Voll erwischt: Wegen der Corona-Pandemie fällt für Miesbachs Wirtepaar Yvonne und Anian Kurz nicht nur die Volksfest-Saison aus, sondern auch die Nachfrage für ihren Partyservice. Sie wollen nun Hopfen zupfen.
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Voll erwischt: Wegen der Corona-Pandemie fällt für Miesbachs Wirtepaar Yvonne und Anian Kurz nicht nur die Volksfest-Saison aus, sondern auch die Nachfrage für ihren Partyservice. Sie wollen nun Hopfen zupfen.

Hopfen zupfen statt Festbier zapfen

So trifft das Volksfest-Aus in Miesbach Wirtepaar und Veranstalter

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Die Volksfest-Saison fällt dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie aus. Was für die Besucher ein verschmerzbarer Umstand sein mag, bedeutet für Wirte und Schausteller eine existenzbedrohende Extremsituation. Ohne Einnahmen wird es eng.

Am Ende war es keine Überraschung mehr, dass das Miesbacher Volksfest heuer ausfallen wird. Ein Schock war die Bekanntgabe des Unvermeidbaren dann aber dennoch. „Man denkt, das ist nicht wahr“, sagt Sabine Kollmann aus Kirchheim (Kreis München), die zusammen mit ihrem Mann Bernhard das Volksfest in der Kreisstadt organisiert. „Das trifft uns sehr, zumal auch die Wiesn in München ausfällt.“

In diesem Jahr gibt es nichts zu verdienen

Denn für die Volksfestwirte und Schausteller heißt das: Dieses Jahr ist nichts verdient. Denn dass nach dem 31. August – bis zu diesem Tag sind bislang Großveranstaltungen untersagt – irgendwelche Herbstfeste noch irgendetwas retten könnten, daran glaubt Bernhard Kollmann nicht: „Die komplette Saison fällt aus, es gibt keine Einnahmen. Ich bin da ratlos. Wir hoffen nun auf den Rettungsschirm.“

Sollte es keine Hilfe vom Staat für Schausteller geben, müsse man die Verdienstausfälle mit Krediten überbrücken. Aber das sei auch keine gute Lösung, „denn das Geld muss man ja wieder zurückzahlen. Und ob es 2021 wieder Volksfeste gibt, ist derzeit auch noch unsicher. Die ganze Situation ist Wahnsinn – auch für die Gastronomen“.

Finanzielle Hilfe für die Mitarbeiter

Eigentlich wäre für die Kollmanns und ihren Autoscooter jetzt Saisonauftakt: erst das Frühlingsfest in München, dann Wasserburg, Grafing, Miesbach Ende Juni und anschließend Bruckmühl. Dazu das Sommerfest im Münchner Olympiapark, das Herbstfest in Erding und die Wiesn mit dem Weißbiergarten. Mit betroffen seien dabei auch die Mitarbeiter, die die Kollmanns teils seit über zehn Jahren begleiten. „Unseren Saisonkräften müssen wir auch Geld schicken“, sagt Bernhard Kollmann. „Wir wollen ja, dass sie zumindest nächstes Jahr wieder dabei sind.“ Klar sei auch: Die Gesundheit gehe vor.

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Auch Miesbachs Festwirte trifft die Absage schwer. „Wir haben uns voll auf unsere Selbstständigkeit konzentriert“, sagt Wirtin Yvonne Kurz aus Kleinpienzenau. Anian Kurz habe vor drei Jahren seine Anstellung gekündigt, sie ihre vor einem Jahr. „Wir machen unsere Arbeit mit Herzblut. Anders geht es nicht.“ Hinzu kommt, dass die Hausaufgaben für das Volksfest in Miesbach bereits gemacht sind: Das Programm steht, die Kapellen sind gebucht, die Flyer gedruckt. „Die Musik mussten wir leider stornieren.“

Mit Hopfenzupfen über Wasser halten

Auch das zweite Standbein, der Partyservice, fällt aus, weil keine Feste mehr stattfinden. Um über die Runden zu kommen, wollen beide beim Hopfenzupfen in der Holledau mitarbeiten. „Das hält uns über Wasser“, sagt die Festwirtin. „Wir müssen Geduld haben und hoffen auf 2021.“

Angst, dass die Volksfesttradition durch die Pause in den Hintergrund geraten könnte, hat Sabine Kollmann nicht. „Das wird nicht passieren. Dazu sind die Volksfeste zu tief verwurzelt.“ Eher das Gegenteil sei der Fall. „Nach Corona haben die Menschen Nachholbedarf. Sie wollen Freude haben, rauskommen und wieder Abwechslung erleben.“ Ähnlich sieht es Yvonne Kurz: „Wir haben uns vorgenommen: Nächstes Jahr wird’s dafür umso griabiger.“

ddy

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