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Miesbach: Starker ALB-Befall bestätigt

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Von: Dieter Dorby

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Geschlüpft im Quarantänelabor in Freising ist dieser Asiatische Laubholzbockkäfer – einer von sieben.
Geschlüpft im Quarantänelabor in Freising ist dieser Asiatische Laubholzbockkäfer – einer von sieben. © LfL

Es sind Zahlen, die betroffen machen: Im Zuge der diesjährigen Baumfällungen in Miesbach hat die Landesanstalt für Landwirtschaft 40 lebende Exemplare des Asiatischen Laubholzbockkäfers entdeckt. Die Fachbehörde in Freising sieht sich und die EU dadurch in ihrem strikten Kurs bestätigt.

Miesbach – Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen haben Ende März mit Fällungen nach Vorgaben des Bundes und der EU zur Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) begonnen. In den vorgegebenen 100-Meter-Radien sind von den relevanten 16 Laubgehölzgattungen – sogenannte spezifizierte Pflanzen – 13 Gattungen festgestellt, gefällt und untersucht worden. Nun liegt die Analyse des Freisinger Quarantänelabors vor: In der Befallszone Miesbach wurden insgesamt 40 lebende Käfer entdeckt, von denen allein sieben im speziell gesicherten Labor in Freising geschlüpft sind. Zudem wurden rund 130 Larven und an die 400 Eiablagestellen ermittelt.

77 Gehölze mit lebendem Befall

Wie die LfL weiter mitteilt, wurde an 97 Gehölzen ALB-Befall festgestellt, wobei 77 lebenden Befall aufwiesen. Bei den vom ALB befallenen Gehölzen handelte es sich um die Gattungen Ahorn, Rosskastanie, Birke und Weide. Wie berichtet, führten zwei Funde bei den Fällarbeiten zur Ausweitung der bisherigen Befallszone in Richtung Südosten und Nordwesten.

„Es war ein starker Eingriff“, sagt LfL-Sprecherin Sabine Weindl, „aber gerade deshalb hoffen wir, dass wir eine weitere Verbreitung möglichst verhindern konnten.“ Dass es so viele Exemplare und Eier sind, die nun gefunden wurden, führen die Experten der LfL auch darauf zurück, dass im Sommer 2019 ein sehr starker ALB-Flug stattgefunden habe. Heuer sein ein solcher nicht zu beobachten gewesen.

Fällzone vergrößerte sich nicht signifikant

Positiv ist sicher auch, dass sich angesichts dieser Menge die Fällzone nicht signifikant verändert und vergrößert hat. Lediglich zwei Fundstellen in der Riviera und im Bereich der Brecherspitz-/Harztalstraße bildeten einen neuen Radius (wir berichteten). Das habe sich nicht geändert durch die Analyse der gefällten und analysierten Gehölze – was jedoch möglich gewesen wäre.

Bei den Fällarbeiten wurden in Miesbach etwa 130 Larven in den entnommenen Bäumen entdeckt.
Bei den Fällarbeiten wurden in Miesbach etwa 130 Larven in den entnommenen Bäumen entdeckt. © LfL

„Wir sind in Freising in der Lage, das Holz der in Miesbach entnommenen Gehölze genau zuzuordnen“, sagt Weindl. Damit sei auch nach Abtransport klar, woher Holz mit ALB-Befund stammt. Konkret zum allergrößten Teil aus dem sogenannten Epizentrum um das Finanzamt. Deshalb hat sich die Zone nur in den zwei oben genannten Fällen vergrößert.

Aktuell bereitet sich die LfL auf das Monitoring vor, das bis Ende 2024 in der Kreisstadt zum Pflichtprogramm gehört. So sieht es die EU-Durchführungsverordnung zwingend vor. Das AELF startet ebenfalls beim Wald in die Beobachtungsphase (wir berichteten). Vier Jahre – das entspricht zwei Entwicklungszyklen des Asiatischen Laubholzbockkäfers: Wenn in dieser Zeit kein neuer ALB-Befund auftaucht, hat Miesbach die Plage überstanden.

Boden- und Kronen-Monitoring in der Kreisstadt

In der Stadt wird unterschieden in ein Boden- und ein Kronen-Monitoring. Wie Weindl erklärt, bedeutet die Kontrolle vom Boden aus das Absuchen der Bäume mit dem Fernglas. Auch Suchhunde kommen zum Einsatz, die auf den ALB abgerichtet sind. Das Kronen-Monitoring erfolgt dagegen durch Kletterer. „Bevorzugt wenn die Bäume das Laub abwerfen“, erklärt Weindl. Dann seien Bohrlöcher besser zu sehen. „Die Kletterer sind absolute Profis“, betont sie. Das müssen sie auch sein, wenn sie ohne Laub vom ALB gefährdete Baumarten bestimmen sollen. „Zudem haben wir ja auch das Baumkataster, das die Gattungen und Standorte aufzeigt.“ Intensiv beobachtet wird der Waitzinger Park, wo 22 bedeutsame Linden von den Fällungen ausgenommen worden waren.

Mithilfe der Bürger weiterhin nötig

Auch künftig sind die Bürger aufgerufen, die Bekämpfung des ALB aktiv zu unterstützen und den ausgewiesenen Sammelplatz auf der Waitzinger Wiese für Schnittgut zu nutzen. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass Holz für die Kontrolle in handlichen Größen von maximal zwei Meter Länge abgegeben wird. Auch sollen zwischen einzelnen Haufen Lücken bleiben.

Trotz des zahlreichen Befunds ist Weindl zuversichtlich: „Ein Rückschluss auf künftige Funde erlaubt das nicht. Positiv betrachtet wurde ein großes Potenzial entdeckt und entfernt.“

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