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Die Nachfrage steigt: In der aktualisierten Betreuungsstudie für Miesbach prognostiziert das Büro MUC-Consulting einen weiter steigenden Bedarf in Krippe, Kindergarten und Hort.

Fortschreibung der Studie vorgestellt

Kinderbetreuung: Miesbach braucht vor allem mehr Hortplätze

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Auf die Stadt Miesbach wartet einiges an Arbeitbei der Kinderbetreuung. Das Planungsbüro MUC Consulting hat die Betreuungsstudie fortgeschrieben und vor allem beim Hort Defizite ausgemacht. Generell gilt: Der Bedarf steigt weiter.

Dass Miesbach bei der Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen ins Hintertreffen geraten ist, liegt nicht an den Zahlen. Die Kinderbetreuungsstudie, das das Büro MUC-Consulting aus Planegg 2016 vorgelegt hatte, hat den Bedarf wie in den Jahren zuvor recht genau ermittelt. Grund genug für die Stadt, die Studie für die Jahre 2020 bis 2022 fortschreiben zu lassen. Das Ergebnis stellten Robert Hobelsberger und Stephan Mahlert nun im Stadtrat vor.

Kita-Plätze aufrüsten bis 2021

Die Analyse der beiden Experten hat nun ergeben, dass Miesbach in allen drei Bereichen nachbessern muss. So fehlen bis 2021 in der Krippe, die aktuell 48 Plätze umfasst, 15 bis 20 Plätze – über die Spielgruppen für bis zu drei Jahre alte Kinder sind weitere 48 Plätze abgedeckt. Im Kindergarten, der derzeit 331 Plätze bietet, fehlen etwa zehn Plätze auf die nächsten zwei Jahre. Besonders groß ist der Bedarf im Hort: Der weist aktuell 25 Plätze aus, 28 sind dank einer Ausnahmegenehmigung belegt, und dennoch fehlen 30 Plätze.

Lesen Sie auch: Miesbachs Gutachter erklären im Interview, welche Fehler Kommunen bei der Kita-Planung immer wieder machen

Dass sich der Bedarf erhöht, liege auf der Hand, erklärte Hobelsberger in Stadtrat: Wer sein Kind acht Stunden in der Krippe betreuen lässt, wird auch im Kindergarten acht Stunden brauchen sowie im Hort die entsprechende Zeit im Anschluss an die Schule. „Die Eltern arbeiten ja nicht weniger“, erklärte er mit Blick. Und noch etwas solle verbessert werden: „Bei flexiblen Öffnungszeiten hinken wir hinterher.“

Bürgermeisterin will Bedarf decken

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) sagte zu, der Nachfrage Rechnung tragen zu wollen: „Uns ist klar, dass wir mehr brauchen.“ Wie berichtet, werden auf der Waitzinger Wiese Container für drei Gruppen aufgestellt, bis das Kloster zum Kinderhaus umgebaut ist. Auch habe man in Parsberg einen Waldkindergarten mit zwölf Plätzen gestartet – für Miesbach sei eine weitere Waldgruppe in Planung. Pongratz geht auch davon aus, dass der Schichtbetrieb im Kindergarten kommen wird – mit Betreuungszeiten von acht bis zu zehn Stunden, auch wenn sie das persönlich bedaure: „Das tut mir weh. Wenn ich Kinder in die Welt setze, will ich etwas von ihnen haben. Traurig, dass es so gekommen ist.“

Dabei sei die Lage im Landkreis entspannt, berichtete Mahlert: „Im Vergleich zum Landkreis München ist Miesbach drei bis vier Jahre hinterher.“ In München besuchen den Hort über 50 Prozent der Kinder. Was Hobelsberger aber auch als Chance sieht: „Kinderbetreuung hält die Kaufkraft am Ort. Eingekauft wird nach dem Abholen des Kindes. Und mit einem guten Betreuungsangebot bekommt man Zuzügler.“ Denn wenn in der Kette „Krippe – Kindergarten – Hort – Schule“ ein Baustein fehle, bekomme ein anderer Ort den Zuschlag.

Problem Personal: Ohne ErzieherInnen keine Betreuung

Probleme bereitet auch das Betreuungspersonal – denn das ist mittlerweile hart umkämpft. So werbe die Landeshauptstadt München beispielsweise im unterfränkischen Landkreis Haßberge Erzieherinnen an – angeblich mit doppelt so hohem Gehalt.

Dass sich der Betreuungsschlüssel verschärft haben soll, zweifelte Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) an: Vor drei Jahren sei der noch niedriger gewesen. „Die Erfahrung zeigt, dass 50 Prozent kommen werden“, antwortete Mahlert – die Entwicklung sei im Fluss. „Wenn Sie Krippenplätze schaffen, werden die voll.“ Das gelte auch für die 150 Hortplätze, die Miesbach bei einem Betreuungsschlüssel von 50 Prozent vorweisen müsste. Letztlich müsse die Verwaltung eh für den benötigten Platz sorgen – die Planung solle das nur erleichtern. Was Astrid Güldner (Grüne) begrüßte: „Wenn die Einrichtungen voll sind, ist der Bedarf doch da.“

Verena Assum (CSU) sprach sich dafür aus, auch verstärkt auf Platz-Sharing zu setzen und Betreuungsplätze zu teilen: „Es kann ja nicht sein, dass man die Wahl hat zwischen einer ganzen Woche oder nichts, obwohl einem drei Tage reichen würden.“ Und Inge Jooß (SPD) missfiel die Umschreibung, die Stadt schaffe mit Plätzen Bedarf: „Wir sollten dieses Modell nicht verurteilen, nur weil wir es zu unserer Zeit anders handhaben konnten.“

Hobelsberger bestärkte die Stadträte darin, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und ausreichend Kinderbetreuungsplätze anzubieten: „Machen Sie weiter, dann bleibt die Kaufkraft in der Stadt.“ Zudem bedeute Kinderbetreuung auch: „Wir leben.“ Das sei mit Blick auf die Zukunft der Stadt nicht verkehrt.

Erste Studie bei Eon-Ausschreibung gewonnen

Wie berichtet, hatte sich Miesbach im Jahr 2009 als eine von 100 bayerischen Kommunen bei Eon Bayern um eine kostenlose Studie beworben, die die Betreuungssituation vor Ort analysierte. Die Kreisstadt erhielt den Zuschlag und richtete anhand der ermittelten Ergebnisse 2010 ihre Kita-Planung aus. Damals noch mit Erfolg – der Bedarf war abgedeckt. Die Empfehlungen aus der Fortschreibung von 2016 wurden aber vernachlässigt – mit der Folge, dass der Stadt Betreuungsplätze nun fehlen. Deshalb werden in nächster Zeit auf der Waitzinger Wiese Container aufgestellt, um den Bedarf zu decken, bis das Kloster zum Kinderhaus umgebaut ist.

ddy

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