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Kleine Rolle, großer Spaß: Romy Leder (vorne, 2.v.l.) ist heuer bei der Märchenoper „Hänsel & Gretel“ des Freien Landestheaters Bayern auf der Bühne dabei – hier in der Szene als Dorfkind.

„Dass da so viele Kinder sind und sich alle helfen, finde ich toll“

In der Märchenoper auf der Bühne: Romy aus Miesbach ist die Jüngste im Ensemble 

Wenn Kinder auf der Bühne stehen, haben sie die Herzen des Publikums meist schnell erobert. Doch wie erlebt ein Kind den Auftritt in einer großen Bühnenproduktion? Wir haben Romy (8) begleitet.

Miesbach– Romy Leder (8) aus Miesbach, Tochter unseres Fotografen Andreas Leder (51), ist derzeit in der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ des Freien Landestheaters Bayern (FLTB) aus Miesbach auf der Bühne dabei. Insgesamt fünf Mal in diesem Winter ist das FLTB mit der Märchenoper im Münchner Gasteig vertreten, dazu zwei Mal in Mittelfranken: in Nürnberg und Weißenburg. Im FLTB-Ensemble treffen seit jeher Profisänger, Tänzer und Orchestermusiker auf Hobbysänger in allen Altersstufen. Bei „Hänsel und Gretel“ diesmal auch auf Romy, eines von 18 mitwirkenden Kindern. Viele davon sind wiederholt dabei. Mit knapp neun Jahren ist Romy diesmal die Jüngste im Ensemble.

Die Drittklässlerin, die mit ihren Eltern und Bruder Dominik (5) in Miesbach lebt, hat drei kurze Auftritte als Chorkind. „Als Wühlmaus muss ich mich zwei Mal nach links und ein Mal nach rechts drehen und dazwischen innerlich bis sechs zählen“, erklärt Romy. „Und als Engel einigeh’, beten und wieder obigeh’.“ Außerdem tanzt sie als Dorfkind über die Bühne. Ganz einfach, findet die Achtjährige. Nur dazwischen wird’s ein bisserl stressig.

Die Proben mit Regisseur und Choreograf Michael Kitzeder machen Romy Spaß.

Um zum Engerl zu werden, hat Romy bis kurz vor der Pause Zeit. „Die Großen helfen uns“, sagt sie. Die Älteren schminken hinter der Bühne die Kleineren. Doch für die Wühlmäuse müssen die kleinen Darsteller nicht nur in ein anderes Kostüm, sondern auch in die Maske. Romys Haare müssen hochgebunden werden. Sind die Wühlmäuse von der Bühne abgegangen, muss es wieder ratzfatz gehen. Romy wird dann zum Dorfkind. Der kleinen Wühlmaus müssen dafür die Haare gekämmt und das Kostüm noch mal gewechselt werden.

Nur kurz vor dem Auftritt hat sie Lampenfieber, erzählt Romy. „Da frag’ ich mich dann, warum ich da eigentlich mitmache.“ Auf der Bühne ist das zum Glück wie weggeblasen. Dass im Carl-Orff-Saal im Gasteig bis zu 600 Menschen im Publikum sitzen, macht ihr keine Angst.

Ein bisschen Bühnenluft hat Romy vor zweieinhalb Jahren schon mal geschnuppert, als Blume beim Familientheater „Kasperl in den Ferien“ der Jungen Bühne Miesbach. Als sie voriges Jahr im Dezember die Vorstellung von „Hänsel und Gretel“ im Waitzinger Keller sah, war’s quasi um sie geschehen: Romy, die gern allein daheim zu „Bibi und Tina“ und im Chor singt, seit zwei Jahren Hackbrett spielt und viel Freude am Theaterspielen in Kindergarten und Grundschule hat, wollte gleich mitmachen. Tatsächlich sucht das FLTB immer wieder Chormitglieder in allen Altersgruppen für seine Operetten- und Opernproduktionen, auch Kinder. Doch Romy war voriges Jahr mit sieben Jahren noch zu klein. „Aber sie haben uns auf die Liste gesetzt“, berichtet Mama Regina Leder (38).

Ein Engerl wird zur Wühlmaus: Romy wird in der Maske auf ihren nächsten Auftritt vorbereitet.

Ende September klingelte das Telefon: Das FLTB war dran, ob Romy es heuer mal versuchen will. Klar wollte Romy. Und die Eltern? „Wir haben uns das gut überlegt“, sagt die Mutter. „Vor allem wegen der Fahrerei.“ Schon für die Proben und die Auftritte im Gasteig haben die Leders eine Fahrgemeinschaft mit zwei Familien aus Hausham gebildet, man wechselt sich ab. Zwei Auftritte in Mittelfranken steuert das FLTB-Ensemble mit dem Bus an.

In der Schule hat Romy keine Probleme, die gegen ihr neues Hobby gesprochen hätten. Dass Romy den Vorstellungen gewachsen sein würde, daran hatte ihre Mutter kaum Zweifel. „Sie singt besser als ihre Mama“, versichert sie lachend. Von den Eltern habe Romy das musikalische Talent jedenfalls sicher nicht.

Mit ihrer Mama fuhr Romy Mitte Oktober zur ersten Probe mit Kinderauswahl in der Mehrzweckhalle in Sauerlach. Das Team des FLTB um Regisseur und Choreograf Michael Kitzeder ließ die Kinder tanzen und singen, um zu sehen, ob grundlegendes Talent für Gesang und Tanz und überhaupt Spaß daran da sind, ob sie fit genug sind, um die Proben durchzuhalten – oder ob die Kinder etwa zu aufgeregt sind, um den Schritt auf die große Bühne mit mehreren Hundert zahlenden Zuschauern zu gehen.

Bis zur Generalprobe in der Aula des Gymnasiums Miesbach standen für Romy und die anderen Kinder fünf Probentermine in Sauerlach auf dem Programm, jeweils fünf bis sechs Stunden Training, das auch körperlich fordert. „Nach der zweiten Probe hab’ ich Muskelkater gehabt“, erzählt Romy. Sie ist zwar ein sehr aktives Kind und springt besonders gern Trampolin. Aber sechs Stunden Tanzen machen sich dann doch in den Beinen bemerkbar.

Ein einziges Mal musste Mama Regina während der Proben ins Hausaufgabenheft schreiben, dass Romy sie zeitlich nicht geschafft hat und nachholt. „Ansonsten hat das sehr gut geklappt.“ Von der Mittagsbetreuung wurde Romy für die Proben abgemeldet. Die Vorstellungen sind ohnehin an Wochenenden.

Geht’s denn da recht streng zu beim Theater? „Nein, es sind alle sehr nett“, sagt Romy. „Nur die Mutter ist manchmal strenger. Aber das liegt daran, dass sie sich ja um alles kümmern muss.“ Mit Mutter meint Romy die Mutter von Hänsel und Gretel. Die Rolle übernimmt Elisabeth Neuhäusler, neben ihrem Mann Rudolf Maier-Kleeblatt, dem künstlerischen Leiter des FLTB, eine tragende Säule, ohne die es die Bühne in dieser Form wohl kaum gäbe. Die Sopranistin ist gewissermaßen auch die Mutter der Kompanie und ein Mädchen für alles, näht sogar aufwendige Hüte fürs Kostüm und kümmert sich um Requisiten. Dass sie auch mal streng sein muss, das versteht auch Romy mit acht Jahren schon – und auch, dass sie selbst sich auf der Bühne konzentrieren und dahinter gut benehmen muss. „Hinter der Bühne darf man nicht laut sein. Aber reden, das darf man schon.“

Zum Beispiel mit der Hexe – beziehungsweise dem, der drinsteckt im Kostüm: Andreas Haas. Auch er übernimmt, wie fast alle Profis beim Freien Landestheater, mehrere Rollen bei der Bühne. Bei „Hänsel und Gretel“ spielt er vor der Pause als Musiker im Orchester, die Pause verbringt er in der Maske, danach tritt er als Hexe auf und ab. Abseits der Bühne ist Haas geschäftsführender Intendant des FLTB und hat auch die beliebte Kinderreihe um Timmy und seine Reisen in die Welt der Klassik entwickelt.

Dass die böse Hexe im Ofen landet, findet Romy nicht schlimm, auch wenn’s ein bisschen gruselig ist: „Von hinter der Bühne sieht man, dass da eine Matratze liegt, damit sich die Hexe richtig schee neischmeißen kann.“ Auch Bariton Andreas Fimm, der Hänsels und Gretels Vater spielt, mag Romy sehr. „Er macht viel Gaudi mit uns hinter der Bühne“, lobt sie. Überhaupt gefällt ihr das Miteinander am besten, neben der Anerkennung beim Schlussapplaus: „Dass da so viele Kinder sind und sich alle helfen, finde ich toll.“

Von Katrin Hager

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