In den heimischen Wäldern, wie hier bei Hartpenning, steht reichlich Holzvorrat.
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In den heimischen Wäldern, wie hier bei Hartpenning, steht reichlich Holzvorrat.

Forstumbau im Blick behalten

Hohe Preise kein Ausdruck von Mangel: Holzvorräte so groß wie noch nie

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Die Preise für Holz sind aktuell zwar recht hoch, aber das bedeutet nicht, dass auch ein Mangel der Ressource besteht. Schuld sind andere Gründe.

Landkreis – An Holz besteht kein Mangel. Das betonen Michael Lechner, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen, und Forstdirektor Christian Webert vom Holzkirchner Landwirtschaftsamt unisono. Die hohen Kosten für den Rohstoff, die derzeit für Schlagzeilen sorgen (wir berichteten), seien vielmehr Ausdruck der Preispolitik der vergangenen Jahre. „Ohne sachliche Grundlage entsteht gerade ein Imageschaden“, sagt Lechner.

Knapp 70 000 Kubikmeter Holz hat die WBV Holzkirchen im vergangenen Jahr vermarktet. Ein niedriger Wert im Vergleich zu den Vorjahren. 2019 waren es noch 90 000, davor über 100 000 Kubikmeter. Der Rückgang hat aber nichts mit Holzknappheit zu tun, sondern mit dem für hiesige Waldbesitzer unbefriedigenden Preisgefüge. „Seit über fünf Jahren haben wir äußerst bescheidene Rundholzpreise“, berichtet Lechner. „Gleichzeitig fährt die Holzindustrie satte Erlöse ein. An die Produzenten geht nur ein bescheidener Anteil.“

Miesbach: Holzvorräte so groß wie noch nie

Grund für die Krise der Waldbauern, die 2015 begann, sind mehrere heftige Stürme und der Borkenkäferbefall. Plötzlich galt es für die Waldbesitzer, Holz in großen Mengen aufzubereiten. Wegen des Überangebots sackten die Preise in den Keller – und erholen sich seitdem nur langsam. „Wir sind jetzt einigermaßen dabei aufzuholen, haben aber das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht“, berichtet Lechner.

Für viele Waldbesitzer ist die Holzaufbereitung deshalb ein unattraktives Geschäft geworden. „Einige sagen, für das Geld werfe ich die Motorsäge erst gar nicht an“, erzählt Lechner. Das hat Probleme beim Waldumbau zur Folge. „Man darf sich da nicht zurücklehnen und ausruhen“, sagt Forstbereichsleiter Webert, der mit seiner Abteilung am Landwirtschaftsamt unter anderem für die Beratung der Forstbesitzer zuständig ist. „Damit wir einen stabilen Mischwald für die Zukunft bekommen, muss er gepflegt und ausgelichtet werden.“ Viele Waldbesitzer ließen die Bäume angesichts der niedrigen Preise aber lieber stehen. Das lasse den Waldumbau stocken. „Die Holzvorräte sind derzeit so hoch wie noch nie“, weiß Webert. „Wir haben mehr Zuwachs als eingeschlagen wurde.“

Miesbach: Holzpreise im Keller ‒ „Dafür werfe ich die Säge erst gar nicht an“

Lechner und Webert sehen ihre Aufgabe deshalb auch darin, die Waldbesitzer von der Waldpflege zu überzeugen – und sie zu unterstützen. Zum einen gelingt das über Information. So hat das Landwirtschaftsamt im vergangenen Jahr eine Vortragsreihe insbesondere auch für neue Waldbesitzer gestartet. Zum anderen bietet die WBV Waldpflegeverträge an. Professionelle Unternehmen kümmern sich dann um Einschlag und Pflege, die WBV übernimmt die Vermarktung. „Mittlerweile haben wir für rund 1500 Hektar Waldpflegeverträge mit unseren Mitgliedern abgeschlossen“, berichtet Lechner. „Damit ist bei etwa 60 Prozent unserer gesamten Vermarktungsmenge der Einschlag organisiert.“ Das Holz der WBV geht bevorzugt an heimische Sägewerke.

Die Forstexperten rechnen damit, dass sich der Holzmarkt auch für die Produzenten erholt – und nicht mehr nur die Industrie daran verdient. Ein Lichtblick sei momentan auch die günstige Witterungslage. Der nasse und kühle April halte den Borkenkäfer klein, das sorge in den Wäldern für ein wenig Entspannung und Erholung. Die Situation könne sich freilich rasch drehen. „Die Grundstimmung bei den Waldbesitzern ist aber positiv“, weiß Lechner. Schließlich verfügten sie über einen Werkstoff der Zukunft, der eine enorm hohe Nachfrage genießt. „Wenn etwas dauerhaft nachwächst“, ergänzt Webert, „dann ist es Holz.“

von Stephen Hank

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