In den Gewerbegebieten im Landkreis – hier die Zufahrt zum Industriegebiet Brentenstraße in Hausham – sind viele mittelständische Betriebe angesiedelt. Die Corona-Pandemie verunsichert viele von ihnen.
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In den Gewerbegebieten im Landkreis – hier die Zufahrt zum Industriegebiet Brentenstraße in Hausham – sind viele mittelständische Betriebe angesiedelt. Die Corona-Pandemie verunsichert viele von ihnen.

Lockdown dämpft Stimmung bei Betrieben

IHK fordert schnelle Impf- und Teststrategie

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Um eine rasche Erholung der Unternehmen im Oberland herbeizuführen, fordert die Industrie- und Handelskammer (IHK) von der Regierung eine durchschlagende Impf- und Testkampagne.

Landkreis ‒ Der zweite Lockdown hat die Stimmung der Unternehmen im Oberland erneut abkühlen lassen. Laut der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern vom Jahresbeginn gab der Index für die Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau von 104 Punkten auf 94 Punkte nach.

Zu ihrer Geschäftslage befragt, bezeichnete über ein Drittel der Unternehmen (37 Prozent) diese als gut. 32 Prozent der Unternehmen bewertete sie als schlecht. Im bayerischen Vergleich, so heißt es in einer Pressemitteilung der IHK, sank damit die Bewertung der Geschäftslage überdurchschnittlich stark. Ursache hierfür dürfte die hohe Bedeutung des Tourismus im Oberland sein, der durch die Corona-Pandemie praktisch zum Erliegen gekommen ist.

Lage deutlich besser als während des ersten Lockdowns

Gleichzeitig bewerteten die Unternehmen ihre Geschäftslage aber deutlich besser als noch während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass das verarbeitende Gewerbe seine wirtschaftlichen Aktivitäten in den vergangenen Wochen und Monaten weitgehend aufrechterhalten konnte. Mit Blick auf die kommenden Monate verunsichert die Corona-Pandemie aber weiterhin große Teile der Unternehmerschaft. Die Geschäftserwartungen verharren auf niedrigem Niveau. Ihre schnelle Belebung scheint nicht in Sicht.

Nur noch jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) rechnet mit mehr Geschäft, 28 Prozent gehen von einer Eintrübung aus. Die Verunsicherung führt außerdem dazu, dass sich die Unternehmen bei ihren Investitionsplänen zurückhalten. Nur 15 Prozent möchten mehr investieren. Weitere 15 Prozent wollen ihre Investitionen hingegen zurückfahren, und jedes vierte Unternehmen will vollständig darauf verzichten.

Mit Impf- und Testkampagne zu „branchenübergreifender Normalisierung“

Auch die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt bleiben getrübt. Jedes fünfte Unternehmen will Stellen abbauen, nur rund jedes zehnte Unternehmen neue schaffen. „Sinken die Infektionszahlen weiter beziehungsweise verweilen sie stabil auf niedrigem Niveau, wird sich die Wirtschaft schrittweise wieder erholen können“, ist Reinhold Krämmel, Sprecher des IHK-Forums Region Oberland, überzeugt. „Um diesen Prozess zu unterstützen, brauchen wir jetzt unbedingt eine durchschlagende Impf- und Testkampagne. Nur so können wir eine branchenübergreifende Normalisierung in der Wirtschaft anstreben.“

Unabhängig davon werde die Corona-Pandemie noch lange das Wirtschaftsleben bestimmen. Aktuell wirken sich laut Krämmel vor allem die neuen, strengen Kontrollen an den Grenzen zu Tschechien und Tirol nachteilig auf die Wirtschaftstätigkeit vor allem in der Industrie aus. Laut einer Umfrage der bayerischen IHKs treffen die Einreisebeschränkungen vor allem den Waren- und Güterverkehr empfindlich.

Reinhold Krämmel, Sprecher des IHK-Forums Region Oberland

IHK-Sprecher Krämmel: „Die Unternehmen sind am Limit“

Krämmel fordert von der Politik außerdem mehr Rückendeckung und neue Impulse für den Weg aus der Krise. „An erster Stelle brauchen die Betriebe Entlastung. Die Politik darf in dieser schweren Zeit die überbordende Bürokratie nicht noch durch weitere Vorschriften, Gesetze oder Richtlinien aufblähen.“ Allein die Bekämpfung der Pandemie und der anhaltende Lockdown hätten bereits stapelweise neue Vorgaben und Verordnungen für Unternehmen nach sich gezogen, die oftmals in unvorstellbar kurzer Zeit umzusetzen waren. „Die Unternehmen sind am Limit“, sagt der IHK-Sprecher.

Die Befragung der IHK für München und Oberbayern für ihren Konjunkturbericht erfolgte von 12. bis 22. Januar. Beteiligt haben sich Unternehmen aus den vier Landkreisen im Oberland.

Lesen Sie auch: Was der Vorsitzende des Unternehmerverbands Landkreis Miesbach zum Thema Einzelhandel sagt.

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