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Hochwasserschutz in Miesbach-Kleinthal: Vier Ansätze sollen das Floigerbach-Problem in der Siedlung lösen

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Von: Dieter Dorby

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Ab in die Röhre: Der Floigerbach wird im oberen Abschnitt des Floigerwegs in ein unterirdisches Rohr geleitet. Zwei Varianten sehen vor, diese Stelle bachaufwärts zu verlegen.
Ab in die Röhre: Der Floigerbach wird im oberen Abschnitt des Floigerwegs in ein unterirdisches Rohr geleitet. Zwei Varianten sehen vor, diese Stelle bachaufwärts zu verlegen. © Thomas Plettenberg

Der Hochwasserschutz für den Miesbacher Ortsteil Kleinthal hat – nachdem im Oktober 2020 ein mit Anwohnern erweiterter Arbeitskreis (AK) installiert worden war (wir berichteten) – einige Fortschritte gemacht. So wurden am Floigerweg zwei Grundeigentümer gefunden, die bereit sind, über eine Überleitung des Floigerbachs durch ihre Grundstücke zu reden.

Dadurch ergeben sich weitere Lösungsvarianten, die nun über eine Bewertungsmatrix priorisiert werden sollen. Den aktuellen Stand der Planungen stellten Geschäftsführer Frank Kleist und sein Mitarbeiter Johannes Jungnickl vom Büro SKI aus München nun dem Stadtrat vor.

Neue Optionen durch Überleitung

Durch die Bereitschaft jener Grundstückseigentümer hätten sich die Möglichkeiten vergrößert, berichtete Jungnickl. Denn dadurch sei auch das Umleiten des Floigerbachs eine Option. Wie berichtet, liegt das Hochwasserproblem von Kleinthal im Zusammenspiel des Floigerbachs, der von Südosten herunterfließt und im Bereich der Kleinthalstraße auf den von Süden kommenden Talerbach trifft, mit dem er sich zum Miesbach vereint.

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Lange bestand der Lösungsansatz darin, dass der Floigerbach die Vorfahrt bekommt, während der Talerbach durch einen Damm zurückgehalten wird. Besteht jedoch die Möglichkeit, den Floigerbach auf die freie landwirtschaftliche Fläche zu leiten, könnten beide Bäche hinter dem Damm gestaut und kontrolliert abgelassen werden. Wichtig dabei: Beide Maßnahmen wären wegen des Rückhaltebeckens für ein Hochwasser mit 100-jähriger Wahrscheinlichkeit – einem HQ100 – geeignet und damit – wesentlich für die Stadtfinanzen – seitens des Freistaats voll förderfähig.

Vier Varianten werden geprüft

In der Konsequenz ergeben sich vier Varianten, die mittels einer Matrix bewertet werden sollen; der AK könne dabei ebenfalls eine Empfehlung abgeben, wie Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) ergänzte. Variante 1 sieht vor, den Floigerbach bereits an der oberen Einmündung des Fliederwegs ins Rohr zu leiten (Bypass), dann im weiteren Bereich des unteren Fliederwegs durch die Grundstücke zu führen, wobei die bestehende Leitung am weiteren Floigerweg bestehen bleiben würde. Variante 2 besteht aus dem Bypass, verzichtet auf die Überleitung und führt das Wasser gemäß dem Vorfahrt-Prinzip durch ein dann zu vergrößerndes Rohr nach unten. Varianten 3 und 4 verrohren den Floigerbach erst später und entsprechen in der Folge den beiden Varianten 1 und 2.

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Laut Jungnickl werden alle vier Varianten nun ausgeplant. Voraussetzung sei es, dass der Abfluss garantiert sei und sich keine Verschlechterung für Unterlieger ergebe. Doch es gibt auch die individuelle Sicht mancher Anwohnern, die wiederum ihre Wünsche und Vorstellungen verwirklicht sehen wollen. Darauf verwies Markus Seemüller (FWG) und regte an, auch über die von Kleinthalern gewünschte Geländemodellierung anstelle des Beckens nachzudenken. Denn: „Ohne die Bereitschaft der Anwohner geht es nicht“.

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Ein Vorstoß, dem Kleist eine klare Absage erteilte: Ohne Rückhaltebecken gebe es kein HQ100. Zudem werde das Projekt umso teurer, je mehr Bauwerke man baue. „Der Freistaat fördert nur die günstigste Variante. Dem stimmte Stefan Griesbeck (CSU) zu: „Wir müssen 60.000 Kubikmeter Wasser wegpuffern. Das wird mit ein bisschen Geländemodellierung nicht gehen.“

Erneut ein Thema: die Planungskosten

Der Stadtrat schloss sich der vorgeschlagenen Vorgehensweise einstimmig an, nach der die Verwaltung die Parameter der Matrix in Absprache mit AK, Planern und weiteren Erkenntnissen erstellt und gewichtet, um dem Stadtrat eine Vorzugsvariante zu empfehlen. Dabei kam die Diskussion auch diesmal nicht ohne das Thema Planungskosten aus. So mahnte Paul Fertl (SPD), zu einem Ende zu kommen, und stellte in Richtung des Büros SKI fest: „Eine silberne Nase haben Sie sich schon verdient. Eine goldene muss es nicht sein.“ Dabei hatte Kleist angesichts immer neuer Planungsaufträge festgestellt: „Wir sperren uns nicht gegen Aufträge, aber wir bewegen uns in einer Schleife. Und das ist keine schöne Art, Geld zu verdienen.“

ddy

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