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Hat den Pfarrkindergarten geprägt: Sibilla Lorscheid.

Sie war die Nachfolgerin der beliebten Schwester Helga

„Irgendwann muss gut sein“: Kindergartenleiterin Sibilla Lorscheid geht in Rente

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Sie folgte 2002 auf die allseits beliebte Schwester Helga. Jetzt geht auch Sibilla Lorscheid als Leiterin des Miesbacher Pfarrkindergartens in den Ruhestand. Wir haben Sie befragt.

Miesbach – Die Ordensfrauen und der Miesbacher Pfarrkindergarten: Jahrzehntelang war diese Kombination ein Erfolgsmodell. Nach dem Ruhestand der langjährigen Leiterin Schwester Helga 2002 übernahm mit Sibilla Lorscheid zum ersten Mal seit 1915 wieder eine Nicht-Ordensfrau die langfristige Leitung des Kindergartens an der Kolpingstraße. Ende August hat nun auch die 65-jährige Miesbacherin das Rentenalter erreicht. Im Interview blickt sie zurück.

-Frau Lorscheid, wie schwer war es, die Nachfolge der beliebten Schwester Helga anzutreten?

Sibilla Lorscheid: Dass ich ihre Fußstapfen nie ganz ausfüllen werde, war klar. Schwester Helga ist ja viel größer als ich (lacht). Aber auch sonst musste ich mich erst in meine Rolle einfinden. Schwester Helga war sehr angesehen. Das weiß ich, weil ich elf Jahre mit ihr gut und gerne zusammengearbeitet habe. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Respekt, den ihr die türkischen Eltern entgegengebracht haben. Das lag wohl auch an ihrer Ordenstracht. So kam es, dass ausgerechnet der katholische Kindergarten die Einrichtung mit dem höchsten Anteil ausländischer Kinder in der Stadt war.

-Dennoch gibt es bis heute kein Lichterfest oder Halloween bei Ihnen...

Sibilla Lorscheid: Nein. Wir orientieren unser Jahresprogramm nach wie vor an den kirchlichen Festtagen. Wir leben den christlichen Glauben und zeigen ihn den Kindern, aber wir missionieren nicht. Das habe ich den Eltern bei der Anmeldung auch immer klar gesagt.

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-Wie sind die Reaktionen ausgefallen?

Sibilla Lorscheid: In den allermeisten Fällen positiv, und das eigentlich schon immer. Wenn wir einen Wortgottesdienst feiern, gehen auch unsere muslimischen Kinder mit. Früher haben ihre Mütter draußen gewartet, heute sitzen sie mit Kopftuch in der Kirche. Diese Offenheit beobachte ich auch bei unseren Flüchtlingen. Mittlerweile bin ich sogar Taufpatin für einen Buben aus dem Kongo.

-Hat sich damit das pädagogische Konzept des Kindergartens verändert?

Sibilla Lorscheid: Natürlich hat es das. Aber das hat nichts mit unseren ausländischen Kindern zu tun, sondern mit einer anderen Erwartungshaltung der Eltern. Als ich als Erzieherin angefangen habe, war es unsere Aufgabe, zu beschäftigen und zu unterhalten. Heute sollen wir fördern und viel stärker pädagogisch tätig sein. Das ist auch nachvollziehbar, weil manche Kinder den ganzen Tag bei uns sind. Damit sie dann nicht abends noch in die Turn- oder Musikstunde gehen müssen, haben wir entsprechende Angebote geschaffen.

-Werden die Kinder damit nicht überfordert?

Sibilla Lorscheid: Wir achten darauf, dass das nicht passiert. Entscheidend ist, was bei den Kindern hängen bleibt. Ich halte es beispielsweise nicht für zielführend, mit ihnen über Südamerika zu sprechen, bevor sie nicht die Welt vor ihrer Haustür kennengelernt haben. Die ist ihnen viel näher und leichter fassbar. Auch von den Englisch-Kursen haben wir uns verabschiedet. Die Eltern haben eingesehen, dass ihre Kinder dadurch keinen Vorteil in der Schule haben. Es gibt aber natürlich auch Projekte, die sich absolut bewährt haben.

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-Zum Beispiel?

Sibilla Lorscheid: Unser Naturspielgarten, den wir 2008 eröffnet haben. Das war ein großer Schritt, und er freut mich noch heute jeden Tag. Auch, weil wir dabei die Kinder und ihre Eltern von Anfang an miteinbezogen haben. Der Garten ist ein Beispiel, wie wir die Bedeutung der Natur vermitteln. Ein Wert, der übrigens auch fest im christlichen Glauben verankert ist.

-Trotzdem machen Vorschriften und Dokumentationspflichten auch vor Ihrer Einrichtung nicht halt. Wie gehen Sie damit um?

Sibilla Lorscheid: Was die Einrichtung betrifft, haben wir mit der energetischen Renovierung 2010 und 2011 einen großen Schritt gemacht. Seitdem haben wir auch eine Krippengruppe, die gut angenommen wird. Was meinen Alltag anbelangt, wäre es mir manchmal lieber gewesen, ich wäre für meine Leitungsaufgaben freigestellt worden. Die Aufgaben in der Gruppe und im Büro sind einfach total unterschiedliche Welten. Man wird immer aus seiner Konzentration herausgerissen. Entweder, weil das Telefon klingelt, oder weil es an der Tür klopft. Dennoch habe ich meine Arbeit sehr gern gemacht.

-Gehen Sie nun mit Wehmut in den Ruhestand?

Sibilla Lorscheid: Ich zitiere da mal meinen kleinen Enkel: Irgendwann muss gut sein. Mich freut es sehr, dass mit meiner Stellvertreterin Manuela Kalac jemand aus den eigenen Reihen meine Nachfolge antritt. Was mich anbelangt, wird mein Herz immer mit dem Pfarrkindergarten verbunden bleiben. Als Rheinländerin halte ich es so: Irgendwas von einem bleibt immer da. Das war bei Schwester Helga nicht anders.

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