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Die Proben laufen auf Hochtouren: Insgesamt sind 92 Mitwirkende beteiligt, Profis und ambitionierte Laien. Hier sind Markus Herzog (M.) als José und Denise Felsecker (r.) als Carmen zu sehen. 

Freies Landestheater Bayern in Miesbach inszeniert Opern-Klassiker 

„Ich verurteile Carmen nicht mehr“

Nach sieben Jahren nimmt das Freie Landestheater Bayern Georges Bizets Oper „Carmen“ wieder ins Programm. Vor der Premiere im Waitzinger Keller in Miesbach erklärt der Künstlerische Leiter im Interview, warum sich das auch lohnt. 

Miesbach– Nach sieben Jahren nimmt das Freie Landestheater Bayern Georges Bizets Oper „Carmen“ wieder ins Programm. Die Neuinszenierung feiert am Samstag, 10. März, um 19 Uhr im Waitzinger Keller in Miesbach seine Premiere. Das 92-köpfige Ensemble probt auf Hochtouren, Kostüme werden allesamt neu gefertigt – bis auf sündhaft teure Soldaten-Uniformen. Die Carmen kommt aber nicht bloß in neuem Gewand daher, erklärt Künstlerischer Leiter Rudolf Maier-Kleeblatt im Interview.

-Es ist ja nicht das erste Mal, dass das Freie Landestheater die „Carmen“ zeigt...

Rudolf Maier-Kleeblatt: „Nein, es ist schon das dritte Mal inzwischen.“

-Sind also aller guten Dinge drei, oder was haben Sie sich dabei gedacht?

Rudolf Maier-Kleeblatt: „Nein, das ergibt sich eigentlich zwangsläufig, dass man die Spitzenstücke öfter spielt, so wie auch „Die Zauberföte“ oder „Die Fledermaus“. Man muss die Klassiker immer mal wieder aufnehmen. Man entwickelt sich ja auch und sieht das Stück dann immer wieder etwas anders. Und in der derzeitigen Situation, wo wir so gut beinand sind im Orchester- und Solisten-Ensemble, bietet sich eine Neuauflage geradezu an.Es gibt Rollen – wie eben den Don José, die Micaela und die Carmen selbst – die außerordentlich gute Darsteller und Sänger brauchen. Und die haben wir.“

-Es lag also nicht daran, dass Sie im Nachhinein doch nicht zufrieden mit der vorigen Carmen-Inszenierung gewesen wären?

Rudolf Maier-Kleeblatt: (lacht) „Nein, die letzten waren schon sehr respektabel, keine Frage! Man muss auch sagen: Der „Markt“, also die Veranstalter, will solche Klassiker eben auch immer wieder sehen.“

-Die Besetzung ist diesmal eine andere.

Rudolf Maier-Kleeblatt: „Ja, wir haben gegenwärtig einen Generationswechsel. Uns gibt es ja schon seit 37 Jahren. Und die jüngere Generation von Sängern ist hervorragend ausgebildet. Philipp Scherer zum Beispiel. Ihn im Ensemble zu haben, ist für mich ein großes Vergnügen: Er hat am Gymnasium Miesbach Abitur gemacht und bei uns schon als Schüler im Theaterchor gesungen. Jetzt ist er fertiger Gesangssolist. Da kommen meine Schul- und Theatertätigkeit wunderbar zusammen.“

-Wenn man nun ein Stück zum dritten Mal inszeniert, wie geht man da denn wieder ganz neu ran?

Rudolf Maier-Kleeblatt: „Ich schaue mir die Partituren jedes Mal aufs Neue sehr genau durch. Ich schaue auf die Dialoge, wo muss man noch etwas verändern, kürzen oder veraltete sprachliche Fassungen – wir arbeiten ja mit Übersetzungen aus dem Französischen – erneuern. Das mache ich mit der Regie zusammen. Wir schauen uns auch neu an: Was soll im ganz großen Bogen eigentlich rüberkommen? Man muss sich diese Frage immer wieder stellen. Und man entdeckt ein Stück Weltliteratur ja auch immer wieder neu.“

-Welche Veränderungen gibt es im Vergleich zur Carmen von 2011 konkret?

Rudolf Maier-Kleeblatt: „Wir haben uns entschlossen, die „Habanera“ diesmal im französischen Original zu belassen, um diese unverwechselbar duftige Atmosphäre zu haben. Das ist der „Carmen“-Hit schlechthin. Und wir haben uns vorgenommen, speziell für die Leichtigkeit des Französischen deutsche Entsprechungen zu finden. Nicht nur in der Übersetzung, sondern auch, was die Artikulation betrifft. Der Anteil an Konsonanten ist im Deutschen einfach viel höher, der Melodiefluss ist eher durchwachsen. Wir versuchen, so ranzugehen, dass es nicht so schwerfällig klingt. Das Französische fließt weich und sanft, im Deutschen muss man sich bemühen, das herzustellen.“

-Und musikalisch?

Rudolf Maier-Kleeblatt: „Ich habe mich noch mal mit den Phrasierungen beschäftigt. Die sind bei Bizet hochkomplex, eine Mischung aus Zweier-, Dreier- und Vierer-Strukturen. Die möglichst plastisch nachzuziehen, das sehe ich als große Aufgabe.“

-Wie viel „alte“ Carmen steckt nun in der neuen noch?

Rudolf Maier-Kleeblatt: „Ich weiß gar nicht, wie viele Sänger von damals noch dabei sind. Aber ich stelle fest, dass ich mich selbst verändere, künstlerisch und auch als Person. Ich bin inzwischen eher geneigt, die Carmen nicht mehr zu verurteilen.“

-Werden Sie etwa „altersmilde“?

Rudolf Maier-Kleeblatt: (lacht) „Ein bisschen Altersmilde mag da vielleicht dabei sein. Ich verstehe immer mehr, dass Carmen natürlich selbst keine großen Spielräume hat. Sie muss die sein, die sie ist. Das hat natürlich schon Auswirkungen auf eine Inszenierung. Und diesmal führt übrigens auch erstmals eine Frau Regie, eine junge noch dazu, die Münchner Regisseurin Julia Dippel, die 2016 schon den „Freischütz“ hervorragend für uns gemacht hat. Sie hat erst kürzlich ihren Roman „Izara“ geschrieben, eine Mädchen-Geschichte. Ich denke, dass das schon auch einfließt.

-Die Carmen ist ja ein echter Opern-Klassiker, auch wenn sie zunächst, bei ihrer Uraufführung 1875, ein Misserfolg war.

Rudolf Maier-Kleeblatt: „Der Auftrag für die Komposition war von Anfang an vermurkst. Das Publikum in der Pariser Opéra comique war auf Humor eingestellt – aber ,Carmen‘ ist ein veristisches Drama. Aber die Oper hat ihren Weg doch noch gemacht.“

-Woran liegt’s, dass sie so ein zeitloser Klassiker geworden ist?

Rudolf Maier-Kleeblatt: „Das liegt, meine ich, an der Vielschichtigkeit. Man kann diese Geschichte nicht monolinear deuten, weil sie keine einfache Deutung zulässt. Man kann auch als Besucher nicht beim ersten Mal erschöpfend wahrnehmen, was da alles passiert, geschweige denn es eindeutig interpretieren. Das ist sehr interessant. Und es liegt auch und vor allem an der grandiosen Musik. Diese Vielfalt und die Prägnanz, eine dramatische Situation musikalisch auf den Punkt zu bringen – das ist erste Klasse.“

Vorverkauf 

Eintrittskarten zu 25,50 bis 42,50 Euro gibt es beim Waitzinger Keller sowie über München Ticket und Eventim.

Katrin Hager

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