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Bereit für die weitere Verarbeitung: Im Fritz-Freund-Park werden die Bäume, die am Hang des Harzbergs entnommen wurden, gehäckselt und abtransportiert.

Kampf gegen den ALB in Miesbach

So läuft das Abholzen im Hallenwald

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Die zweite Woche der Fällungen in Miesbach ist abgeschlossen, und bei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising ist man zufrieden.

Der Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) geht voran. „Dank der bislang optimalen Witterung und der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten liefen die Fällungen auch in der zweiten Woche reibungslos“, sagt ALB-Pressereferentin Elke Zahner-Meike. Am Freitag wurde im Bereich von Riviera, Harztalstraße und Bayrischzeller Straße gefällt – und wie berichtet seit Mittwoch im Hallenwald am Fuße des Harzbergs.

Mit Baumkletterern im Hallenwald

Dort hat nicht die LfL wie im Siedlungsbereich das Heft in der Hand, sondern – wie üblich bei Wald – das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen. Und anders als im Siedlungsgebiet ging es dort nicht so zügig voran. „Das ist im Wald eine andere Situation“, erklärt Forst-Bereichsleiter Christian Webert. „Gerade am Anfang ist es schwierig, wenn noch kein Platz ist.“ Je mehr Bäume rausgenommen werden, desto leichter werde es aber.

3000 Quadratmeter große Fläche

Die Bäume werden mit einem Traktor nach oben hin entnommen. Zum Teil schneiden Baumkletterer vorher einzelne Äste ab. Im Fritz-Freund-Park werden die Stämme dann gesammelt, wo sie von Experten und Suchhunden nach Käferlarven abgesucht werden, bevor sie gehäckselt und zum Verbrennen abtransportiert werden.

Gesperrten Bereich auf keinen Fall betreten

Die gerodete Fläche hat das AELF mit einem Band gesperrt - aus Sicherheitsgründen. Darauf verweist auch Webert: „Uns liegt das Beachten der Flächensperrung aus Sicherheitsgründen wirklich sehr am Herzen. Leider halten sich nicht alle daran.“ So habe er am Freitag kurz nach Abschluss der Arbeiten acht Personen - darunter Kinder - von der Fläche verweisen müssen. Sein dringender Appell an Nachbarn und Spaziergänger: „Bitte beachten Sie unbedingt die Absperrungen!“ 

Wie viele Bäume am Hang des Harzbergs entnommen werden sollen, kann Webert nicht sagen. „Im Wald zählen wir nicht die Bäume, sondern sprechen von der Fläche“, erklärt er. 0,3 Hektar umfasst das Areal, das innerhalb der Befallszone liegt und aus dem die möglichen Wirtsbäume für den Käfer vorsichtshalber entnommen werden müssen. Das schreibt der EU-Durchführungsbeschluss vor. 20 Prozent dieses Areals habe man bereits geschafft.

Die Fläche gehört zum einen der Stadt Miesbach sowie einem privaten Eigentümer. Während Private keine Möglichkeit haben, Ausnahmen von der Fällung zu beantragen, steht der Stadt dieses Recht zu. Im Fall des Hallenwaldes hätte das aber nichts genutzt, wie Webert sagt: „Die Ausnahme bezieht sich eher auf die klassische Dorflinde.“

Dialoge mit Kritikern gehören dazu

Dennoch habe man sich für den Harzberg eingesetzt, betont der stellvertretende AELF-Chef: „Eigentlich war angedacht, den gesamten Hang zu fällen. Aber wir haben gesagt, dass wir alles tun wollen, um den Oberhang zu erhalten.“

Begegnungen mit Miesbachern, die das radikale Fällen im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer kritisieren und einen sofortigen Stopp fordern, habe es natürlich auch gegeben, berichtet Webert: „Das ist ganz normal. Das verlief auch in einem vernünftigen Rahmen. Wir haben den Leuten erklärt, warum wir das machen.“ Und dass es auch für die Forstleute keine Freude sei, all diese Bäume umzulegen.

Die Sorge gerade der direkten Anwohner, dass durch die Fällungen die Stabilität des Hanges leiden könnte, sieht Webert nicht als gegeben an: „Wir lassen ja die Wurzeln stehen. Das sind mächtige Wurzelwerke, die im Boden bleiben und dort langsam verrotten.“ Das dauere gut zehn Jahre. In der Zwischenzeit wolle man neue Anpflanzungen vornehmen – bevorzugt wohl mit einer Gattung, die nicht auf der Liste der potenziellen ALB-Wirtspflanzen steht.

Das Wichtigste für Webert ist aber: Bei den Fällungen im Hallenwald wurden nach bisherigem Stand keine weiteren Larven entdeckt. Das ist deshalb eine gute Nachricht, weil sich sonst die Befallszone erweitern könnte. Dann würden die Bäume des alten und wunderschön gewachsenen Fritz-Freund-Parks oben auf dem Harzberg in Gefahr geraten.

Erneut verdächtige Larve entdeckt

Dafür wurde an anderer Stelle möglicherweise eine ALB-Larve ausfindig gemacht – im Zuständigkeitsbereich der LfL, wie deren Pressereferentin berichtet. „Es wurde eine weitere Verdachtsstelle an einem Feldahorn gefunden“, sagt Zahner-Meike. „Eine Holzprobe von diesem Baum wurde mitgenommen und wird im Labor untersucht.“ Doch selbst wenn dies ein ALB-relevanter Fund wäre, hätte er keinen Einfluss auf die Größe der Befallszone. Der Grund: Die Position des betroffenen Baumes liege im bisherigen Zentrum beim Finanzamt und führe somit nicht zur Vergrößerung der Fällzone.

Fällung wird am Montag fortgesetzt

Genau dies ist Anfang der Woche im südöstlichen Teil der Befallszone passiert. In einem Ahornbaum im Bereich der Brecherspitz-/Harztalstraße wurden zwei Larven und Eier gefunden (wir berichteten). Damit vergrößert sich die Befallszone in Richtung Stadlberg. Der genaue Umgriff ist jedoch noch nicht definiert.

In der kommenden Woche gehen die Fällarbeiten am Harzberg weiter. Parallel dazu werden im Siedlungsbereich der LfL voraussichtlich an der Riviera sowie an Zwergerweg und Harztalstraße die Fällarbeiten fortgesetzt.

ddy

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