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„Es ist Irrsinn, Milch durch Palmöl zu ersetzen“

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Von: Dieter Dorby

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Im Sommer 2019 ist der Kilopreis für Ölpalmenfrüchte von zehn auf 4,5 Cent gefallen.
Im Sommer 2019 ist der Kilopreis für Ölpalmenfrüchte von zehn auf 4,5 Cent gefallen. © dpa / Zikri Maulana

Wenn es um Umweltschutz und nachhaltiges Handeln geht, steht Palmöl schon seit Langem in der Kritik.

Für den Anbau des billigen Rohstoffs wird vor allem in Malaysia und Indonesien immer mehr Urwald gerodet, der wiederum für das Weltklima eine wichtige Rolle spielt. Auch in der Landwirtschaft wird Palmöl verwendet, wie Markus Seemüller im Bayerischen Fernsehen kritisiert. Wir befragten den Bio-Landwirt und Stadtrat aus Miesbach in seiner Funktion als Geschäftsführer der Bayern Milcherzeugergemeinschaft, welche Alternativen es zum Palmöl gibt.

Herr Seemüller, Sie kritisieren im BR Palmöl in der Landwirtschaft. Wo wird es denn eingesetzt?

Es wird als sogenannter Milchaustauscher verwendet. Kälber werden die ersten drei Lebenstage noch mit Muttermilch gestillt. Danach wird vor allem in Betrieben, die auf Bullenmast spezialisiert sind, auf Milchaustauscher umgestellt. Der Fettanteil in diesem Ersatz wird größtenteils aus Palmöl und auch Kokosöl gewonnen. Angerührt wird das Futtermittel aus Pulver mit warmem Wasser.

Richtungswechsel nach der BSE-Krise

Wieso wird nun Kritik laut? Wurde so nicht schon immer verfahren?

Markus Seemüller, Bio-Landwirt und Geschäftsführer der Bayern Milcherzeugergemeinschaft.
Markus Seemüller, Bio-Landwirt und Geschäftsführer der Bayern Milcherzeugergemeinschaft. © MM

Nein, früher wurde der Fettanteil aus Schlachtabfällen gewonnen. Doch dann kam die BSE-Krise und in der Folge das Verbot, tierische Fette zu verfüttern. Als Ersatzstoff blieben damit nur pflanzliche Fette wie das Palmöl. Jetzt wären mittlerweile tierische Fette mit Ausnahme von Gefahrmaterial wie Hirn und Rückenmark sogar wieder zulässig, aber die Futtermittelindustrie will beim billigen Palmöl bleiben.

In welchem Maß wird Palmöl als Milchaustauscher verwendet? Gibt es dazu Zahlen?

Für das Jahr 2015 lag der Bedarf an pflanzlichem Fett für die Herstellung von Milchaustauschern in der gesamten EU bei etwa 200 000 Tonnen. Im selben Jahr wurden in der EU insgesamt etwa 1,2 Millionen Tonnen an Milchaustauscher hergestellt. Genau genommen ist das Irrsinn. Man bräuchte ja nur ganz normale Milch zufüttern, statt Ersatzstoffen die Feuchtigkeit zu entziehen und wertvolle Urwälder abzuholzen. Aber genau das macht das Palmöl ja so billig.

Milch würde als Alternative einige Probleme lösen

Weil die Schäden für Umwelt und Klima nicht berücksichtigt werden?

Genau. Würde man das miteinbeziehen, wäre Palmöl nicht mehr billig.

Lässt sich in Deutschland etwas ändern?

Kaum, angesichts der Globalisierung in der Landwirtschaft. Die EU bestimmt, und wir brauchen daher eine EU-weite Regelung – sonst werden deutsche Bauern einseitig belastet. Andererseits wäre die Auswirkung auf den Milchmarkt bei entsprechenden Regelungen richtig gut: Die Nachfrage würde steigen und so die Lage entspannen. Aber das müssten Politik und Verbände auch wollen.

ddy

Der Beitrag

„In der Kritik: Palmöl in Futter- und Lebensmitteln“ wurde am Freitag, 10. Januar 2020, ab 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen in der Sendung „Unser Land“ ausgestrahlt und kann noch in der Mediathek angesehen werden.

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