+
Krippe oder Museum?  Zwischen Kinderkrippe (l.) und ehemaligem Schulgebäude (r.) liegt der derzeit ungenutzte Komplex. 

Stadtrat lässt Machbarkeit prüfen

Kehrtwende: Krippe nun doch im ehemaligen Kloster?

  • schließen

Wie soll der Mittelbau des ehemaligen Klosters in Miesbach künftig genutzt werden? Kinderkrippe oder Museum? Mit dieser Frage hat sich der Miesbacher Stadtrat nun erneut beschäftigt.  

Miesbach – Brennende Kerzen, Nüsse, Mandarinen und Stollen – es war eigentlich alles angerichtet für die vorweihnachtliche Sitzung des Miesbacher Stadtrats. Zwischenzeitlich geriet die „staade Zeit“ bei einigen Mitgliedern aber in Vergessenheit – trotz eines zumindest auf den ersten Blick weihnachtlich anmutenden Themas: die Krippe.

In Miesbach fehlen Betreuungsplätze

Wie auch in zahlreichen anderen Kommunen fehlt es in Miesbach an Betreuungsplätzen für den Nachwuchs. Laut einer Analyse der Stadtverwaltung – berechnet aus Überbelegungen und der Warteliste – fehlen schon jetzt mindestens 70 Krippenplätze. Zudem sind Eltern, die ihren Anspruch angesichts der geringen Aussicht auf Erfolg gar nicht erst angemeldet haben, in der Statistik nicht berücksichtigt. Die Zeit drängt also.

Im Juli ließ der Stadtrat noch einen Erweiterungs-Neubau prüfen: Der wäre machbar 

Wie berichtet, hatte der Stadtrat diesem Umstand in seiner Juli-Sitzung Rechnung getragen und einen Architekten damit beauftragt, die Machbarkeit eines Neubaus auf dem Klostergelände im Bereich der alten Schuppen zu prüfen. Markus Seemüller (FWG) hatte damals angeregt, die Erweiterung der Krippe auch im benachbarten Mittelbau des alten Klosters zu prüfen, mit seinem Antrag aber keine Mehrheit gefunden. Auch deshalb, weil dies das dort geplante Museum massiv infrage gestellt hätte – Grundsatzbeschluss pro Museum im Kloster hin oder her. 

Entsprechend stellte Architekt Christian Mahr nun seine Neubaupläne im Bereich der alten Schuppen vor. Ihm zufolge stehe einem Neubau aus denkmalpflegerischer Sicht tatsächlich nichts entgegen, solange die folgenden Eckpunkte eingehalten werden: ein Grundriss von etwa 26,50 Meter mal zwölf Meter, eine möglichst geringe Wandhöhe von sechs bis 6,30 Meter und ein größtmöglicher Abstand zum Kloster.

Auch aus finanzieller Sicht wäre der Neubau für die Stadt durchaus darstellbar. Von den veranschlagten Baukosten in Höhe von 1,43 Millionen Euro müssten lediglich etwa 15 Prozent, also rund 215 000 Euro, aus eigener Tasche gestemmt werden. Der Restbetrag könnte aus Fördermitteln fließen.

„Wenn wir den Neubau nicht machen, bedeutet das zwei bis drei Jahre Stillstand bei der Kinderbetreuung“

Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) sprach sich gegen eine Prüfung der Mittelbau-Variante aus: „Das wird ein langwieriger Abstimmungsprozess. Wenn wir den Neubau nicht machen, bedeutet das zwei bis drei Jahre Stillstand bei der Kinderbetreuung.“ Am Bau führe kein Weg vorbei. Seemüller sagte, er sehe keinen Markt für ein Museum. „Es ist an der Zeit, ehrlich zu sein: Wir können uns kein Museum leisten.“ Man müsse das Kloster ergebnisoffen untersuchen und beide Varianten gegenüberstellen.

„Die Museumsfreunde wollen keine Hinhaltetaktik mehr“

Manfred Burger (Grüne) erinnerte seine Kollegen daran, dass der Stadtrat erst im Juli abgelehnt hatte, die Krippenerweiterung innerhalb des Klosters zu prüfen. „Ich verstehe nicht, warum wir überhaupt debattieren.“ Und auch Markus Baumgartner (CSU) erklärte, er sehe keine Alternative zum Neubau: „Die Museumsfreunde wollen keine Hinhaltetaktik mehr.“ Dagegen stellte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) fest, es gebe für alles ein Für und Wider.

Schließlich stellte Fertl stellvertretend für die SPD-Fraktion einen Antrag zur Geschäftsordnung, den Neubau unabhängig von weiteren Planungen der Stadt schnellstmöglich zu realisieren. Dieser scheiterte jedoch denkbar knapp mit 10:10 Stimmen. Dem Vorschlag der Verwaltung, den Beschluss aus der Juli-Sitzung aufzuheben, folgten immerhin elf Mitglieder. Der zweite Beschluss, den Mittelbau und das Schulgebäude auf die potenzielle Nutzung als Kinderkrippe, Hort und Mittagsbetreuung untersuchen zu lassen, fand eine Mehrheit von zwölf Stimmen.

Damit war die Abstimmung über den nächsten Tagesordnungspunkt, den Antrag des Museumsvereins, das ehemalige Kloster vorübergehend als Vereinsheim nutzen zu dürfen, aus Sicht der Räte obsolet. Mit 19:1 Stimmen entschied das Gremium, die Untersuchung und eine Kostenaufstellung seitens der Verwaltung abzuwarten.

hb

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach geplatztem Empfang: Hitzige Diskussion um Olympiasiegerin Geisenberger in Miesbach
Der geplatzte Empfang für Doppel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger sorgt weiter für Knatsch. Nun wehrt sich die Sportlerin gegen die Darstellung der Bürgermeisterin.
Nach geplatztem Empfang: Hitzige Diskussion um Olympiasiegerin Geisenberger in Miesbach
Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Deisenhofen nach doppelter Sperrung wieder frei
Die BOB- und S-Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Deisenhofen ist aufgrund eines Polizeieinsatzes erneut komplett gesperrt. Zum zweiten Mal an diesem Montag.
Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Deisenhofen nach doppelter Sperrung wieder frei
Pläne für Hausham: Kinderhaus könnte Argulakirche ablösen
Die evangelische Kirche will sich von der Argulakirche trennen. Die Gemeinde Hausham will diese Chance nutzen. Sie überlegt, das Grundstück zu kaufen und ein Kinderhaus …
Pläne für Hausham: Kinderhaus könnte Argulakirche ablösen
80-Jährige fährt auf B307 - und übersieht Motorradfahrer
Die Seniorin kaufte im Geflügelhof ein, dann fuhr sie mit ihrem Auto auf die B307, dummerweise übersah sie dabei einen Biker - mit schlimmen Folgen.
80-Jährige fährt auf B307 - und übersieht Motorradfahrer

Kommentare