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Interview: Wie dieser Miesbacher WM-Fan Russland und das Deutschland-Aus erlebt

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Von: Alexandra Korimorth

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Hat Spaß: Martin Reents vor dem Kreml.
Hat Spaß: Martin Reents vor dem Kreml. © Reents

Als ausgewiesener Superfan reiste der Miesbacher Martin Reents zur Fußball-WM in Russland, als „zurückgetretener Superfan“ kam er nun zurück.

Miesbach – Noch im Flieger sitzend, berichtete der 52-jährige Internet-Unternehmer von seinen Erfahrungen.

Warum sind Sie nach Russland geflogen?

Reents: Ich wollte einmal im Leben eine Olympiade oder eine Weltmeisterschaft erleben. Vor einem Jahr habe ich mich spontan an der „Ticket-Lotterie“ beteiligt und prompt sieben Tickets zugeteilt bekommen.

Wie haben Sie die WM dort erlebt?

Reents: Fußballerisch bescheiden. Aber Russland und die Russen – ich bin total begeistert. So ging es allen Fans, die ich getroffen habe. Eine Welle der Offenheit ist durch das Land geschwappt, und die Russen haben das aufgenommen. Nie aufdringlich, immer freundlich. Tolle Gastgeber.

Und das Aus für Deutschland?

Reents: Es war unfassbar, weil man es sich nicht vorstellen konnte. Der Abend war als große Feier geplant und ging dann satt in die Hose. Am Morgen danach bin ich um 4.30 Uhr zum Flughafen gefahren und nachmittags in Deutschland gelandet. Vier Tickets inklusive Finale habe ich übrig. Mal schauen, was ich damit mache. Nach 24 Stunden denke ich fast: Ich fliege noch mal hin. Es ist ein tolles Land und die WM der beste Weg, Menschen kennenzulernen.

Wie waren die Fans?

Reents: Die mexikanischen Weltklasse. Sie haben Moskau verzaubert. Die Schweden waren nicht viele, brachten aber eine Superstimmung mit. Bei den Russen selbst ist der Fußball noch nicht richtig angekommen. Die WM ist ein bisschen ein russisches Sommermärchen, wegen der vielen Gäste, die eine wunderbare Vielfalt mitbringen. Die deutschen Fans waren eher zurückhaltend, was irgendwie zu den Russen passte. Merkwürdig war deren Beziehung zur Mannschaft. Es gab so gut wie keine Berührung. In Watutinki lebte das Team hinter einem sechs Kilometer langen Schutzzaun. Drinnen muss purer Lagerkoller geherrscht haben. In Kasan standen zwar 50 bis 100 Fans vor dem Hotel, aber das waren vor allem Süd-Koreaner im Deutschland-Trikot, die Autogramme von Hummels und Reus wollten.

Wie fanden Sie die Organisation?

Reents: Super. Durch die Fan-ID ist das Reisen sehr leicht. Der Verkehr ist perfekt. Viele Fans nutzen die kostenlosen Züge zwischen den Spielstätten, darüber habe ich nur gutes gehört. Und weil soziale Medien einen großen Raum einnehmen, kann man sehr leicht kommunizieren. Die WM ist politisch sicher reine Putin-Propaganda. Aber sie hat auch diese andere Seite: Menschen aus vielen Ländern bringen eine Offenheit ins Land, die sich nicht vor den Russen verstecken lässt. Ein wenig hoffe ich, dass sich diese Uhr in Russland nicht wieder zurückdrehen lässt.

ak

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