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Bei der Hegeschau konnten die Besucher, unter anderem Forstamtsleiter Jörg Meyer (l.), die Geweihe der geschossenen Tiere begutachten.

Hegeschau in der Oberlandhalle

Immer näher dran an Hegerichtlinie

Die Zusammenarbeit zwischen Jagd und Forst läuft weitgehend reibungslos. Dies wurde bei der Hegeschau in der Miesbacher Oberlandhalle deutlich. Der Hauptreferent kam diesmal aus Tirol.

Landkreis Hunderte Krickerl waren in der Oberlandhalle zu sehen. Geweihe all jener Tiere also, die im vergangenen Jahr im Landkreis abgeschossen wurden. Jäger belegen anhand der Krickerl, dass sie den vorgegebenen Abschussplan erfüllt haben. Und die Trophäen sind wiederum Berechnungsgrundlage für neue Abschusspläne. Wieder wurde jedes Krickerl untersucht, um Daten zum genauen Alter der Tiere zu erhalten. „Wir entsprechen mehr und mehr der Hegerichtlinie des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums“, sagte Kreisjagdberater Tobias Hupfauer. Eine ganze Reihe reifer Hirsche sei erlegt worden. Der Schluss: Es wachsen immer mehr Tiere in diese Altersklasse hinein, „und so soll es auch sein“.

Einen Auerwild-Vortrag in Bayern halten? Die Anfrage aus Miesbach habe ihn überrascht, gestand Christoph Burgstaller, Berufsjäger und Buchautor aus dem Pinzgau in Tirol. Schließlich genieße es in Deutschland eine ganzjährige Schonzeit und werde hier folglich gar nicht gejagt. Burgstaller hielt generell ein Plädoyer für die Jagd. Sein Argument: „Der Trieb, zu erbeuten, ist in uns drin.“ Die Beschäftigung mit der Jagd führe dazu, sich wertvolles Wissen über Flora und Fauna anzueignen. Von einer „ganz imposanten Wildart“ sprach Martin Weinzierl, Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes, im Zusammenhang mit dem Auerwild, zu dem unter anderem die Raufußhühner gehören.

Über das Thema Auerwild referierte Christoph Burgstaller (Foto oben, l.) bei der Hegeschau in der Oberlandhalle.

Während deren Bestand immer mehr zurückgeht, steigt im Landkreis offenbar die Wildschwein-Population. Hupfauer verkündete fürs zurückliegende Jahr 25 Abschüsse. Im Jahr davor waren es nur vier. Anhand der Abschusszahlen könne man freilich nur vage auf die tatsächliche Population schließen. „Ob Sie den Anstieg positiv oder negativ sehen, überlasse ich Ihnen“, kommentierte Hupfauer. Der Kreisjagdberater gab zu bedenken, dass Wildschweine erheblichen Schaden anrichten können. Dass sie sich im Landkreis übermäßig ausbreiten, hält Weinzierl für unwahrscheinlich. Es gebe zu wenig Ackerbau, der den Wildschweinen Nahrung liefert. Die Gefahr, dass sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch im Landkreis ausbreitet, sei ebenfalls gering. Das Virus wütet derzeit vor allem in Osteuropa. Im Landkreis gebe es nach wie vor wenig Wildschweine und wenig Schweinemastbetriebe, so Weinzierl. Dennoch mahnte er zur Wachsamkeit.

Was Stefan Cramer vom Amt für Landwirtschaft und Forsten (AELF) umtreibt: Deutschland hat heuer schon im März das CO2-Jahrespensum ausgestoßen. „Wir werden das Klimaziel nicht erreichen“, sagte er. Es mache einen großen Unterschied, ob die Durchschnittstemperatur um zwei oder vier Grad ansteige, gab er zu bedenken und prognostizierte das Ende der Fichte. Dabei sei Mischwald die beste Prävention vor Lawinen und der beste Hochwasserschutz.

Die Abschusspläne stimmen Cramer positiv. Die Kooperation mit den Jägern laufe „sehr ruhig und sachlich ab“. Weinzierl bestätigte das: „Wir reden miteinander, nicht übereinander.“ Landrat Wolfgang Rzehak rief Vertreter von Jagd und Forst dazu auf, die Balance zu halten. Alle Lebewesen hätten ihre Daseinsberechtigung, „wir leben miteinander“.

Die Abschusszahlen: 

Gamswild (geplant 725, geschossen 534, Erfüllungsgrad 74 Prozent), Rotwild (719, 671, 93), Rehwild (geplant Drei-Jahres-Plan 8926, im zweiten Jahr geschossen 2954, 99,3), Schwarzwild (kein Abschussplan, geschossen vier), Fuchs (kein Abschussplan, geschossen 764).

Johanna Wieshammer

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