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Teures Bauprojekt: Facharchitekten sollen nun klären, wie sich Kinderbetreuung und Museum im maroden Mittelbau verwirklichen lassen.

Interview mit Miesbachs Bürgermeisterin über die Zukunft des Klosters

Es wird schon über Alternativen fürs Museum nachgedacht

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Das geplante Museum im Miesbacher Kloster hat Konkurrenz bekommen. Auf Beschluss des Stadtrats wird nun geprüft, ob und mit welchem Aufwand der zu renovierende Mittelteil des alten Gebäudes auch für die Erweiterung der benachbarten Kinderkrippe umgebaut werden kann.

Wir fragten Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU), was dieser Beschluss für das Museum bedeutet.

Frau Pongratz, will die Stadt noch ein Museum?

Das ist eine Entscheidung des Stadtrats. Ein Teil ist für das Museum, ein anderer fragt sich: Bringt ein Museum wirklich die in der Machbarkeitsstudie prognostizierten 10 000 Besucher pro Jahr? Wie viele Wechselausstellungen müssen wir anbieten, um so attraktiv zu sein, damit wir das erreichen? Und das Wichtigste: Können wir die Kosten stemmen?

Von welchen Kosten gehen Sie denn beim Museum aus?

Der Umbau wird mit drei bis vier Millionen Euro veranschlagt. Am meisten schrecken die Kritiker aber vor den laufenden Kosten zurück. Und die liegen bei 115 000 bis 150 000 Euro. Jährlich. Und man darf nicht vergessen: Es handelt sich hierbei um eine freiwillige Aufgabe, keine Pflichtaufgabe.

Der Museumsverein hat ja beantragt, einen Teil des Gebäudes bereits jetzt als Vereinsheim nutzen zu dürfen. Der Vorstoß wurde zurückgestellt. Warum?

Weil wir den Mittelteil jetzt von Facharchitekten untersuchen lassen – und zwar nicht nur im Hinblick auf eine Nutzung als Kinderkrippe, sondern auch als Museum. Das Vereinsheim soll ja ebenfalls eine gewisse öffentliche Nutzung ermöglichen, doch selbst im geringen Umfang muss man Vorgaben wie den Brandschutz und sanitäre Einrichtungen beachten. Wir wollen nun klären, welche Anforderungen jeweils zu erfüllen sind. Denn eines ist klar: Niemand hat dafür Verständnis, wenn wir einen mehrstelligen Betrag in eine Ertüchtigung als Vereinsheim investieren und dann doch für eine Krippe umbauen.

Es wird also parallel auch mit Blick auf die beantragte Nutzung als Vereinsheim hin untersucht?

Ja, und das wird auch eine Grundlage sein für weitere Entscheidungen.

Hand aufs Herz: Sie scheuen diese Baumaßnahmen im Kloster, oder?

Ja, weil man bei dieser Bausubstanz nie weiß, was herauskommt. Diese Erfahrung haben wir im benachbarten Teil gemacht, in dem heute die Krippe untergebracht ist. Diese ist deshalb deutlich teurer geworden, und das wird beim Mittelteil wohl nicht anders werden. Doch dafür wird es Zuschüsse geben.

Wie sieht es bei staatlichen Fördermitteln aus?

Eine Kindertagesstätte wird deutlich besser gefördert. Der Finanzausgleich würde 50 Prozent der Neubaukosten abdecken. Und dann kämen noch 35 Prozent über das Investitionsprogramm des Bayerischen Sozialministeriums hinzu. Hohe Förderungen sind ein großer Anreiz, zu sanieren, wie sich am Wieser Gemeindehaus zeigt, in das ab Ende Januar anerkannte Asylbewerber einziehen sollen. Dessen Renovierung kostet die Stadt 267.000 Euro. Energetisch ist das Gebäude nun auf einem hervorragenden Stand. Ohne die staatliche Förderung hätte die Stadt 800.000 Euro bezahlt.

Wie viel wird bei einem Museum gefördert?

Deutlich weniger, vielleicht an die zehn Prozent. Die Städtebauförderung sieht das Projekt kritisch. Die Höhe der zu erwartenden Umbaukosten ist noch offen, weil konkrete Zahlen fehlen. Deshalb ist die beschlossene Prüfung so wichtig. Klar ist: Der Umbau wird zwischen drei und vier Millionen Euro kosten – egal, ob es ein Museum oder eine Kinderkrippe wird. Aber mit einer Förderung von etwa 60 Prozent für Kinderbetreuungsplätze sieht das anders aus. Aber es geht nicht nur ums Geld. Man muss auch prüfen, ob die Raumsituation eine Krippe zulässt.

Stellen wir uns vor, das Museum hat im Kloster das Nachsehen. Wie könnte es dann weitergehen?

Es gibt verschiedene Ideen. Derzeit ist fast der gesamte Bestand im zweiten Obergeschoß des Feuerwehrhauses untergebracht, kann aber aus Platzgründen nicht mehr öffentlich gezeigt werden. Denkbar wäre es, ein weiteres Geschoß in Leichtbauweise inklusive Außenaufzug zu errichten, um ein ordentliches Depot mit Schauräumen zu schaffen, das der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Wäre eine Nutzung der Gewölbe des Waitzinger Kellers eine Alternative? Thematisch würde das doch gut passen.

Dauerausstellungen im Gewölbe wären aus klimatischen Gründen problematisch und würden auch das Konzept des Waitzinger Kellers mit „Stilvoll feiern – erfolgreich tagen – Kultur hautnah erleben“ zu Fall bringen, weil mehr als 400 Quadratmeter Nutzfläche dauerhaft fehlen. Wechselausstellungen sind aber möglich.

Wird das Kloster nur mit Blick auf eine Krippe hin untersucht?

Nein, ein Kinderhort und die Mittagsbetreuung sind auch ein Thema. Wir wollen das Ganze im Blick behalten. Unsere Kinderbetreuung ist derzeit abgedeckt. Aber wenn plötzlich Plätze fehlen, ändert sich schnell der Blickwinkel.

ddy

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