Miesbacher Rathaus: Ein Wärmenetz für vier Gebäude
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Eine Anlage für vier Gebäude: Mit einem Nahwärmesystem könnten (v.l.) Feuerwehrhaus, Beamtenhaus, Bücherei (verdeckt) und Rathaus zentral versorgt werden. Doch das Umrüsten ist teuer.

Umstrittenes Vorbild-Projekt

Zu teuer: Im Stadtrat formiert sich Widerstand gegen das Nahwärmenetz am Rathaus in Miesbach

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Miesbach – Das Vorhaben, das Rathaus nebst Bücherei, Beamtenhaus und Feuerwehr in Miesbach mit einem klimafreundlichen Nahwärmenetz zusammenzuschließen, ruft im Stadtrat immer wieder Widerstand hervor. Grund sind die Kosten in Höhe von rund 800 000 Euro.

In der jüngsten Sitzung wurde nun der Einbau zweier Spitzenlastkessel für 75 000 Euro bei drei Gegenstimmen von Aline Brunner, Florian Ruml und Markus Seemüller (alle Freie Wähler) beschlossen. Die Kessel sind Teil des Nahwärmeprojekts, werden aber bereits jetzt nötig, nachdem die über 30 Jahre alte Anlage im Feuerwehrgerätehaus in jüngster Vergangenheit mehrfach ausgefallen war. Damit soll die Wärmeversorgung in Rathauskeller, Bücherei und Gerätehaus sichergestellt werden. Für 2022 ist der Einbau einer Pelletsheizung für 230 000 Euro geplant. 2023 folgt der Anschluss des Beamtenhauses für 138 000 Euro, 2024 der des Rathauses für 264 000 Euro.

Seemüller sieht den geplanten Weg dagegen kritisch. „Eine Heizung für 800 000 Euro für vier Gebäude ist ein extremes Minusgeschäft“, stellte er fest. Er gehe davon aus, dass sich mit einer guten Isolierung mehr einsparen lasse.

Projekt unter Zeitdruck

Manfred Burger (Grüne) reagierte verwundert auf diesen Einwand. „Wir haben diese Lösung vor längerer Zeit diskutiert und beschlossen“, erwiderte der Gebäude-, Energie- und Umweltreferent. „Wir sind jetzt unter Zeitdruck, denn die Heizung im Feuerwehrhaus kann uns jederzeit ausfallen.“ Deshalb sei es der richtige Weg, den Einbau der Kessel jetzt vorzuziehen. Um ein Blockheizkraftwerk zu diskutieren, sei es dagegen zu spät. Dieser Sichtweise schloss sich auch Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) an.

Unsicherheiten bei der Förderung

Unterstützung bekam Seemüller von Paul Fertl (SPD). Der sah die Anschaffung der Kessel zwar als alternativlos an, zeigte sich aber beim restlichen Projekt zurückhaltend, weil für den Anschluss des Rathauses bislang – anders als bei den übrigen Abschnitten – keine Fördermöglichkeiten gefunden worden waren. „800 000 Euro sind ein schöner Batzen Geld“, stellte Fertl fest und regte an, den zweiten Beschluss zur Fortsetzung des Gesamtprojekts auszusetzen, um zu schauen, ob sich vielleicht noch Fördertöpfe auftun. Zugleich könne man eine Gegenüberstellung machen, ob es nicht vielleicht auch andere Maßnahmen gebe, die eine bessere CO2-Bilanz gewährleisten. Denn das Ziel müsse es schon sein, Kohlendioxid einzusparen.

Dem stimmte Erhard Pohl (CSU) zu, verwies aber auf die Vorbildfunktion der Stadt. Zudem gehe es um eine Fläche von 8000 Quadratmetern – „das relativiert die Kosten“.

Bürgermeister verteidigt Nahwärmekonzept: „Gut durchdacht“

Braunmiller indes betonte, dass das Nahwärmekonzept gut durchdacht sei. Wegen der fehlenden Förderung für den Wechsel von Elektroheizung hin zu Pellets habe man das Rathaus bereits zurückgestellt in der Hoffnung, dass es bis dahin Förderprogramme gebe. Dennoch stellte er den zweiten Beschluss zurück für eine weitere Gegenüberstellung: „Es macht jetzt auch nichts, diesen Beschluss um ein, zwei Monate zu verschieben.“

ddy

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