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Massiver Bau, der aber viel Platz bietet: So sieht die aktualisierte Fassung des neuen Pfarrheims aus Nicht abgebildet ist der zweite Baum vor dem Gebäude, der mittlerweile in die Planung aufgenommen wurde.

Jetzt muss der Stadtrat entscheiden

Dem neuen Pfarrheim fehlen Parkplätze

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Für die katholische Kirche wird es nicht einfach, den geplanten Neubau des Pfarrheims in Miesbach zu verwirklichen. Nach langem Streit um die Fassade und die Größe des Gebäudes hakt es nun bei den erforderlichen Stellplätzen. Jetzt muss der Stadtrat entscheiden, ob man einer Baugenehmigung zustimmen will.

Die Atmosphäre hat sich eigentlich entspannt. Lange gab es verhärtete Fronten angesichts des neuen Pfarrheims, das die katholische Kirche an der Kolpingstraße in Miesbach plant. Zu groß sei der Kubus, zu wenig regional die Fassade, lautete die Kritik. Vor allem der fehlende Dachvorsprung wurde zum Politikum. Dagegen betonten der Münchner Planer Christian Olufemi und die Kirchengemeinde vor Ort das vielseitige, flexible Raumprogramm und die zeitgemäße Architektur. Ersteres ist vor allem deshalb wesentlich, weil die Kirche angesichts sinkender Zahlen der Gläubigen kleiner bauen will. Das geschickte Raumkonzept gleicht dies aber aus.

Seit der ersten Präsentation vor ziemlich genau drei Jahren bis heute wurde intensiv gerungen. So rückt die Kirchengemeinde den Bau einen Meter von der Straße weg, plant einen zweiten Baum vor dem Gebäude, verzichtet auf untypische Fenster übers Eck und integriert einen angedeuteten, etwa 15 Zentimeter großen Dachvorsprung.

Diese Zeichen der Kompromissbereitschaft wurden nun im Bauausschuss der Stadt sehr wohl zur Kenntnis genommen – dem Vorhaben wurde dennoch nicht das gemeindliche Einvernehmen erteilt, das es für die Baugenehmigung durch das Landratsamt braucht. Zum einen soll aufgrund „der Vorgeschichte und Tragweite“ der Stadtrat darüber entscheiden, zum anderen ist ein echtes Problem aufgetaucht: Es fehlen einige Parkplätze.

Denn auch wenn das neue Pfarrheim nicht größer wird und die Autos nicht zunehmen sollen: Der Neubau unterliegt der städtischen Stellplatzsatzung, und die hat klare Vorgaben. So werden für Pfarrsaal, Sitzungsräume, Jugend- sowie Chorraum insgesamt 23 Stellplätze verlangt.

Die Pfarrgemeinde hat an der Kolpingstraße aber nur 17: sieben vor dem neuen Pfarrheim und zehn, die bei Hausnummer 13 entstehen sollen. Das Problem: Vier von den zehn Kindergartenstellplätzen sind fix für diesen vorgeschrieben und können nicht einfach so zweckentfremdet werden. Damit sind also nur 13 anrechenbar.

Planer und Kirche hatten dem entgegengehalten, dass im Rahmen einer parallelen Nutzung lediglich 16 Plätze ausreichen würden – denn alle Räume würden nicht gleichzeitig genutzt. Mit den sieben Stellplätzen vor dem Pfarrheim und den zehn am Kindergarten von Kolpingstraße 13, die man per Grunddienstbarkeit sichern müsste, käme man auf 17. Doch so einfach rechnet die Stadt nicht. Denn angesichts der Nachmittagsbetreuung seien die Stellplätze ganztägig vorzuhalten.

Während Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) feststellte, „wir denken zu oft an Autos, das wird bald nicht mehr so bedeutsam sein“, blieb Markus Baumgartner (CSU) hart: „Es gilt gleiches Recht für alle. Es sind ja jetzt schon zu wenig Parkplätze.“ Ähnlich sah es Franz Mayer (CSU): „Geschäftsleute müssen fehlende Stellplätze auch ablösen.“ Stefan Griesbeck (CSU) war da lockerer: „Es ist doch überall mehr drin als beschrieben.“

Dennoch sprach sich der Ausschuss mit 4:5 Stimmen gegen eine Doppelnutzung aus. Damit würden dem Pfarrheim zehn Stellplätze fehlen. Diese kann die Stadt ablösen lassen. Ein Platz kostet dann 8000 Euro, der Stadtrat muss dafür aber zustimmen. Die entsprechende Empfehlung ging mit 6:3 Stimmen durch.

Insgesamt fiel die Beurteilung der Planung recht kontrovers aus. Während sich Fertl, Griesbeck und Florian Ruml (FW) aufgrund Funktionalität und Kompromissbereitschaft positiv positionierten, äußerten sich Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW), Mayer und Baumgartner klar ablehnend. Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) zeigte sich architektonisch angetan, „aber ich habe mit Blick auf die Kolpingstraße ein Störgefühl“. Es wäre knapp geworden. Das dürfte auch für den Stadtrat gelten.

ddy


Lesen Sie auch: Miesbachs Stadtrat macht mobil gegen neues Pfarrheim

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