Ansicht vom Landratsamt Miesbach
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Großer Unmut herrscht über den Bierfass-Vorfall unter den Mitarbeitern des Landratsamts Miesbach.

INTERVIEW

„Ich bin maßlos enttäuscht“: Landrat von Löwis über das Bierfass, den Imageschaden und die Ermittlungen

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Miesbach – Ein Bierfass beim Corona-Krisenstab im Landratsamt, ein Besuch der Leiterin der Polizeiinspektion, eine Anzeige wegen Vorteilsnahme und viel medialer Wirbel: Wieder steht der Landkreis überregional in den Schlagzeilen (wir berichteten).

Im Interview beschreibt Landrat Olaf von Löwis (CSU), wie er den Imageschaden durch das Bierfass im Landratsamt einschätzt und inwiefern Konsequenzen nötig sind.

Herr von Löwis, wie haben Sie vom Bierfass erfahren?

Mir wurde es gewissermaßen von Dritten zugerufen. Das war vor drei Wochen. Ich konnte es erst nicht glauben. Dann habe ich nachgeforscht und musste feststellen, dass es stimmt. Also habe ich sofort angeordnet, dass das Bier sofort entfernt wird. Was leider mit etwas Verzögerung passiert ist.

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Gibt es nun intern klare Regeln oder Konsequenzen?

Ich habe im Gespräch mit den Betroffenen klargestellt, dass wir so etwas nicht tolerieren können. Da besteht jetzt auch Einsicht. Wir müssen den Fall auch dienstrechtlich prüfen, wenngleich es keine Beanstandungen geben dürfte, da das Bier außerhalb der Dienstzeit getrunken wurde. Und etwas anderes habe ich bislang dazu auch nicht gehört oder feststellen können. Generell ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Wie groß ist der Schaden für das Landratsamt?

Landrat Olaf von Löwis

Der Schaden ist vor allem intern entstanden, denn der Unmut im Haus ist sehr, sehr groß. Wir haben eine schwierige Situation mit Corona und Impfen, und der Krisenstab arbeitet hervorragend und motiviert. Aber es gibt auch andere Bereiche, die weniger im öffentlichen Fokus stehen, dennoch vom Thema Corona betroffen sind und auch sehr, sehr gute Arbeit abliefern. 440 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen 99 Prozent nichts mit dem Bierfass zu tun haben, deren Arbeit aber durch diesen Vorfall dennoch in schlechtes Licht gerückt wird.

Neben dem Imageschaden gibt es noch das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München II wegen Vorteilsnahme. Haben Sie dafür Verständnis?

Ganz ehrlich, ich kann es nicht nachvollziehen. Vielleicht gab es das Gerücht, dass es sich dabei um Freibier handeln könnte, aber wenn, dann war das voreilig. Wir hätten das vorab klären können. Jetzt ist es raus, und man muss abwarten. Letztlich bin ich maßlos enttäuscht, denn es war gerade die Leiterin der Polizeiinspektion, die mir den Hinweis auf das Bierfass gegeben hat. Ich hätte mir einfach die Möglichkeit gewünscht, das klären zu können.

Wie belastend ist diese Angelegenheit für Ihre Mitarbeiter und für Sie?

Aktuell ist es sehr belastend, weil wir den Kopf nicht frei haben für die wichtigen Aufgaben, die wir erfüllen müssen. Wir werden es intern besprechen, aufarbeiten und dann zügig wieder unserer eigentlichen Arbeit nachgehen. Ich habe auch kein Problem damit, dass der Fall nun öffentlich ist. Wir müssen nun nach vorne schauen und zeigen, dass das nur ein Ausreißer war. Und dass man uns vertrauen kann, dass wir die uns gestellten Aufgaben erfüllen.

ddy

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