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Alfred Dorfer springt in atemberaubendem Tempo von einer Einsicht zur nächsten.

Kabarett im Waitzinger Keller

So gut ist Alfred Dorfers neues Programm „und..“ 

Mit seinem neuen Programm „und...“ begeistert der Kabarettist Alfred Dorfer das Publikum im Miesbacher Waitzinger Keller. Unser Fazit: zum Niederknien gut.

Miesbach Intelligent, ehrlich, philosophisch und reflektiert mit einem wunderbar sympathischen Maß an Selbstironie. So hat der Wiener Kabarettist Alfred Dorfer im Waitzinger Keller in Miesbach sein neues Programm „und..“ präsentiert. Zum Niederknien gut!

Man muss schnell sein im Kopf, möchte man die Lebenswelt und das Empfinden dieses Mitt-Fünfzigers in allen Facetten und Andeutungen erfassen. Und dann läuft man Gefahr, dass der Abend einem nachgeht – über Tage. Spätfolgen. Süchtig machend und irreversibel. Kabarett-Crack sozusagen. Der Träger des Deutschen Kabarettpreises outet sich als grandioser Beobachter des Zeitgeists und springt in seinem neuen Programm szenenhaft, unterstützt durch Geräuscheinspielungen – etwa aus einem Restaurant oder einer Trambahn – in einem atemberaubenden Tempo von einer Einsicht zur nächsten, stellt sie in einen übergeordneten kulturellen und philosophischen Zusammenhang und versteht es so, dem Empfinden (vor allem) der in den 1960er-Jahren Geborenen eine Stimme zu geben.

Dorfer fesselt mit geistiger Agilität – und körperlicher, wenn er über die Bühne und durch die Lebensstationen springt. Es ist ein Umzug, der ihn – zwischen ein paar wenigen Umzugskartons sitzend – zum Bilanz ziehen bringt und diese eine Schachtel, seine persönliche Büchse der Pandora, öffnen lässt. Ihr entspringen – wie schemenhafte Abbilder aus Platons Höhlengleichnis – prägende Erlebnisse, wie die zornige Mama, die mit osteuropäischen Akzent stichelt „Warum bist Du nur so ein Kasperl gäworden und nicht Lährer?“ oder postuliert „Ähäfrau ist nur Zwaitwohnsitz.“ Oder wie die Elfe, in die er sich einst verliebte und der er blind durch Europa folgte, ohne sie gewonnen zu haben. Oder die Erfahrungen, die er bei der Erziehung seines Sohns am Spielplatz oder auch bei einer Kinderjause gemacht hat: „Kinder brauchen eine klare Sprache und keine eigene Meinung. Des hoit nur aaf.“

Dorfer über Populismus und Angst vor dem Fremden

Der Unheil bringenden Büchse entspringt aber auch ein Theaterdirektor, der ihn auffordert, ein Stück zu schreiben, ohne auch nur eine Idee von dessen Inhalt oder Substanz zu haben. Und der unbedeutende Lokaljournalist, der noch nicht mal seinen Namen kennt, ihn aber selbstherrlich versucht, in eine Schublade zu schieben.

Vor diesem Hintergrund wechselt Dorfer immer wieder in Alltagsbeobachtungen. „Das ist Dadaismus“, sagt er mit Blick auf das omnipräsente Smartphone und Netz-Junkies, wenn sie sich treffen: „Ich bin da. Und wo bist Du?“ Oder: „Durchs Zuspätkommen machen sich Unwichtige wichtig. Deshalb erfordert Unpünktlichkeit ein hohes Maß an Pünktlichkeit.“ Er macht einen Abstecher an österreichische Hochschulen, wo die Dozenten an einem ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex gegenüber ihren deutschen Kollegen leiden, aber 32 000 junge unbegleitete, sprachlich nicht integrierbare Deutsche – sogenannte Intelligenz-Flüchtlinge – ausbilden, die im Nachbarland eingeschrieben sind, weil sie in Deutschland am Numerus clausus gescheitert sind. „Wir füttern sie durch und schicken sie wieder zurück.“

Ohne auch nur einmal einen Politiker-Namen zu nennen, greift Dorfer politische Themen auf. Populismus und die Angst vor dem Fremden kommentiert er mit „Wer nur einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus“ oder „Der Narr tut, was er nicht lassen kann. Der Weise lässt, was er nicht kann. Und wer viel weiß, hat deswegen noch lange nicht alles verstanden.“ Und: „Lassen wir doch die Rechts-Links-Scheiße hinter uns und benutzen unseren Verstand!“ Denn: „Freiheit ist der Zwang zur Entscheidung.“

Unter ständigem Lachen und Applaus des Publikums warf Dorfer feurig ein derart komplexes und konzentriertes Abbild unserer Lebenswirklichkeit an die „Höhlen-Wände“ des fast ausverkauften Waitzinger Kellers, dass man diese Höhle eigentlich gar nicht mehr verlassen wollte oder sich zumindest – um auch wirklich jedes Detail erfassen zu können – eine Wiederholung wünschte.

Alexandra Korimorth

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