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Demo im Sitzungssaal: Mit Plakaten haben die betroffenen Nachwuchskicker ihren Wunsch unterstrichen, dass der Bolzplatz am Friedhof erhalten bleiben soll.

Ihr Bolzplatz soll trotz Neubaugebiet bleiben

Junge Fußballer demonstrieren im Stadtrat Miesbach

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Mit einer unangekündigten Demonstration im Stadtrat haben sich Kinder und Jugendlichen für den Erhalt ihres Bolzplatzes hinter dem Friedhof Am Gschwendt stark gemacht und ein deutliches Zeichen an die Stadträte geschickt. Mit Erfolg.

Der Bolzplatz soll nach Möglichkeit für die Kinder und Jugendlichen erhalten bleiben – und wenn nicht an der bisherigen, dann an einer neuen Stelle in der Nähe bis zur Beendigung der Bauphase. Darauf hat sich der Stadtrat recht knapp mit 13:11 Stimmen verständigt, nachdem Markus Seemüller (FWG) einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Doch der Weg dahin wird kein leichter sein.

Auch größere Kinder brauchen einen Platz zum Toben

Das bloße Bemühen seitens des Rathauses, die Spielfläche zu erhalten, wie es in der vergangenen Stadtratssitzung bei der Präsentation der Baupläne geäußert worden war, sei nicht genug, stellte Seemüller eingangs fest, denn so gebe es keine Garantie. Dies solle sein Antrag ändern. Und sollte es wirklich auf einen Ersatzbolzplatz hinauslaufen, dann soll der „in gleicher Qualität und Größe“ seitens der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

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Ein Passus, der es in sich hatte. Denn Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) zweifelte daran, dass das gelingen werde. „Wir haben im Stadtgebiet mehrere Bolzplätze mit rund 700 Quadratmetern. Eine Fläche mit 2000 zu finden, wird schwierig“, stellte sie fest. Zumal eine Verringerung der Wohnflächen beim Neubaugebiet laut Seemüllers Antrag „keine Option“ seien. Deshalb habe sie von der Verwaltung einen Gegenbeschluss vorlegen lassen – einziger Unterschied: „in entsprechender Qualität und praxisgerechter Größe“.

Hauptproblem ist der Immissionsschutz

Hauptproblem ist der Lärmschutz, wie Bauamtsleiter Lutz Breitwieser erklärte. Der Abstand der Wohnbebauung zum Bolzplatz sei zu gering, und die wiederum möglichen Betriebszeiten seien keine Lösung für eine entsprechende Nutzung als Fußballplatz. Aktuell sei dort auf dem 15 Meter breiten Streifen, der sich im Anschuss an den Friedhof über dessen komplette Länge erstreckt, für das Bebauungsplanverfahren ein Spielplatz ab sechs Jahren vorgesehen. Insgesamt seien es 1800 Quadratmeter. Denkbar sei es laut Breitwieser, auf den Begriff Bolzplatz zu verzichten und das Areal als undefinierte Spielfläche auszuweisen. Der Grund: Ein Bolzplatz stellt eine Anlage dar, die dem Immissionsschutz unterliegt – eine Spielfläche nicht.

„Kinder sollen nicht als Computer-Nerds enden“

Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) machte sich als Co-Autor des Antrags ebenfalls für den Erhalt des Platzes stark. „An 100 Quadratmetern wird es nicht scheitern“, stellte er fest. Es gehe darum, dass eine Fläche zum Austoben erhalten bleibe – „damit die Kinder nicht als Computer-Nerds enden“.

Jugendreferent Christian Mittermaier (CSU) kritisierte dagegen die gesamte Aktion: „Wahnsinn, wie hier mit  der Angst der Kinder gespielt wird.“ Es sei ein Witz, wie die Kinder hier mit ihren Schildern reingebracht werden, „obwohl wir uns schon 2014 für den Bolzplatz ausgesprochen haben“. Worauf Seemüller konterte: „Das ist des Amts des Jugendreferenten nicht würdig.“

Die Diskussion, wie die Fläche genannt werden soll, fand Astrid Güldner (Gründe) widersinnig: „Kinder werden nicht leiser, wenn man die Fläche anders bezeichnet.“ Bis zur Dezember-Sitzung solle die Stadt sich nach etwaigen Alternativflächen umsehen. Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) begrüßte das und mahnte an, Grundbesitzer nicht nur lapidar anzuschreiben, sondern mit ihnen persönlich Kontakt aufzunehmen. „Ich erwarte von der Kommunalpolitik, dass man auch die Anliegen von Kindern ernst nimmt“, betonte er.

Ex-Jugendreferent Erhard Pohl (CSU) wendete sich direkt an die jungen Demonstranten: „Euch ist doch egal, wie diese Grünfläche heißt. Sie ist für Euch reserviert – Ihr braucht keine Angst zu haben.“ Letztlich setzte sich Seemüllers Antrag knapp durch.

ddy

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