Ein Sanierungsfall: Die Stadt Miesbach hat das Benefiziatenhaus an der Kolpingstraße übernommen. Nach der Brandschutzertüchtigung startet hier zusammen mit der Kirche das Haus für Kinder St. Marien.
+
Ein Sanierungsfall: Die Stadt Miesbach hat das Benefiziatenhaus an der Kolpingstraße übernommen. Nach der Brandschutzertüchtigung startet hier zusammen mit der Kirche das Haus für Kinder St. Marien.

Kirche und Stadt planen eine zentrale Anlaufstelle in der Kolpingstraße

Kinderbetreuung im Mittelpunkt: Mitten in Miesbach soll ein offenes Zentrum für alle Familien entstehen

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
    schließen

Miesbach – Bürokratische Hürden können gelegentlich sogar Vorzüge haben. In Miesbach war man deshalb gezwungen, ein neues Konzept bei der Kinderbetreuung zu entwickeln. Und das kommt gut an.

Weil sich die kirchlichen Immobilien an der Kolpingstraße in Miesbach in verschiedenen Händen befinden – einerseits die Kirchenstiftung Mariä Himmelfahrt, andererseits die Pfründestiftung der Diözese –, war ein großer Kunstgriff nötig, um den Vorstellungen von Pfarrei und Stadt für eine nachfrageorientierte Kinderbetreuung den Weg ebnen zu können.

Lesen Sie auch: Darum hat die Stadt Miesbach Hort und Benefiziatenhaus übernommen

Das Ergebnis ist nun ein Modell, das im Stadtrat großes Lob erntete: Krippe, Kleinkindgruppe, Kindergarten und Hort – flexibel in zwei nebeneinander liegenden Häusern, betrieben von einem gemeinsamen Träger. Also eine zentrale Anlaufstelle für die ersten zehn Lebensjahre eines Kindes. Zusammen mit dem neuen Pfarrheim nebenan soll so ein Zentrum entstehen für alle Familien in der Kreisstadt – unabhängig von Konfessionen.

Lesen Sie auch: Lärm beim Neubau des Pfarrheims belastet Nachbarn

Das Besondere am Haus für Kinder ist das flexible, integrative und überkonfessionelle System, das Johann Grasser, Leiter des katholischen Kita-Verbunds Schlierach-Leitzachtal, jüngst im Stadtrat präsentierte: Je nach Bedarf sollen die Gruppen variieren können. Unter dem Strich bleibt es bei den bisher 150 Regelplätzen, lediglich die Ausgestaltung kann sich ändern.

Eine Anlaufstelle für die ersten zehn Lebensjahre

Dabei erfordert ein Integrativplatz angesichts der besonderen Betreuung drei Regelplätze, ein Krippenplatz nimmt zwei Regelplätze in Anspruch. Generell solle es auch künftig bei sechs Gruppen bleiben: eine für die Krippe sowie drei für den Kindergarten und zwei für den Hort. Für Grasser ist das „Haus für Kinder St. Marien“ – so soll das Haus in Zukunft heißen – eine sehr gute Lösung. „Es bietet eine Anlaufstelle für die ersten zehn Lebensjahre des Kindes.“

Lesen Sie auch: Pfarrheim-Baustelle: Couch entsorgt

Eine Idee, die im Stadtrat großen Anklang fand. Vor allem die Aussicht, auch gezielt Integrativplätze bei Behinderung anbieten zu können, wurde begrüßt. Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) lobte die „gelungene Planung“ sowie das integrative Konzept: „Wir sollten diesen Weg gehen.“ Familienreferentin Malin Friese (Grüne) nannte es „sehr wertvoll, dass diese Angebote alle in diesem einen Zentrum angeboten werden sollen“ – mit Personal und Räumen flexibel reagieren zu können, sei ein schöner Ansatz. Jugendreferent Christian Mittermayer (CSU) stellte fest, dass diese „wahnsinnig gute Idee“ dort hervorragend passe.

Lesen Sie auch: Der lange Weg zum neuen Pfarrheim

Für Grasser ist der integrative Ansatz ein folgerichtiger Schritt: „Es werden mehr solcher Plätze benötigt. Die flexible Nutzung ist der Schlüssel, um langfristig auf den jeweiligen Bedarf reagieren zu können.“ Das Personal werde mit Weiterbildungen darauf vorbereitet. Mit Blick auf das Familienzentrum sollen auch Bildungsangebote für Erwachsene entwickelt werden.

SPD-Stadtrat Fertl hat weitere immobilie im Blick

Ziel ist es, noch in diesem Jahr das Benefiziatenhaus zu öffnen, doch realistisch dürfte bei dem Altbau erfahrungsgemäß eher Mitte 2023 sein. Ist der Umzug erfolgt – zwei Gruppen sind für Nummer 24 vorgesehen und vier für 22b –, will die Pfründestiftung die dann geräumte Nummer 13 im Bieterverfahren veräußern. Für Paul Fertl (SPD) wäre das aber auch eine Option für die Stadt. Er versuchte, bei Grasser auszuloten, ob ein Vorkaufsrecht für das baufällige Gebäude denkbar wäre, „denn unsere Container auf der Waitzinger Wiese sind nur für acht Jahre genehmigt“. Da wäre Nummer 13 eine interessante Alternative, allerdings nicht zum marktüblichen Tarif. Laut Grasser sei dafür nicht die örtliche Kirchenstiftung der Ansprechpartner, sondern die Pfründestiftung.

ddy

Neugierig auf den Miesbach-Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare