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Komplexe Entscheidung: Ob es Hitzefrei gibt, legen die Schulleiter fest. Das Kultusministerium verlangt, dass sie dabei mehr bedenken, als nur die Temperatur.

„nicht mit ihrer Fürsorgepflicht vereinbar

Hitzefrei: Rektoren lassen Schüler teilweise Mittag gehen

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Im Landkreis Miesbach ist es heiß. Die Schulleiter geben ihren Schützlinge deswegen teilweise ab Mittag hitzefrei. Dafür müssen sie einige Bürokratische Hürden meistern.

Landkreis– Die Parsberger Grundschüler können sich freuen: „Wir geben Hitzefrei“, sagt Schulleiterin Judith Ströhla. Das heißt: Seit Dienstag haben ihre Schützlinge schon um 11.25 Uhr Schluss. Für die Schüler der 3. und 4. Klassen bedeutete das gestern zwei Stunden weniger als üblich. „Wir sind südseitig ausgerichtet und haben weder Ventilatoren noch Schatten“, sagt die Rektorin. „Wenn es draußen 32 Grad sind, sind es im Klassenraum 40.“ Die Grundschüler bei diesen Temperaturen zum Lernen zu zwingen, sei nicht mit ihrer Fürsorgepflicht vereinbar.

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Hitzefrei im Landkreis Miesbach: Rektoren lassen Schüler teilweise Mittag gehen

Ströhla macht, was das Kultusministerium von ihr verlangt. Das legt die Entscheidung über Hitzefrei in die Hände der Schulleiter. „Eine gesetzliche Regelung, wonach Schülern ab einer bestimmten Temperatur oder unter sonstigen bestimmten Voraussetzungen Hitzefrei zu gewähren ist oder gewährt werden kann, existiert nicht“, heißt es auf der Internetseite des Kultusministeriums. An Tagen mit besonders heißen Temperaturen sollen die Rektoren entscheiden, ob sie den Unterricht früher beenden.

Dafür gibt die Behörde Kriterien vor. Unter anderem das Raumklima, klar. Aber auch die Beförderung ist wichtig. Die Schüler müssen trotz vorzeitigem Unterrichtsende nach Hause kommen. Können die Rektoren keine Busse auftreiben, dürfen nicht früher Schluss machen – egal, wie warm es ist. Eine Regel, die in der Vergangenheit an vielen Schulen gegen das Hitzefrei sprach.

Ströhla hat das Problem gelöst – mit langfristiger Planung. Schon vor den Pfingstferien sprach sie mit dem Elternbeirat über das Thema Hitzefrei. Der war einstimmig dafür, die Schüler bei tropischen Temperaturen nach Hause zu schicken. Also ließ die Rektorin die Eltern auf Briefen ankreuzen, ob ihre Kinder gehen dürfen oder in der Schule betreut werden sollen. Letzteres ist problemlos möglich, weil die Lehrer ohnehin arbeiten müssen – für sie gibt es kein Hitzefrei. Damit war an alle Schüler gedacht.

Das Gesetz kennt aber noch mehr Anforderungen. Es verlangt auch, Alternativen zum Hitzefrei zu prüfen, zum Beispiel die Verlagerung des Unterrichts in kühlere Räume. In Parsberg ist das unmöglich.

Hitzefrei: Das müssen Schulleiter alles bedenken

Anders an der Realschule Tegernseer Tal. Dort wird derzeit schon allein deshalb geschwitzt, weil Abschlussprüfungen geschrieben werden. Schulleiter Tobias Schreiner ist froh, dass er seinen Schützlingen wenigstens vormittags „halbwegs akzeptable klimatische Verhältnisse“ bieten kann. Die Klassenräume würden in der Nacht eigens vom Hausmeister durchgelüftet, so dass die Temperaturen nicht allzu schnell in die Höhe schießen. „Bei der Deutsch-Prüfung am Mittwoch hatten wir zu Beginn gerade einmal 18 Grad“, berichtet der Rektor. Als die Prüfung um 13 Uhr geschafft war, zeigte das Thermometer noch angenehme 24 Grad.

Am Nachmittag allerdings kann es in der Gmunder Schule durchaus unangenehm werden – vor allem in den ost- und südseitig gelegenen Räumen. Somit kamen auch die Realschüler in den Genuss von „Hitzefrei“. Er habe den Nachmittags-Unterricht am Mittwoch und Donnerstag gestrichen, erklärt Schreiner. Den Unterricht noch früher zu beenden, mache keinen Sinn, da es erst ab Mittag eine Schülerbeförderung gebe. Bei Bedarf würden Schüler und Lehrer aber auf schattige Plätzchen im Wald oder im Schulhof ausweichen. Kühlere Räume und garantierte Beförderung – eine Lösung im Sinne des Kultusministeriums.

Die hat auch die FOS Holzkirchen gefunden. Sie gewährte am Mittwochnachmittag Hitzefrei. „Wir haben zwar einen Sonnenschutz, der die Räume kühl hält, aber zum Nachmittag hin wird es problematisch“, sagt Schulleiter Josef Schlemmer. Bereits am Donnerstag mussten Schlemmers Eleven wieder regulär die Schulbank drücken: „Es stehen mündliche Prüfungen an. Ich kann nicht einem Teil der Schüler freigeben und dem anderen nicht.“ Auch in der Metall- und Elektrowerkstatt der FOS sind die Schüler an der Arbeit. „In den Betrieben gibt es auch kein Hitzefrei“, argumentiert Schlemmer.

Das Hitzefrei-Ende droht auch den Parsberg Grundschülern. Ströhla plant bis Ende der Woche mit kürzeren Tagen. „Montag und Dienstag soll es gewittern. Da wird es sich abkühlen.“ Heißt für die Schüler: Wieder volles Programm. mas/gab/bst

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