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Diesel statt Strom: Noch fährt die Oberlandbahn mit herkömmlichem Antrieb von und nach Bayrischzell (im Hintergrund der Wendelstein). Geht es nach dem Freistaat, soll die Strecke prioritär elektrifiziert werden. 

Initiative des Freistaats

Wann fährt die Oberlandbahn elektrisch?

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Der Freistaat treibt die Elektrifizierung von Bahnstrecken voran – und das Schienennetz im Oberland ist vorne mit dabei. Zudem soll hier eine neue Antriebstechnik erprobt werden.

Landkreis – „Bayerische Elektromobilitäts-Strategie Schiene zur Reduzierung des Dieselverkehrs im Bahnnetz in Bayern“ oder kurz „BESS“ – so heißt das Programm, das Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) gestern im Kabinett vorgestellt hat. Es sieht im Wesentlichen vor, die Dieselloks in den nächsten Jahren durch Schienenfahrzeuge mit alternativen Antrieben zu ersetzen und so die Feinstaubbelastung zu reduzieren. „Elektrisch angetriebene Züge sind umweltfreundlicher, leiser, leistungsfähiger, wartungsärmer und in der Summe deutlich günstiger als Dieselzüge“, sagt Hermann. Er schlägt deshalb vor, die wichtigsten Schienenpersonenverkehrs-Strecken möglichst rasch zu elektrifizieren. Investitionsbedarf: gut 600 Millionen Euro.

Bahnstrecken umfassen 84 Kilometer

Eine der sieben Bahnstrecken, die laut dem Papier dazugehören, ist das insgesamt 84 Kilometer umfassende Oberlandnetz mit den drei Teilstrecken Holzkirchen – Bayrischzell, Holzkirchen – Lenggries und Schaftlach – Tegernsee. Sollten vom Bund entsprechende Mittel kommen, wird die Elektrifizierung hier mit Priorität vorangetrieben. Wirtschaftsministerin und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner (CSU) setzt ihre Hoffnung deshalb auch auf die Koalitionsverhandlungen. Im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes sollen deutlich mehr Mittel einkalkuliert werden – eine Milliarde statt 330 Millionen Euro. Dennoch dämpft sie die Erwartungen: „Die Finanzierung hängt am Bund, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.“

Pilotzug kommt von Siemens

Die Staatsregierung setzt deshalb parallel auf die Erprobung innovativer Antriebskonzepte – und wird dies auch aus Landesmitteln finanzieren. Sieben Pilotprojekte sind geplant, eines davon wiederum im Oberland. Wie bereits berichtet, sollen hier Triebwagen der Firma Siemens getestet werden, die ihren Strom zwischen München und Holzkirchen aus der Oberleitung und zwischen Holzkirchen und dem Oberland aus Akkus beziehen. Ein derartiger Oberleitungs-/Batterie-Hybrid wird demnächst bereits auf einer Versuchsstrecke in Österreich fahren.

Züge sollen in Stammstreckentunnel fahren können

Zumindest fürs Oberland vom Tisch ist die sogenannte LOHC-Technologie. Die „Wasserstoffloks“ sollen nun zwischen Augsburg und Füssen oder rund um Eichstätt erprobt werden. „Dafür braucht es eine Strecke, die nicht so kompliziert ist“, sagt Aigner mit Blick auf die Verästelung im Oberland. Weiteres Argument für den Oberleitungs-/Batterie-Hybrid: Die Züge sollen später auch die Münchner Stammstrecke nutzen können.

Testphase auf fünf Jahre angelegt

Die Testphase ist laut der Wirtschaftsministerin auf fünf Jahre angelegt. Im Herbst hatte der Siemens-Konzern in Aussicht gestellt, dass er den Pilotzug schon 2018 aufs Gleis bringen könnte. „Es handelt sich um lediglich einen Zug, und er darf den regulären Fahrbetrieb nicht stören“, dämpft Aigner etwaige Erwartungen, dass die Diesel-Fahrzeuge der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) schon bald der Vergangenheit angehören könnten.

Zurückhaltung beim BOB-Chef

Ähnlich zurückhaltend zeigt sich BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. Er begrüßt zwar ausdrücklich die Elektrifizierungs-Offensive der Staatsregierung, rechnet aber damit, dass man fürs Oberland um ein Übergangskonzept mit neuen Dieselfahrzeugen nicht umhinkommen wird. Denn der Vertrag mit dem Konzern Transdev, dem die BOB gehört, läuft 2026 aus. Zu diesem Zeitpunkt sind auch neue Züge notwendig, die die alten Integrale ablösen. Bis dahin werden laut Rosenbusch wohl weder Elektrozüge zur Verfügung stehen, noch sei bis dahin mit einer Elektrifizierung zu rechnen.

Grüne im Landtag fordern Vorfinanzierung

Für die Grünen im Landtag ist nun Eigeninitiative gefragt. In einem Antrag fordern sie die Staatsregierung auf, die Vorplanungen für die Elektrifizierung der Oberlandstrecken im Vorgriff auf das angekündigte Elektrifizierungsprogramm des Bundes aus eigenen Mitteln zu finanzieren. „Die Dieselzüge der BOB sind am Ende ihrer Lebensdauer angekommen“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Markus Ganserer. „Hier braucht es eine schnelle Entscheidung, damit diese in den nächsten Jahren durch umweltfreundliche Elektrofahrzeuge ersetzt werden können.“

sh

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