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Hotel-Ladesäulen gefragt: Anstieg von Elektroautos im Kreis Miesbach - Online-Portal hilft Urlaubern

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Von: Jonas Napiletzki

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Beliebter Stellplatz: Das Carport mit Fotovoltaik-Dach vor dem Bayerischen Hof in Miesbach wird täglich genutzt. Hoteldirektor Bernd Fanenstich erklärt Kunden die Nutzung.
Beliebter Stellplatz: Das Carport mit Fotovoltaik-Dach vor dem Bayerischen Hof in Miesbach wird täglich genutzt. Hoteldirektor Bernd Fanenstich erklärt Kunden die Nutzung. © Thomas Plettenberg

Ladesäulen an Hotels sind im Landkreis Miesbach gefragt wie nie. Der vom Kraftfahrtbundesamt gemessene Anstieg der Zulassungszahlen schlägt sich deutlich nieder.

Landkreis – So viel Spaß das Fahren macht, so nervig kann das Aufladen sein: Elektroautos haben Vor- und Nachteile. Letztere kommen besonders dort zum Tragen, wo Menschen Entspannung und keine Steckdosen suchen – aber trotzdem brauchen. Hoteliers im Landkreis Miesbach haben darauf reagiert. Sie berichten, wie sich die Zunahme batteriebetriebener Fahrzeuge in der Praxis auswirkt.

Ladesäulen in Hotels im Kreis Miesbach: Bayerischer Hof „wohl erstes Hotel“

Uwe Schulze-Clewing, Geschäftsführer des Bayerischen Hofs in Miesbach, sagt: „Wir waren wohl das erste Hotel im Landkreis, das eine Ladesäule angeboten hat.“ Acht Jahre sei die Errichtung der Sonnentankstelle her – seitdem hat sich viel getan.

„Der Carport mit Solardach war früher exotisch – wie auch die damaligen E-Autos“, sagt Schulze-Clewing. Als Veranstaltungsort für Autobauer sei die Ladesäule anfangs ein Aushängeschild gewesen – so zum Beispiel für BMW. Die Münchner präsentierten vor Jahren den i8 in Miesbach. Während in den ersten Jahren nach dem Bau der zwei Ladepunkte durchschnittlich nur einer – einmal im Monat – belegt war, werde heute mindestens ein Stellplatz pro Tag genutzt.

„Die gestiegenen Zulassungszahlen merken wir auch hier.“ So sehr, dass das Hotel für die bisher kostenlose Ladesäule Geld verlangen wird. „Wir verkaufen den Strom zum Selbstkostenpreis“, betont der Geschäftsführer. Autos würden mittlerweile für zehn bis 15 Euro aufladen – „das können wir uns so nicht mehr leisten.“ Die Steckdosen bleiben den Hotelgästen vorbehalten.

Der Westerhof bietet „seit sechs Jahren Ladesäulen“

Auch im Westerhof an der Tegernseer Point hat man den Trend zur E-Mobilität früh erkannt. Hoteldirektor Niels van Meerwijk sagt: „Wir haben seit gut sechs Jahren vier Ladesäulen am Hotel.“ Mit Typ-2-Steckern können Fahrzeuge unterschiedlicher Fabrikate an drei Anschlüssen Strom tanken. Der vierte Ladepunkt ist Tesla-Elektroautos vorbehalten. Zusätzlich stellt das Hotel seinen Gästen Haushaltssteckdosen zum Laden zur Verfügung. „Die Nutzung ist noch etwas verhalten, aber steigt stetig an“, sagt van Meerwijk.

Während in den vergangenen Jahren etwa 20 bis 40 Fahrzeuge die Lademöglichkeit nutzten, waren es heuer bereits über 35 – bis Jahresende sei mit einem Rekord zu rechnen. „Gäste können die Säulen vorab reservieren“, erklärt der Hoteldirektor. Ein Angebot, das gerne angenommen wird: „Für manche ist das ein Kriterium für die Hotel-Wahl.“ Spontan Entschlossene fänden aber auch meist einen freien Platz an der Steckdose. „Im Rahmen des geplanten Umbaus könnten wir irgendwann auch Schnellladesäulen haben – aber das ist noch Zukunftsmusik“, verrät van Meerwijk.

Dienstwagen, Gästeshuttle und Steckdosen: Berghotel Sudelfeld wohl Vorreiter in E-Mobilität

Das Berghotel Sudelfeld, ebenfalls zugehörig zur Westerhof-Gruppe, hält für seine Gäste fünf Ladesäulen bereit. Van Meerwjik sagt: „Wir haben für unsere Mitarbeiter in Tegernsee und Bayrischzell insgesamt vier elektrisch betriebene Smarts, die als Dienstwagen hin- und herfahren.“ Auch einen gemeinsamen Tesla als Gäste-Shuttle gebe es in den Hotels. „Wir waren unter den Ersten, die auf Elektromobilität gesetzt haben – auch um unseren Gästen die Praxistauglichkeit näher zu bringen.“

Das zugehörige Westerhof-Café im Stieler-Haus in Tegernsee hat deshalb ebenfalls drei Säulen. „Wer etwas konsumiert, darf bei uns kostenlos aufladen“, sagt van Meerwijk.

Landhaus am Stein hat ein bis zwei E-Autos pro Woche zu Gast - „viel bei 20 Betten“

Simone Schnorr, Inhaberin des Hotels Landhaus am Stein in Bad Wiessee, hält für ihre Gäste seit 2017 eine Ladesäule mit Typ-2-Stecker bereit. Sie sagt: „Die Nachfrage steigt.“ In den ersten zwei Jahren habe etwa ein Fahrzeug in zwei Monaten aufgeladen. „Mittlerweile kommen ein bis zwei E-Autofahrer pro Woche – viel für ein Hotel mit 20 Betten.“ Auch Gäste, die vor ihrer Buchung nach einer Lademöglichkeit fragen, gebe es immer wieder.

Kraftfahrtbundesamt belegt E-Auto-Bestand mit Zahlen: Hybridwagen verdoppelt

Diese Erfahrungen lassen sich mit Zahlen belegen. Der Anteil von Elektro- und Hybridautos unter den Neuzulassungen in Bayern stieg im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 deutlich. Das Bayerische Landesamt für Statistik attestiert E-Autos „ein Plus von 146,4 Prozent“ im Vergleich zu den Zahlen des Vorjahres. 2020 machten sie 6,2 Prozent aus. 90,8 Prozent mehr Hybride wurden 2020 zugelassen – immerhin 19,5 Prozent des Gesamtwerts.

Im Landkreis Miesbach ändert sich so auch der Bestand – gemessen vom Kraftfahrtbundesamt: Im Jahr 2020 verdoppelte sich die Zahl der Hybridautos von 777 auf 1585 Fahrzeuge. Der Anteil rein elektrisch betriebener Autos stieg von 266 auf 478. Gut fünf Prozent der im Landkreis Miesbach gemeldeten Autos fuhren zum 1. Januar 2021 elektrisch oder teil-elektrisch. 85 öffentliche Ladepunkte gibt es laut Bundesnetzagentur hier im Landkreis. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht die Gemeinde Holzkirchen mit 39 Ladepunkten auf dem bundesweit vierten Platz in der Kategorie Kleinstädte und Landgemeinden mit weniger als 20 000 Einwohnern.

Betreiber aus Gmund: Online-Plattform „emobilhotels.de“ hilft E-Fahrern bei der Hotelsuche

Der Gmunder Thomas Ammer veröffentlichte im vergangenen Jahr die Online-Plattform „emobilhotels.de“ – betrieben von seiner im Tegernseer Tal ansässigen Kommunikationsagentur „Toc“. Die Internetseite listet über 1000 Hotels in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien auf, die mit Ladesäulen ausgestattet sind. Ammer sagt: „Die Zahlen der Elektrofahrer steigen.“ Insbesondere wenn es um die Urlaubsplanung geht, bestehe Informationsbedarf zu den Lademöglichkeiten.

„Seit Mai 2020 stellt die Plattform Hotels mit Ladestationen vor, die sich der Agentur angeschlossen haben. Nutzer können Hotels mit Ladestationen, die noch nicht gelistet sind, aber auch selbst auf der Plattform ergänzen. Im Landkreis Miesbach weist emobilhotels.de bisher sechs Hotels aus.

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Seit April führt ein neuer Weg zum Führerschein. Erste Fahrschulen im Landkreis lehren bereits mit Elektrofahrzeugen.(nap)

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