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Hält nicht viel von Umfahrungen: Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne).

"Was den einen entlastet, belastet den anderen."

Interview: Landrat Rzehak hält wenig von Umfahrungen

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Landkreis - Landrat Wolfang Rzehak (Grüne) wünscht sich im Interview einen anderen Verkehrsminister und bezieht Stellung gegen Umfahrungen. Die seien oft nur ein "Placebo".

Noch ist der neue Bundesverkehrswegeplan (BVWP) nicht abgestimmt. Doch es ist fest damit zu rechnen, dass vier Straßenbau-Projekte im Landkreis höchste Priorität bekommen: Umfahrungen für Holzkirchen, Waakirchen und Gmund sowie eine Ertüchtigung des Autobahnzubringers bei Holzkirchen. Aber werden sie auch realisiert? Wir haben darüber mit Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) gesprochen.

Herr Rzehak, Hand aufs Herz: Was halten Sie von Umgehungsstraßen?

Rzehak: Grundsätzlich stehe ich dem Bau von Ortsumfahrungen sehr skeptisch gegenüber. Sie sollten das letzte Mittel sein. Denn klar ist: Was den einen entlastet, belastet den anderen. Oft dienen Umgehungsstraßen in der Diskussion nur als Placebo, wenn es um Verkehrskonzepte geht. Immer zu Wahlkampfzeiten wird das Thema aufgewärmt. Es wird heiß diskutiert, dann hört man länger nichts mehr davon. Ein klassischer Wiedergänger.

Die Bürgerbewegung Waakirchen will ein regionales Verkehrskonzept fürs Oberland. Sie auch?

Rzehak: Der BVWP soll ja eben ein solches Verkehrskonzept sein. Wie die Bürgerbewegung erwarte ich auch, dass er von Gutachten unterfüttert wird, bevor man den ersten Spatenstich anpeilt. Dazu gehören eine qualitative Analyse der Verkehrsströme und auch die Untersuchung der Wechselwirkungen der einzelnen Straßen. Brauchen wir die Waakirchner Umfahrung noch, wenn wir die in Holzkirchen haben? Und wo darf man mit Rücksicht auf den Landschaftsschutz überhaupt bauen? Diese Gutachten erstellen zu lassen, sehe ich als Aufgabe des Bundes.

Aber laut BVWP sollen drei Umgehungsstraßen im Landkreis gebaut werden.

Rzehak: Das steht vielleicht im Plan, aber das heißt nicht, es passiert auch. Der BVWP ist vielfach überzeichnet. Schon aus finanziellen Gründen können längst nicht alle Projekte, die dort enthalten sind, realisiert werden. Ganz wichtig ist auch: Ein Projekt ist von der großen Mehrheit der Bevölkerung gewollt. Eine Entscheidung von 55:45 Prozent reicht nicht. Wenn der Minister bei der Einweihung das Band der teuer gebauten neuen Straße durchschneidet, dann möchte er Schulterklopfen und keine Gegendemonstranten.

Dann sieht es für die Umgehungen von Holzkirchen, Waakirchen und Gmund aber schlecht aus.

Rzehak: Gmund ist ein gutes Beispiel. Eine Strecke für 45 Millionen Euro, mit Untertunnelung, die mitten durch die Felder führt. Da ist doch der halbe Ort dagegen. Ich kenne die Staus am Gmunder Berg, ich wohne selbst dort. Aber wenn die Autos da nicht mehr fahren würden, gäbe es trotzdem einen Aufschrei der Geschäftsleute – niemand fährt mehr durchs jetzt schon schwächelnde Zentrum. Auch in Holzkirchen und Waakirchen gibt es viele Umfahrungs-Gegner, das zeigt sich schon jetzt sehr deutlich.

Von den vier Kreis-Projekten bliebe dann nur die Ertüchtigung des Holzkirchner Autobahnzubringers übrig.

Rzehak: Das könnte gut sein. Aber das soll eben nicht heißen, dass das Thema Verkehr dann vom Tisch ist. Der ist wirklich ein Problem. Deshalb liegt es mir ja auch so sehr am Herzen, dass die Oberlandbahn einen Halbstundentakt bekommt. Innenminister Herrmann hat dem jetzt eine ungewöhnlich deutliche Absage erteilt, dies kann so nicht stehen bleiben. Ich will politisch Druck machen und bitte auch unsere Abgeordneten, Ilse Aigner für den Landtag und Alexander Radwan für den Bundestag, um ihre Unterstützung. Wenn trotzdem gar nichts geht, wird das sicher ein Thema für den Wahlkampf. Dabei möchte ich eigentlich nicht parteipolitisch, sondern rein sachorientiert arbeiten. Aber vielleicht brauchen wir tatsächlich einfach einen anderen Verkehrsminister.

jm

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