Kabinen Corona Impfzentrum Hausham
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Das Impfzentrum in Hausham.

CORONA - Neue Prüfinstanz für Priorisierung

Hoffnung für Härtefälle: Zentrale Impfkommission soll bayernweit Priorisierungsfragen klären

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Landkreis – Nicht nur über die Impfstoffe der verschiedenen Hersteller wird diskutiert – auch die Verteilung der Impfstoffe wird kontrovers bewertet. Dabei ist die Zuteilung durch die Impfverordnung des Bundes für alle Impfzentren vorgegeben und wurde durch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfohlen.

Wie das Landratsamt gestern mitteilte, soll sich in Kürze aber etwas ändern: Härtefälle werden künftig besonders bewertet.

Bei Härtefällen, die aufgrund ihres Gesundheitszustands früher als laut Impfverordnung vorgesehen geimpft werden wollen, handelt es sich meist um schwerstmehrfach behinderte oder erkrankte Menschen, die sich kaum einer der bestehenden Priorisierungsgruppen zuordnen lassen. Für sie gibt es nun Hoffnung: Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat Landrat Olaf von Löwis über Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner ausrichten lassen, dass eine zentrale Impfkommission gebildet wurde. Diese wird in den nächsten Tagen ihre Arbeit aufnehmen. Kontaktdaten und Anforderungen an Anträge sind derzeit aber noch nicht bekannt.

„Das sind die besten Nachrichten des Tages“, freut sich der Landrat. Er hatte Aigner am gestrigen Morgen gebeten, sich bei Holetschek für eine schnelle Lösung einzusetzen. Gleichzeitig telefonierte er auch mit dem Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin, dem Vorsitzenden der oberbayerischen Landräte.

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„Dass nun so schnell eine Antwort über Ilse Aigner kam, freut mich besonders, weil das Thema wirklich drängt“, sagt Löwis. Er hatte in den vergangenen Tagen Rückmeldungen mehrerer Behindertenbeauftragter erhalten, die ihn baten, sich für eine Härtefallkommission einzusetzen. „Wir haben uns daraufhin überlegt, so eine Kommission in unserem Landkreis zu bilden“, erklärt Löwis.

Doch das ist kaum möglich. Wie die Gespräche mit den Leitern des Impfzentrums in Hausham, Beate Faus und Dr. Thomas Straßmüller, sowie mit der Koordinierungsgruppe zeigte, sei es kaum möglich, Einzelfälle auf Landkreisebene fair und transparent gegeneinander abzuwägen. Die Einzelschicksale würden möglicherweise von anderen Ärzteteams oder Kommissionen anders bewertet werden. Schon jetzt merkt das Impfteam, dass einzelne Ärzte eigene Fälle teilweise unterschiedlich beurteilen. Daher sieht die Impfsoftware des Freistaats, die die Impftermine vergibt, nicht vor, Härtefälle generell vorzuziehen.

Holetscheks Startsignal für die zentrale Impfkommission wird seitens der Verantwortlichen begrüßt. „Wir wollen die eigenen Bürger nicht schlechter stellen, als wenn sie in einem anderen Landkreis wohnen würden“, sagt Löwis. Das wäre aber vielleicht der Fall, wenn die Miesbacher Kommission einzelne Krankheitsbilder anders einordnen würde als etwa die in Bad Tölz. „Uns geht es um Fairness“, betont Faus. „Wir können das auf Kreisebene nicht leisten. Das muss bayernweit einheitlich gelöst werden.“

ddy

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