sehr aufmerksam sein“, sagt Böttle.

Egal ob allein oder in der Gruppe: Ein Motto gilt für jedes Training, meint der Experte: „Bevor ich die Zeit falsch investiere, gehe ich lieber Kaffeetrinken.“

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