Geschäftsführer Fabian Amini, BRB, Bayerische Regiobahn
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Optimistisch: Auch mit Lint-Zügen fuhr die BRB zunächst häufig mit Verspätungen los. Laut Geschäftsführer Fabian Amini müssen sich die Abläufe erst einspielen. Er ist sicher: Bald läuft die BRB nach Fahrplan.

„Die Taktung ist nicht in Gefahr“

BRB-Geschäftsführer Fabian Amini über den Start ins reine Lint-Zeitalter

  • Christian Masengarb
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Sechs Tage ist das Lint-Zeitalter der Bayerischen Regiobahn (BRB) alt. Im Gespräch erklärt Geschäftsführer Fabian Amini, warum es zum Start Verspätungen gab.

Landkreis – Sechs Tage ist das Lint-Zeitalter der Bayerischen Regiobahn (BRB) alt. Seit Sonntag fährt die Bahn im Landkreis ausschließlich mit den modernen Zügen. In unserem Gespräch erklärt Geschäftsführer Fabian Amini (44), warum es zum Start Verspätungen gab, wie die Bahn das Quietschen der Züge verringern will und warum sie für Rollstuhlfahrer weiter auf Einzellösungen setzt.

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BRB-Geschäftsführer Fabian Amini über den Start ins reine Lint-Zeitalter

Herr Amini, die BRB fährt nun nur noch mit neuen Lint-Zügen. Ist sie jetzt pünktlicher als die BOB?

Das ist unser Ziel. Wir sind mit dem Start zufrieden. Die Fahrzeuge sind deutlich ruhiger, die Klimaanlagen laufen stabil, das W-Lan funktioniert. Auch die technische Zuverlässigkeit hat deutlich zugenommen und wird drei bis viermal besser bleiben als mit den alten Fahrzeugen.

Trotzdem ging es mit einigen Verspätungen los. Ein Leser schreibt uns, der Stundentakt sei mit den neuen Zügen nicht zu halten, an Halbstundentakt sei nicht zu denken.

Es war wie ein kleiner Betriebsstart. Wir mussten die Werkstatt umstellen, brauchten neue Tankstellen, musste die Fahrzeugführer schulen. Wir haben die Züge vorher getestet, aber alle Probleme kann man nicht absehen. Das muss man im Betrieb erkennen und bei Bedarf nachbessern. Am Anfang sorgt das für Verzögerungen. Aber das haben wir bald im Griff. Die Taktung ist nicht in Gefahr. Wir fahren ja schon heute nahezu einen richtungsbezogenen Halbstundentakt.

Welche unvorhergesehenen Probleme gibt es?

Dies sind viele kleine betriebliche Themen, die wir jetzt versuchen, schnell zu lösen. Ein Beispiel: In Holzkirchen kuppeln wir die Fahrzeuge. Vom aufkuppelnden Fahrzeug können wir die Türen des gekuppelten Zuges aber nicht öffnen. Ein Softwareproblem. Die Funktion hätte im Juni zur Verfügung stehen sollen, fehlt aber noch im Programm. Dadurch dauert das Kuppeln länger und es gab Verzögerungen. Die Softwareänderung ist in Arbeit, dauert aber leider noch. Derzeit beschleunigen wir, wann immer möglich, den Vorgang mit zusätzlichem Personal, um die Verzögerungen zu reduzieren.

Was können Sie gegen das Quietschen der Züge tun, über das sich Anwohner beschwert hatten?

Das Quietschen im Gleisbogen ist in den meisten Fällen ein lösbares Problem. Oftmals müssen wir nur die Spurkranzschmierung nachjustieren. Es hängt aber auch vom Wetter ab: Bei trockenen Gleisen im Sommer klingen die Züge anders als im Herbst bei Nässe. Wenn wir detaillierte Meldungen bekommen, wann und wo es Probleme gibt, gehen wir dem sofort nach.

Wenn die neuen Fahrzeuge drei bis vier Mal zuverlässiger sind als die alten, werden Sie deswegen in Ihrem Werk in Lenggries Mechaniker entlassen?

Nein. Wir brauchen die Mechaniker und Elektriker dort nach wie vor. Sie werden zusätzliche Arbeiten durchführen, die wir bisher außer Haus vergeben haben. Schwere Instandhaltungen zum Beispiel, wie die Überarbeitung des Motors. Außerdem haben wir bald 31 statt 25 Fahrzeuge. Auch dadurch entsteht mehr Arbeit.

Stichwort W-Lan: Funktioniert das im Landkreis zuverlässig genug, um auf dem Weg zur Arbeit E-Mails zu schreiben? Das Mobilnetz hat Löcher.

Das W-Lan funktioniert gut und wir bekommen positive Rückmeldungen. Die Netzabdeckung auf unseren Strecken im Oberland liegt bei über 90 Prozent. Wir haben mehrere Netzanbieter und nutzen immer den, der gerade das beste Netz liefert. Außerdem haben wir die Antennen auf dem Zug. Das kann man nicht mit dem gewöhnlichen Handyempfang im Zug vergleichen. Damit kann man auf jeden Fall E-Mails verschicken und surfen.

Thema Infektionsschutz: Ein Leser war am Sonntagabend ab 18.52 Uhr im Zug aus Tegernsee. Seiner Meinung nach war dieser völlig überfüllt. Ist die BRB Corona-sicher?

Ja. Im ÖPNV ist der Mindestabstand nicht Pflicht, sondern Gebot, weil dies in den Hauptverkehrszeiten im gesamten ÖPNV nicht eingehalten werden kann. Rücken die Fahrgäste näher zusammen, ist das daher kein Regelverstoß. Sicher ist die BRB trotzdem. Fast alle halten sich an die Maskenpflicht. Die Klimaanlage bringt viel Frischluft ins Fahrzeug. Bei Halten öffnen wir immer alle Türen. Es ist also nicht so, dass viele Menschen über lange Zeit in einem geschlossenen, schlecht belüfteten Raum sitzen. Nach dem uns vorliegenden wissenschaftlichem Stand ist das Risiko der Ansteckung daher nicht überhöht.

Was können Sie für Rollstuhlfahrer tun? Sie hatten sich über den Spalt zum Bahnsteig beschwert.

Auch die Talent-Züge hatten den größeren Abstand, nur die Integrale waren näher an der Kante. Bei allen uns bekannten Modellen neuerer Bauart ist das so. Wir helfen Rollstuhlfahrern deswegen gern mit einer mobilen Rampe, wie bisher auch ohne Voranmeldung, aber wir freuen uns natürlich über jede Anmeldung bis zum Vortag, denn das erleichtert die Planung.

Ist eine automatische Lösung möglich? Zum Beispiel eine ausfahrende Plattform?

Das scheitert am Höhenunterschied. Im Oberland sind die Bahnsteige teils nur 20 Zentimeter über dem Gleis. In München sind es teils über 90. Eine Lösung für alle gibt es nicht. Deswegen nutzen wir die Rampe.

Was passiert mit den alten Zügen?

Wir sind gerade dabei, sie zu verkaufen. In flacherem Gelände, wo sie weniger beschleunigen und bremsen, niedrigere Höchstgeschwindigkeiten und einzeln fahren sowie nicht im Dauereinsatz stehen, haben sie durchaus eine Zukunft. Sie werden aber auch in Zukunft störanfälliger und wartungsintensiver als modernere Fahrzeuge bleiben.

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