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Viele Pflegebedürftige im Landkreis suchen einen Tagespflegeplatz - und finden keinen.

Keine Tagespflege-Plätze im Landkreis

BRK Miesbach erklärt, wie es mit der Pflegereform läuft

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Viele Angehörige werden zuhause gepflegt. Die Reform der Gesetze wirft zig Fragen auf. Und ein Problem wird deutlich: Die Gelder verfallen, weil es nicht genügend Angebote im Landkreis gibt.

Landkreis - Heidi Niggl (55) arbeitet beim Bayerischen Roten Kreuz im Landkreis in der Fachstelle für pflegende Angehörige. Niggl kennt Statistiken aus dem Jahr 2012: Von 2493 pflegebedürftigen Menschen im Landkreis werden 763 in stationären Einrichtungen betreut, die anderen zu Hause. Die Pflegereform betrifft also eine Menge Angehörige.

Frau Niggl, kommen viele Nachfragen zur Reform?

Niggl: Jede Veränderung im Gesundheitssystem verunsichert zunächst. Die Umstellung in die Pflegegrade hat relativ reibungslos geklappt. Verwirrung bei den Angehörigen und auch bei den Betroffenen schaffen aber schon die zusätzlichen Budgets und die Kombinationsmöglichkeiten. Viel Beratungsbedarf besteht auch bei Neueinstufung und Höherstufung, da sich die Art der Begutachtung gravierend verändert hat (siehe Kasten). Zum Pflegestärkungsgesetz 2 werden sicher noch viele Fragen kommen.

Zumindest gibt es jetzt aber mehr Geld.

Niggl: Sicher sind die Beträge von Pflegegeld und Pflegesachleistung gestiegen, aber das wird auch eine Welle der Preiserhöhungen nach sich ziehen. Und: Für Betroffene mit sehr viel Unterstützungsbedarf und wenig familiärer Hilfe wird das Pflegegeld auch weiterhin nur eine Teilkaskoversicherung sein.

Wie steht es im Landkreis um die Tagespflege?

Niggl: Es gibt in einigen Seniorenheimen die Möglichkeit, den zu Pflegenden in der Tagespflege unterzubringen. Allerdings sind die Plätze überschaubar, das ist hier im Landkreis echt extrem. Mit der Einstufung zum Pflegegrad ist ein Tagespflegebudget verbunden. Das verfällt bei den meisten, weil es zu wenig Angebote gibt. Es gibt auch Tagesbetreuungsgruppen, aber die werden aus einem anderen Topf bezahlt. Dafür gibt’s 125 Euro im Monat, für die Tagespflege bis zu 1995 Euro.

Woran liegt es, dass die Angebote so gering sind?

Niggl: Es ist einfacher, eine Tagesbetreuung aufzubauen, denn dort arbeiten vor allem ehrenamtliche Helfer, die von einer Fachkraft unterstützt werden . Bei einer Tagespflege gibt es mehr Vorgaben, und man muss sich stärker mit den Pflegekassen auseinandersetzen. Für ein Projekt Tagespflege braucht es eine geeignete Immobilie und finanzielle Absicherung. Unterstützung durch den Landkreis wäre toll.

Eine Familie, die seit Langem einen Platz in der Tagespflege sucht, lebt in Gmund. Gabriele Knirsch-Bichler kennt sich mit dem Pflegegesetz gut aus, da sie seit Jahren zuhause ihren Vater pflegt.

nip

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