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Gerd Dirnberger von den Miesbacher Heimatfreunden sucht ein Foto eines alten Gaskessels.

„Auch das ist ein Teil der Stadtgeschichte“, sagt Gerd Dirnberger.

Interview: Warum die Heimatfreunde ein Foto eines Gaskessels suchen

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Die Miesbacher Heimatfreunde suchen einen alten Gaskessel - oder besser: ein Foto davon. Denn der Eisenkoloss wurde in den 1960er-Jahren abgerissen, wie Gerd Dirnberger erklärt.

Miesbach – Ob Marterl oder Denkmal: Die Miesbacher Heimatfreunde haben schon etliche geschichtsträchtige Orte in der Kreisstadt erforscht und dokumentiert. An einem etwas ungewöhnlichen Objekt beißen sie sich jedoch bis heute die Zähne aus: dem alten Gaskessel, der wohl bis in die 1960er-Jahre hinein das Landschaftsbild in der Haidmühl geprägt hat. Weil der Eisenkoloss vor langer Zeit abgebaut wurde, suchen die Heimatfreunde nun ein Bild davon. Ein kompliziertes Unterfangen, wie Mitglied und „Kümmerer“ Gerd Dirnberger (72) im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt.

-Herr Dirnberger, wie kommt man darauf, ein Foto von einem alten Gaskessel zu suchen? Es gibt doch sicher schönere historische Ansichten von Miesbach.

Dirnberger: Nun ja, auch ein Industriebauwerk gehört zur Stadtgeschichte dazu. Als Heimatfreunde ist es unser Ziel, von jedem Teil Miesbachs altes Bildmaterial zusammenzutragen. Hierfür arbeiten wir auch eng mit dem Stadtarchiv zusammen. Die Haidmühl ist aber für uns noch ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte. Dabei war der Gaskessel circa 80 bis 100 Jahre lang ein wichtiger Teil der Versorgung der Kreisstadt – und ein prägendes Objekt in diesem Viertel.

-Dann dürfte es doch eigentlich auch ein Foto davon geben, oder?

Dirnberger: Darauf hoffe ich zumindest. Mir ist aber auch bewusst, dass der schwarze Koloss sicher kein begehrtes Motiv war. Noch dazu in einer Zeit, in der man sowieso noch nicht viel fotografiert hat. Allerdings war der Bereich zwischen der Haidmühl und der heutigen Birkenstraße damals noch unbewohnt und deshalb vor allem bei Spaziergängern beliebt. Vielleicht hat ja doch jemand eine Landschaftsaufnahme gemacht und dabei den Gaskessel quasi zufällig mit abgelichtet.

-Was wissen Sie denn von der Geschichte des Bauwerks?

Dirnberger: Es war ein so genannter Tauchglocken-Gaskessel. Ein schwarzer Eisentank mit einem Durchmesser von acht und einer Höhe von rund zwölf Metern. Er wurde von einem Schienengestell gehalten und man konnte über eine Außentreppe zu einem Steg gelangen, der rundherum führte. Betrieben wurde der Kessel vom Gaswerk Hausham, das damals zur Gasanstalt-Betriebsgesellschaft Bad Oeynhausen gehörte und noch selbst Gas produzierte. Weil die Pechkohle aus dem Bergwerk nicht für die Gaserzeugung geeignet war, hat man hochwertige Anthrazitkohle aus dem Ruhrgebiet importiert.

-Und wofür war der Kessel da?

Dirnberger: Er war eine Art Pufferspeicher, um Verbrauchsspitzen im Netz abfangen zu können. Als Miesbach dann ums Jahr 1960 an das Ferngasnetz in Irschenberg angeschlossen wurde, hat man das anders gelöst. Da hat man diesen Gaskessel nicht mehr gebraucht.

-Das heißt, er wurde verschrottet?

Dirnberger: Davon ist auszugehen. Ich denke aber, dass man das Eisen zu anderen Zwecken weiterverwendet hat. Bis 1964 habe ich selbst im Gaswerk gearbeitet. Meine Nachfrage beim damaligen Betriebsleiter Helmut Bauer hat ergeben, dass der Abbau 1965 oder 1966 erfolgt sein muss.

Hinweise

auf historische Fotos vom Gaskessel in der Haidmühl nehmen die Heimatfreunde Miesbach per E-Mail an g.dirnberger@online.de oder unter 01 76 / 39 76 68 09 entgegen.

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