Für sich selbst gesund kochen zu können ist wichtig für die Flüchtlinge. Brigitte Folger, Fachlehrerin für Ernährung und Versorgung, erklärt (v.l.) Tesfom Beyene aus Eritrea, Marwan Jendi aus Somalia, Mohammad Nazar aus dem Irak und Salman Mohammed aus Syrien gebräuchliche Küchenutensilien. foto: Thomas plettenberg
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Für sich selbst gesund kochen zu können ist wichtig für die Flüchtlinge. Brigitte Folger, Fachlehrerin für Ernährung und Versorgung, erklärt (v.l.) Tesfom Beyene aus Eritrea, Marwan Jendi aus Somalia, Mohammad Nazar aus dem Irak und Salman Mohammed aus Syrien gebräuchliche Küchenutensilien.

Integrationsklassen in Miesbach

Flüchtlinge wollen beruflich Fuß fassen

Miesbach - Für 42 junge Männer und zwei Frauen hat an der Berufsschule Miesbach in dieser Woche ein besonderes Schuljahr begonnen. Sie sind Flüchtlinge aus zehn Nationen, zwischen 16 und 20 Jahre alt, und werden von jetzt an zwei Jahre lang darauf vorbereitet, in Deutschland auch beruflich Fuß zu fassen.

Landrat Wolfgang Rzehak hat für die Neuen an der Miesbacher Berufsschule kleine Schultüten mitgebracht – gefüllt mit einem Schreibblock, einem Kugelschreiber und ein paar Süßigkeiten. Eine herzliche Willkommensgeste, der er auch eine deutliche Aufforderung hinzufügt. „Jeder kriegt diese Chance nur einmal“, erklärt er den 44 jungen Flüchtlingen. „Nutzt diese Chance!“

Vier Berufsintegrationsklassen gibt es nun an der Schule, zwei davon starten neu. Jede Klasse bietet Platz für 22 Schüler. Im ersten Jahr an der Schule geht es für sie vor allem darum, die Sprache zu lernen sowie den Alltag in einer teils völlig neuen Kultur zu meistern. Die Stunden teilen sich entsprechend auf in Deutsch- und Integrationsunterricht. Raimund Schlögl, Mitarbeiter der Schulleitung, berichtet, dass zum Integrationsunterricht Kochen gehöre, aber auch Kultur und Metallverarbeitung. „Die meisten wohnen in Unterkünften, wo sie selbst für sich sorgen müssen“, erklärt er. „Deshalb ist gesundes Kochen wichtig und auch, dass sie lernen, wo sie günstig einkaufen können.“ Aus diesem Grund besuchen die Lehrer zusammen mit ihren Schülern beispielsweise den Miesbacher Wochenmarkt und auch einen Discounter.

Unter den Begriff Kultur fällt wiederum, dass die Flüchtlinge erfahren, welche kirchlichen Feste hier in Deutschland gefeiert werden: Ostern, Fronleichnam oder Allerheiligen etwa. Bei der Metallverarbeitung bekommen die Schüler praktische einfache Fertigkeiten vermittelt, die ihnen später bei den Praktika in Betrieben hilfreich sein können. Im zweiten Jahr an der Berufsschule wechseln sich eine Woche Unterricht und eine Woche Praktikum in einem Betrieb ab. Die Rückmeldungen aus den Firmen seien sehr positiv, sagt Schlögl. Aufgrund ihrer Arbeitseinstellung seien die Schüler der Integrationsklassen sehr beliebt. Ziel ist, dass sie in einer der Firmen eine Lehre beginnen können.

Der Erfolg des Projekts kann sich sehen lassen. Von den Schülern der Integrations-Klasse, die vor zwei Jahren begonnen hat, stehen nun fast alle in einem Ausbildungsverhältnis. Zwei Flüchtlinge, die bereits in ihren Heimatländern das Abitur gemacht hatten, nahmen sogar ein Studium auf, nachdem sie in Miesbach ausreichende Deutschkenntnisse vermittelt bekommen haben. Wie motiviert die Flüchtlinge sind, beweist die große Nachfrage nach den Plätzen in der Integrationsklasse. Die Schule konnte nicht alle Bewerber aufnehmen.

Christine Merk

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