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Ulrich Throner (54) ist Geschäftsführer des Arbeitskreis Schule-Wirtschaft.

Geschäftsführer des Arbeitskreis Schule-Wirtschaft im Interview

Initiative soll Mittelschule „ins rechte Licht rücken“

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200 unbesetzte Lehrstellen im Landkreis, sinkende Schülerzahlen in der Mittelschule: Ein gefährlicher Trend, finden die Mittelschulen im Landkreis. Deshalb starten sie nun eine gemeinsame Initiative.

Landkreis – 200 unbesetzte Lehrstellen im Landkreis, sinkende Schülerzahlen in der Mittelschule: Nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Politik hat verstanden, dass dieser Trend gefährlich ist. Das einstige Schreckgespenst namens Fachkräftemangel ist längst in vielen Betrieben an der Tagesordnung. Im Landkreis Miesbach haben sich nun die Mittelschulen in Rottach-Egern, Valley, Fischbachau, Hausham, Holzkirchen, Schliersee und Miesbach sowie das Staatliche Berufschulzentrum in der Kreisstadt zur Initiative „Die Mittelschule – mit Vollgas in die berufliche Karriere“ zusammengeschlossen. Die Auftaktveranstaltung findet am Montag, 3. April, ab 20 Uhr im Rottacher Seeforum statt. Wir haben mit dem Geschäftsführer des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft, Ulrich Throner (54), über die Gründe und Ziele gesprochen.

-Herr Throner, trotz zahlreicher Veranstaltungen zum Thema Ausbildung in den vergangenen Monaten hat sich der Lehrlingsmangel im Landkreis weiter verschärft. Ist die Initiative der Mittelschulen nur ein weiterer Tropfen auf den heißen Stein?

Throner: Das denke ich nicht. Anders als Aktionen wie die Woche der Ausbildung oder die Ausbildungstour zielen wir nicht auf die Berufswahl, sondern auf die Entscheidung für eine Schulform ab. Wir gehen also gewissermaßen einen Schritt zurück, um eine der Hauptursachen des Lehrlingsmangels zu bekämpfen: die sinkenden Schülerzahlen an den Mittelschulen.

-Wie lassen sich diese erklären?

Throner: Da muss man ein bisschen in der Zeit zurückgehen. Über Jahre hinweg wurde das Erreichen eines akademischen Titels als Königsweg der Bildung beworben. Die Politik hat das Bildungssystem immer hierarchisch gesehen. Das Gymnasium war an der Spitze, die Mittelschule weit unten. Diese Sichtweise hat sich dann auch in der Gesellschaft durchgesetzt. Aus heutiger Sicht ist dieses Bild aber längst veraltet.

-Inwiefern?

Throner: Man ist zur Überzeugung gelangt, dass alle Schulformen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Jeder Schüler soll sich nach seinen Vorlieben und Fähigkeiten für einen dieser Wege entscheiden können. Es dauert aber lang, bis das in den Köpfen aller Eltern angekommen ist. Deshalb haben sich alle Mittelschulen des Landkreises und ihre Gemeinden zu dieser Initiative entschlossen.

-Da dürfte aber die Auftaktveranstaltung alleine nicht ausreichen...

Throner: Dabei wird es ja nicht bleiben. Wir planen eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Angedacht ist, dass sich jede Mittelschule mit ihrem Schwerpunkt und ihren Stärken präsentiert. Mit Unterstützung von Firmen und Handwerksbetrieben wollen wir den jungen Leuten und ihren Eltern zeigen, dass ein Besuch der Mittelschule viele Optionen für den weiteren Bildungs- und Lebensweg bietet. Wer beispielsweise nicht sofort ins Berufsleben einsteigen will, kann auch die Mittlere Reife machen und an die Fachoberschule gehen.

-Andererseits kann aber auch ein Abiturient noch eine Berufsausbildung machen. Gerade dafür wurde ja zuletzt massiv geworben.

Throner: Das ist richtig. Und doch zeigt der immer noch akute Fachkräftemangel, dass nur wenige diesen Weg beschreiten wollen. Es ist ja auch verständlich: Wer die lange Schulzeit am Gymnasium hinter sich gebracht hat, will lieber an die Uni, anstatt sich mit meist wesentlich Jüngeren in die Berufsschule zu setzen. Auch prozentual gesehen ist es einfach nach wie vor so, dass die meisten Facharbeiter an der Mittelschule rekrutiert werden. Deshalb wollen wir diese Schulform wieder in das Licht rücken, das sie auch verdient hat.

Die Auftaktveranstaltung

zur Initiative findet am Montag, 3. April, um 20 Uhr im Seeforum in Rottach-Egern statt. Bei einer Podiumsdiskussion wird Schirmherrin und stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner mit Vertretern aus der Wirtschaft und ehemaligen Absolventen die Chancen der Mittelschule herausarbeiten.

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