Impfzentrum
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Viele Fragen rund um das Thema Corona-Schutzimpfung: Bei unserer Telefonsprechstunde standen mit Beate Faus und Dr. Thomas Straßmüller die beiden Leiter des Impfzentrums unseren Lesern Rede und Antwort.

Die große Corona-Telefonaktion - Teil 3

Jetzt für Sie zum Nachlesen: Das antworten unsere Experten auf die Fragen unserer Leser zur Corona-Impfung

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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  • Dieter Dorby
    Dieter Dorby
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Landkreis – Rund ums Impfen gibt es viele Fragen. Am Infotelefon unserer Zeitung haben die beiden Leiter des Impfzentrums in Hausham, Juristin Beate Faus und Dr. Thomas Straßmüller, die Fragen unserer Leser rund ums Thema beantwortet.

Wie lange ist das Impfzentrum in Hausham geöffnet?

Beate Faus: Voraussichtlich bis 30. Juni, vielleicht auch bis Ende des Jahres. Das ist derzeit schwer zu planen, weil es darauf ankommt, wie zügig geimpft werden kann. Ziel ist es mittelfristig, dass die Hausärzte die Impfungen vornehmen.

Vor drei Wochen habe ich mich online für eine Impfung angemeldet. Obwohl ich über 80 Jahre alt bin, habe ich noch keinen Termin bekommen. Wie lange muss ich noch warten?

Dr. Thomas Straßmüller: Nicht mehr lange. Eine genaue Aussage können wir leider nicht treffen, weil die Auswahl über ein Computersystem erfolgt. Aktuell haben wir zirka 2600 von rund 7500 Personen aus Ihrer am höchsten priorisierten Altersgruppe geimpft. Je nachdem, wie viel Impfstoff wir bekommen, gehe ich davon aus, dass Sie in den kommenden vier Wochen eingeladen werden.

Lesen Sie auch Teil 1 unserer Telefonsprechstunde

Ich kann mich wegen einer Therapie nur im Juni oder Dezember impfen lassen. Wie komme ich an einen passenden Termin?

Faus: Sie lassen sich umgehend registrieren und ignorieren die Termine so lange, bis einer kommt, der für Sie passt.

Ich mache gerade eine Hyposensibilisierungstherapie. Mein Allergologe hat mir geraten, mich erst 14 Tage nach Erhalt einer solchen Spritze impfen zu lassen. Wenn ich vorher einen Impftermin bekomme und ihn dann ablehnen muss: Muss ich mich dann ganz hinten einreihen?

Juristin Beate Faus.

Faus: Wenn Sie einen Impftermin ablehnen oder verstreichen lassen, rutscht ein anderer auf der Warteliste nach. Sie bekommen dann über die zentrale Computersoftware neue Termine angeboten. Sie werden aber nicht bestraft, dass Sie einen Termin nicht annehmen konnten oder wollten

Dr. Straßmüller: Genau, Sie brauchen keine Angst zu haben. Wenn Sie den vorgeschlagenen Termin nicht bestätigen, bekommen Sie zeitnah einen neuen vorgeschlagen.

Lesen Sie auch Teil 2 unserer Telefonsprechstunde

Meine Frau hat ihre erste Impfung bereits erhalten, musste dann aber wegen einer anderen Sache ins Krankenhaus. Jetzt kann Sie ihren zweiten Impftermin wohl nicht wahrnehmen. Was sollen wir tun?

Dr. Straßmüller: In Ihrem Fall ist es am besten, wenn Sie sich telefonisch an die Impf-Hotline des Landkreises wenden. Die Kollegen werden dann gemeinsam mit Ihnen einen Ersatztermin suchen. Sie können auch eine E-Mail an das Impfzentrum schreiben mit Alternativangeboten, wann Sie können. Dann wird Ihnen bestimmt geholfen werden. Das ist aber wirklich für den Notfall gedacht, wenn es gar nicht anders geht.

Wie viel Vorlauf habe ich zwischen Einladung und Impfung? Weil ich nicht mehr so mobil bin, kann ich nicht spontan ins Impfzentrum kommen.

Dr. Straßmüller: Sie bekommen insgesamt mehrere Termine zur Auswahl. Da wir aber nur Termine eine Woche im Voraus vergeben können, weil nur für diese Woche die Liefermengen feststehen, können wir nur eine Woche im Voraus planen. Im Normalfall haben Sie mindestens zwei Tage Zeit.

Vorzug bei Vorerkrankungen?

Ich bin über 80 und habe Vorerkrankungen. Komme ich damit früher dran?

Faus: Nein. Sie haben bereits die höchste Priorisierung. Innerhalb dieser Gruppe wird nicht weiter nach Vorerkrankungen eingeteilt, sondern nach dem Alter priorisiert, wie es die gültige Corona-Impfverordnung vorsieht. Wir haben jetzt die Über-90-Jährigen durchgeimpft. Im Moment sind die Mitte-80-Jährigen dran. Mit allen über 80 Jahre sollten wir bis Ende März durch sein.

Lesen Sie auch Teil 4 unserer Telefonsprechstunde

Ich bin unter 65 Jahre alt und habe Krebs. Kann ich in Gruppe 1 kommen?

Faus: Leider nicht. Das System sieht für die Gruppe 1 Menschen ab 80 Jahre vor, weil sich herausgestellt hat, dass das Alter das wichtigste Kriterium ist. Mit schweren Vorerkrankungen kommt man in Gruppe 2. Diese Einordnung wird zentral über das Computersystem vorgenommen. Darauf haben wir vor Ort keinen Einfluss. Die Ausnahme ist gegeben, wenn Sie in einer teil-/stationären Einrichtung behandelt, betreut oder gepflegt werden.

Schwere Krankheit, aber keine Priorisierung?

Ich habe eine schwere Krankheit, die nicht in der Liste der Vorerkrankungen zu finden ist. Wie bekomme ich trotzdem eine frühere Priorisierung?

Faus: Für solche Fälle wurde nun auf Landesebene eine zentrale Impfkommission eingerichtet, die solche Härtefälle bewertet. Das Problem ist, dass sie gerade erst am Donnerstag gegründet wurde. Sie wird ab 1. März ihre Arbeit aufnehmen. Die Kontaktdaten sind: Geschäftsstelle der Bayerischen Impfkommission, Marchionistraße 15, 81377 München; E-Mail: antrag @impfkommission.bayern; www.impfkommission.bay ern.

In vier Wochen bekomme ich meine vierte Herzoperation. Weil ich aber erst 39 Jahre alt bin, muss ich noch länger auf eine Impfung warten. Gibt es wirklich keine Chance, dass man doch früher drankommt?

Mediziner Dr. Thomas Straßmüller.

Dr. Straßmüller: Ich will ganz offen sein: Ich bin nicht in allen Punkten mit den Vorgaben der Ständigen Impfkommission einverstanden. Leider haben wir vor Ort aber keine Möglichkeit, Ausnahmen zu machen. Die Bundesregierung möchte vermeiden, dass die Landkreise unterschiedliche Entscheidungen treffen und sich damit juristisch angreifbar machen. Ich kann Ihnen daher nur raten, sich an die neu geschaffene Impfkommission zu wenden.

Als halbseitig gelähmter Rollstuhlfahrer bin ich zu 100 Prozent schwer behindert und pflegebedürftig. Trotzdem komme ich, weil ich Mitte 70 bin, noch nicht an eine Impfung. Ist das nicht ungerecht?

Dr. Straßmüller: Das ist keine Frage an mich, sondern an die Ständige Impfkommission und die Bundesregierung. Ich bin voll bei Ihnen, dass Sie schlechter gestellt sind – und das in zweierlei Hinsicht: Sie sind unter 80 und fallen nicht in die Priorisierungsgruppe 1. Und Sie sind mit über 65 zu alt, um den Impfstoff von Astrazeneca zu erhalten. Das heißt, dass Sie warten müssen, bis die mRNA-Impfstoffe ausreichend bereitstehen. Ich empfehle Ihnen, sich an die Impfkommission für Härtefälle zu wenden.

sg/ddy

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