+
Im Plenarsaal des Bayerischen Landtags in München Karriere zu machen, ist für die Nachwuchspolitiker im Landkreis nicht unbedingt das Ziel. Sie engagieren sich vor allem deshalb politisch, um bei Belangen, die sie direkt betreffen, mitreden zu können. 

Junge Politiker im Landkreis Miesbach

Anstatt nur zu meckern ergreifen diese jungen Menschen selbst Partei

  • schließen
  • Nina Probst
    Nina Probst
    schließen

In genau einem halben Jahr – am 24. September – wird in Deutschland wieder gewählt. Wir haben das zum Anlass genommen, um nachzufragen, wie es um die Nachwuchspolitiker im Landkreis bestellt ist.

Landkreis - Der Politik-Nachwuchs im Landkreis steht in den Startlöchern. In diesem Überblick stellen wir fünf junge Leute vor, die sich politisch engagieren. Nicht alle träumen von einer Karriere in ihrer Partei, aber alle haben Freude an ihrem Einsatz

Patrick Schönberger engagiert sich für die Junge Union

Patrick Schönberger (19) JU-Ortsvorsitzender in Miesbach

Politik war für Patrick Schönberger (19) früh ein Thema. „Schon als Kind wollte ich wissen, was in Deutschland und auf der Welt passiert“, sagt der neue Ortsvorsitzende der Jungen Union in Miesbach. Wahlen verfolgte er schon lange, bevor er überhaupt selbst an die Urne treten durfte. Dass aus dem politischen Interesse später auch ein Engagement wurde, führt Schönberger auf die gesellschaftliche Entwicklung zurück. „Was die heutigen Politiker entscheiden, beschäftigt unsere Generation die nächsten 50 Jahre“, sagt der 19-Jährige, der in München Französisch, Geschichte und Sozialkunde auf Lehramt studiert. Deshalb stand für ihn bald fest, dass er dabei selbst ein Wörtchen mitreden will.

Mit 15 trat Schönberger in die Junge Union ein. Bei verschiedenen Veranstaltungen in Miesbach stellte er fest, dass er die meisten Überzeugungen mit der CSU teilen konnte. Mit seiner Familie oder seinem Freundeskreis habe dieser Schritt jedoch nichts zu tun, betont Schönberger. „Da fürchten manche eher den Apparat einer großen Partei.“ Natürlich sei ihm auch selbst klar gewesen, dass man mit 16 „nicht gleich die Welt verändern könne“. Vielmehr gehe es darum, zuerst das Leben vor Ort positiv zu gestalten. „Sich nur über etwas beschweren, bringt auch nichts“, sagt der Miesbacher.

An eine Parteikarriere denkt Schönberger deshalb aber noch nicht. „Ich schiele nicht auf irgendwelche Posten“, sagt er. Sollte sich tatsächlich einmal die Möglichkeit ergeben, die Politik zum Beruf zu machen, wäre der 19-Jährige zumindest nicht abgeneigt. Vorerst will er sich aber voll in seinem Ortsverband Miesbach einbringen. „Ich will den jungen Leuten das Gefühl geben, dass ihre Meinung in der Demokratie gefragt ist.“

Sina Doughan gründete die Grüne Jugend

Sina Doughan (29) Mitgründerin der Grünen Landkreis-Jugend

Über zehn Jahre ist es her, da entstand im Landkreis die Grüne Jugend. Mitbegründerin war Sina Doughan (29). Die Haushamerin kannte viele, die sich engagieren wollten, aber nicht den richtigen Rahmen dafür fanden. Also gründeten sie die Parteijugend. „Wir haben damals ganz viel gegen Rechts gemacht.“ Doughan erinnert sich, dass sie sogar von anderen Personen deshalb angegriffen wurden.

Existiert haben die jungen Grünen nur ein paar Jahre. Nachdem viele der Basis-Mitglieder wegzogen, löste sich die Grüne Jugend auf. Viele derer, die damals dabei waren, sind aber heute im Haindl-Keller als Verein Eigeninitiativ organisiert. Und das ist, was für Doughan zählt: junge Leute zu etwas aktivieren. „Ich bin froh, wenn sich Jugendliche für eine tolerante Gesellschaft einsetzen.“ Eine Parteistruktur braucht es ihrer Meinung nach dafür nicht.

Diese starren Strukturen seien mit ein Grund gewesen, dass sich die Grüne Jugend im Landkreis nicht halten konnte. Trotzdem, findet Doughan, sei es gut, dass die Jugendlichen kennengelernt haben, wie es in einer Partei abläuft – mit allen Fristen, Wahlen, Vorgaben. Doughan selbst arbeitet mittlerweile als Sozialarbeiterin in Leipzig. Von 2011 bis 2013 war sie Sprecherin im Bundesvorstand der Grünen Jugend. Heute liegen ihr vor allem feministische Projekte am Herzen. „Wenn man ein konkretes Projekt hat“, sagt die 29-Jährige, „dann ist es einfacher, junge Leute dafür zu begeistern.“ Noch immer hat sie Kontakt in den Haindl-Keller – und ist stolz darauf, was aus der damaligen Idee geworden ist.

Florian Stienen will bei den Jungen Freien Wählern mitgestalten

Florian Stienen (27) FWG-Schatzmeister in Holzkirchen

„Jeder Jugendliche stellt sich früher oder später die Frage, warum die Dinge so sind, wie sie sind“, sagt Florian Stienen aus Holzkirchen. In seinem Fall sei dies während der Einführung des achtjährigen Gymnasiums so gewesen, erinnert sich der 27-jährige Schatzmeister der Freien Wähler in Holzkirchen. „Die Suche nach der Antwort hat mich dann zur Politik geführt.“ Schnell war dem Studenten klar, dass er gerne selbst mitgestalten will. Das „Parteibuchprinzip“ habe ihn davon aber zuerst abgeschreckt. „Ich wollte lieber im kleinen Kreis Ideen entwickeln“, sagt er.

Die für ihn passende Gruppe fand er schließlich in den Freien Wählern. „Die haben damals ohnehin ihre Strukturen von unten aus neu aufgebaut“, sagt Stienen. Bürgermeisterkandidat Marcus Ernst sprach ihn 2008 an, ob er nicht im Kommunalwahlkampf mithelfen wolle. Der damals 18-Jährige sagte zu – und ist dem Ortsverband seitdem fest verbunden. Was mit Flyer-Verteilen begann, mündete in der Leitung des Kommunalwahlkampfs 2014.

Von Projekten wie dem Holzkirchner Jugendgemeinderat hat sich Stienen mittlerweile wieder verabschiedet. Sein Studium der Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt und Darmstadt fordert seinen vollen Einsatz. 2018 will Stienen den Master in der Tasche haben. Ein Türöffner für Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen, aber auch für staatliche Stellen, die sich mit der internationalen Friedensarbeit beschäftigen. Eine spätere politische Tätigkeit kann er sich am ehesten auf kommunaler Ebene vorstellen – zum Beispiel im Gemeinderat.

Jakob Falkenhahn spürt bei den Jusos den Schulz-Zug

Jakob Falkenhahn (21) Sprecher der Jusos im Landkreis

Wo ihn sein Engagement hinführt und ob er mal ein politisches Amt bekleidet, weiß Jakob Falkenhahn (21) aus Otterfing noch nicht. „Ich mache das alles, weil es mir Spaß macht.“ Der Otterfinger ist Sprecher der Jusos im Landkreis, 2014 ist er der SPD beigetreten. Mit seinen 21 Jahren tritt Falkenhahn selbstsicher auf, er weiß, welche Themen ihm am Herzen liegen. „Unser größtes Thema ist die soziale Gerechtigkeit“, sagt er. Mit seinen rund 50 Jusos will er auch Flagge zeigen gegen rechte Ideen.

Dass die Jusos im Landkreis so zahlreich vertreten sind, hat auch mit den jüngsten Ereignissen zu tun. Den „Schulz-Zug“ würden auch sie spüren, sagt Falkenhahn. Beigetreten seien auch einige, als Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde. „Die haben gesagt, so kann es nicht weitergehen. Wir müssen uns jetzt engagieren“, sagt der 21-Jährige, der in der jungen Truppe der Älteste ist.

Auf Kreisebene werden die Jusos auch in den Wahlkampf integriert. Sie wurden eingebunden in einen Arbeitskreis Internet. „Wir wollen gerne den Facebook-Auftritt der Partei übernehmen“, erklärt der junge Politiker, der an der Universität in München Politikwissenschaften studiert. Auch beim Ostermarsch in Miesbach wollen die jungen SPDler zeigen, wofür sie stehen.

Ob Falkenhahn sich bei den Jusos noch einmal für ein Amt aufstellen lässt, weiß er nicht. Das komme auch auf das Studium an, meint er. Eines kann er aber sagen: „Ich habe große Lust, mich politisch zu engagieren.“ In welcher Form das auch immer sein wird – die Jusos waren für ihn ein guter Einstieg.

Lorenz Juffinger vertritt die Jungen Liberalen

Lorenz Juffinger (16) Kreisvorsitzender Junge Liberale Oberland

Lorenz Juffinger (16) erinnert sich daran, als er vor gut einem Jahr beim Bundesparteitag in Berlin politische Luft schnuppern durfte. „Ich habe viele Leute kennengelernt“, sagt er. Darunter auch FDP-Chef Christian Lindner. Juffinger war da gerade den Jungen Liberalen beigetreten, vor einigen Wochen wurde er Kreisvorsitzender der rund 13 Jungpolitiker. „Das Engagement für die Gesellschaft ist mir einfach wichtig“, begründet er den frühen Eintritt in eine Partei.

Was sich kommunalpolitisch in seiner Gemeinde tue – Juffinger kommt aus Irschenberg – findet er gut. Die Bundespolitik weniger. „Wir sind für eine Öffnung der Ehe für Homosexuelle und die Legalisierung von Cannabis“, erklärt der 16-Jährige seine Parteithemen. Auch das Verbot von Waffenexporten wollen sich die Jugendlichen sprichwörtlich auf die Fahnen schreiben, und zwar beim Miesbacher Ostermarsch.

Vor allem die Wochenenden des 16-Jährigen sind voll mit Terminen: Parteitage, Themenabende, Demonstrationen – Juffinger ist politisch immer auf Achse. Wo das genau hinführen wird, weiß er noch nicht. Im kommenden Jahr will er sein Abitur machen, dann über politische Ziele nachdenken. Zu seinem politischen Interesse sagt Juffinger: „Ich denke, es ist schlau, sich politisch zu engagieren, wenn man die Zukunft mitgestalten will.“

nip/sg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen AfD-Kandidat ein
Die Staatsanwaltschaft München II hat die Ermittlungen gegen den AfD-Direktkandidaten Constantin Leopold Prinz von Anhalt eingestellt.
Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen AfD-Kandidat ein
Fischbachau: Ja ohne Diskussion
Während es in anderen Gemeinden Vorbehalte gibt, hat Fischbachau keine Bedenken, dem noch zu gründenden Landschaftspflegeverband beizutreten. 
Fischbachau: Ja ohne Diskussion
Qualität gegen kritische Beobachter
Das größte Bauprojekt der Gemeinde Schliersee seit vielen Jahren hat einen Meilenstein erreicht. Für den Anbau ans Heimatmuseum wurde jetzt Richtfest gefeiert.
Qualität gegen kritische Beobachter
Streit um Holzregale: Gemeinde macht Kompromissvorschlag
Die Fronten schienen verhärtet zwischen dem Kreisbaumeister und dem Leitzachtalverein. Nun scheint sich eine Lösung im Streit um die Regale im alten Schulhaus in Elbach …
Streit um Holzregale: Gemeinde macht Kompromissvorschlag

Kommentare