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Amtsgericht

Keilerei nach Zigarettenklau

Landkreis - Ein 31-jähriger Berliner ist vom Amtsgericht Miesbach zu vier Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Er hat sich vorm Alpengroßmarkt Hausham mit Edeka-Mitarbeitern geprügelt. Die beiden Männer versuchten ihn an der Flucht zu hindern, da er an einem Zigarrettenklau beteiligt gewesen sein soll.

Die Szene vor Verhandlungsbeginn mutete durchaus spektakulär an. Zwei Polizeibeamte begleiteten den 31-jährigen Angeklagten in den Sitzungssaal 12 am Amtsgericht Miesbach – der Berliner sitzt aktuell wegen eines schwereren Delikts, über das sich das Gericht nicht weiter äußern will, in Untersuchungshaft. In Miesbach musste er sich allerdings wegen gemeinschaftlichen räuberischen Diebstahls mit mehrfacher Körperverletzung und Nötigung im Haushamer Alpengroßmarkt Mitte September 2012 verantworten. Weil ihm die Beteiligung an dem Zigarettenklau nicht nachgewiesen werden konnte, kam er aber mit einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung davon.

„Zuerst sah alles wie ein normaler Ladendiebstahl aus“, berichtete der 48-jährige Filialleiter des Edeka-Marktes. Ein Mann in Malerkleidung stellte sich so an das Kassenförderband, dass der Kassiererin der Blick auf seinen Hintermann versperrt wurde. „Dieser hat ihm den Bund seiner Malerhose nach hinten gezogen und schachtelweise Zigaretten hineingeschmissen“, erklärte der 48-Jährige dem Richter Walter Leitner. Gemeinsam mit einem 37-jährigen Mitarbeiter wartete der Marktleiter dann vor dem Ausgang auf die Ladendiebe

Als der Mann nicht stehenbleiben wollte, packten sie ihn an den Armen und hielten ihn fest. Dann ging alles ganz schnell: „Plötzlich kam der Angeklagte von hinten an und schubste mich heftig. Da musste ich den Maler loslassen.“, erzählte der Filialleiter. Er entkam unerkannt mit der Beute, genauso wie seine beiden mutmaßlichen Helfer. Dafür aber schnappten sich die beiden Edeka-Männer den 31-jährigen Berliner.

Was dann folgte, könnte man durchaus als filmreif bezeichnen. Mit aller Kraft versuchten die Angestellten, den Angreifer an der Flucht zu hindern. Doch der wehrte sich heftig – ein wildes Handgemenge entstand. Auch die 51-jährige stellvertretende Marktleiterin griff mit ein. „Zu dritt schafften sie es, den Angeklagten am Boden zu fixieren“, sagte eine 21-jährige Zeugin aus. Doch der 31-Jährige ließ nicht locker. Er schlug und kratzte die Angestellten, verpasste ihnen sogar Bisswunden.

„Hat der Angeklagte irgendwas gesagt oder geschrien, was auf eine mögliche Verbindung zu den Ladendieben hinweisen könnte?“, wollte Richter Leitner wissen. Alle vier Zeugen mussten passen. Hier setzte der Berliner Rechtsanwalt Rolf Schmidt, der als Pflichtverteidiger für den 31-Jährigen bestellt worden war, an: „Eine Vermutung reicht nicht zu einer Verurteilung.“ Ein Ergebnis, zu dem auch Leitner kam. „Die Beteiligung an dem räuberischen Diebstahl konnten wir dem Angeklagten nicht beweisen.“

Für die mehrfache Körperverletzung und die Nötigung gegen den Marktleiter verurteilte das Gericht den 31-Jährigen aber zu vier Monaten Gefängnis auf Bewährung. Aufgrund seiner vier Vorstrafen sei es mit einer Geldstrafe nicht getan, fand Richter Leitner. „Wir müssen dem Angeklagten zeigen, dass jetzt Schluss mit lustig ist.“

Der dürfte das mittlerweile ohnehin gemerkt haben – gleich nach der Verhandlung wurde er wieder in die Justizvollzugsanstalt Goldlauter in Thüringen zurückgebracht, wo er auf sein nächstes Verfahren wartet.

Sebastian Grauvogl

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