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Dr. Heinz Fischer war von 1978 bis 2000 Notar in Miesbach.

„Seine Richtschnur war immer sein eigenes Ermessen“

Jurist mit dem Gespür fürs Menschliche: Nachruf auf Heinz Fischer

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Lieber ließ der Miesbacher Notar Heinz Fischer ein Geschäft sausen, als dass er sein Siegel unter den Vertrag mit einem unseriösen Bauträger gesetzt hätte. Jetzt ist er gestorben.

Miesbach – Was er selbst nicht unterschrieben hätte, wollte er auch seinen Klienten nicht zumuten. Lieber ließ der Miesbacher Notar Heinz Fischer ein Geschäft sausen, als dass er sein Siegel unter den Vertrag mit einem unseriösen Bauträger gesetzt hätte. „Seine Richtschnur war immer sein eigenes Ermessen“, erzählt Fischers langjähriger Sozius, Freund und Nachbar Hans Ulsenheimer. Gewissenhaft, freundlich, vor allem aber menschlich habe Fischer seine Klienten aus Miesbach und Umgebung beraten. Jetzt ist der frühere Notar im Alter von 83 Jahren gestorben.

Aufgewachsen ist Fischer in München, wo er nach dem Abitur Jura studierte. Nach einer Zeit als Notarassessor trat er 1965 seine erste eigene Stelle in Eschenbach in der Oberpfalz an. Ulsenheimer bestellte das Justizministerium hingegen ins nahegelegene Kemnath. Über die gegenseitige Urlaubsvertretung lernten sich die beiden Notare schließlich kennen und schätzen. „Unsere Arbeitsweisen waren sehr ähnlich“, erzählt Ulsenheimer. Und auch bei ihren Hobbys wie Skifahren oder Bergsteigen lagen die Berufskollegen auf einer Wellenlänge.

Als dann 1978 eine Stelle in Miesbach ausgeschrieben wurde, zögerte Fischer nicht lange und warf seinen Hut in den Ring – mit Erfolg. Wenig später folgte ihm Ulsenheimer in die Sozietät. Mehr als 20 Jahre lang arbeiteten die beiden Notare gut zusammen. „Es hat nie ein böses Wort gegeben“, sagt Ulsenheimer. Anders hätten sie ihr bisweilen hohes Pensum auch gar nicht bewältigen können. „Eine schlechte Sozietät ist schlimmer wie eine unglückliche Ehe.“

Mit die zeitaufwendigste Aufgabe sei die Beurkundung der damals zahlreichen Straßenbaumaßnahmen gewesen. Jede kleine Grundabtretung landete bei den Notaren – und das in einem großen Einzugsgebiet von Holzkirchen bis Bayrischzell. Ein Dauerbrenner waren zudem die Erbauseinandersetzungen, erinnert sich Ulsenheimer. Hier seien er und Fischer nicht nur als Juristen, sondern in erster Linie als Mediatoren gefordert gewesen.

Im Mai 2000 trat Fischer dann seinen verdienten Ruhestand an. Und wieder folgte ihm Ulsenheimer quasi auf dem Fuß. „An einen neuen Sozius hätte ich mich nicht mehr gewöhnt“, meint er schmunzelnd. So hatten die beiden Berufskollegen viel Zeit für ihre gemeinsamen Hobbys. Auch Reisen unternahmen sie gemeinsam mit ihren Ehefrauen, zum Beispiel nach Südafrika.

Besonders gerne erinnert sich Ulsenheimer an die vielen Gespräche mit seinem Nachbarn. „Er war ein sehr kluger Mann“, sagt er. Wenige Tage vor seinem Tod habe er noch mit Fischer über die Koalitionsverhandlungen in Berlin gefachsimpelt. Umso schmerzlicher ist da der Verlust seines guten Freundes, gesteht Ulsenheimer. „Uns fehlt was hier.“

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