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Will die perfekte Ehe: Lord Arthur Savile (Klaus Ruml) versucht mit allerhand Verbrechen, seinen dunklen Punkt auszumerzen, um Sybil Merton (Sonja Fischbacher) ein perfekter Ehemann zu sein. 

Treffsichere Pointen

Junge Bühne Miesbach feiert umjubelte Premiere

Ein dunkelschwarzes Lustspiel hat die Junge Bühne Miesbach nun im Bräuwirt aufgeführt. Warum Sie dieses Stück nicht verpassen sollten.

Miesbach – Das Verbrechen lauert schon im Titel, und der Autor bürgt für treffsichere Pointen. Dass „Lord Arthur Saviles Verbrechen“ von Oscar Wilde so richtig hundsgemein viktorianisch-moralinsauer, bitterböse-komisch und unterhaltsam daher kommt, schafft die Junge Bühne Miesbach in ihrer neuen Inszenierung. Im Miesbacher Bräuwirtsaal feierte die Truppe um Regisseurin Regina Weber-Toepel mit dem dunkelschwarzen Lustspiel eine umjubelte Premiere.

In der Titelrolle ringt der großartige Klaus Ruml facettenreich als junger Lord Arthur Savile um sein Lebensglück. Die widerwillige künftige Schwiegermutter Lady Julia Merton, herrlich schrill und zickig gegeben von Ute Bauer, hat ihm einen Handleser auf den Hals gehetzt. Als gekonnt düsterer Fiesling Podgers sieht Wolfgang Wastlhuber für den Bräutigam in spe einen einzigen, aber schwerwiegenden dunklen Punkt voraus. Mit Hilfe seines langjährig vertrauten Butlers Baines schmiedet der Lord allerlei Komplotte, um sich der Weissagung durch eine Untat schnell noch vor der Heirat zu entledigen. Hier näselt sich Helmut Enzinger überzeugend beherzt durch die ewig scheiternden Verbrechensansätze seines braven Chefs.

Als Braut Sybil Merton entzückt Sonja Fischbacher gleichermaßen mit weicher Verliebtheit und erstaunlicher Kaltschnäuzigkeit. Die Tanten seiner Lordschaft, Lady Clementin Beauchamp (Monika Greindl) und Lady Margaret Windermere (Barbara von Miller), wirbeln wunderbar geschwätzig, bigott und aufdringlich durch das Geschehen, ohne von den kriminellen Umtrieben mit Gift, Bomben oder Fallen um sich herum etwas wahrzunehmen. Dazwischen stolpert Roman Postel als Onkel und schusseliger Dekan von Paddington schön ungeschickt und arglos an diversen Anschlägen vorbei. Ein Teil von Lord Arthurs Fehlschlägen kommt durch den großmäuligen Bombenbastler Frederick Hunter zustande, den Michael Probst köstlich unfähig-bemüht verkörpert. Nebenbei bezaubert Sina Wörndl als aufgeweckt-herziges Dienstmädchen Nellie nicht nur den ehemuffeligen Butler, sondern auch das Publikum.

Als Schlagzeilen-Klammern zwischen den Szenen stürmen laut und unbekümmert die Zeitungsjungen Willy Krause und Simon Toepel mit ihren Extrablättern zur Bühne. Auf der Leinwand neben der Rampe illustrieren immer wieder schwarz-weiße Stummfilme, was die Darsteller so berichten. Mit den witzigen musikalischen Akzenten von Ilona Mayr unterstreicht Klara Seeger auf ihrer Harfe die turbulenten Ereignisse und zahlreichen, flott gespielten Wendungen voller Situationskomik.

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Das vielseitig begabte Ensemble hat auch sein Bühnenbild selbst entwickelt, einen zopfig-pompösen Salon in Schwarz, Grau, Violett und Silber mit Kamin, Blumentischchen, Récamière und Plüschsesseln. Daraus entsteht mit der Spielfreude der Truppe und den zahlreichen Regie-Einfällen eine überaus amüsante Mischung. So dankte das Publikum für die drei Stunden Kurzweil mit langem und überschwänglichem Applaus.

Weitere Vorstellungenfinden statt am Samstag, 9., 16. und 23. November, sowie am Sonntag, 10. und 17. November. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr im Miesbacher Bräuwirt, Einlass ist ab 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf (12 Euro, ermäßigt 10 Euro) bei Buch am Markt in Miesbach und unter www.junge-bühne-miesbach.de.

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